Chullin — Blatt 59a

1Die Wurzel vom Bitterkraut.

2R. Jehuda sagte: Wer drei Gewichte Asant auf nüchternen Magen gegessen hat, dem löst sich die Haut. R. Abahu sagte: Mir passierte es einmal, daß ich etwas Asant aß, und wenn ich mich nicht ins Wasser gesetzt hätte, würde sich mir die Haut abgelöst haben. Ich ließ an mir in Erfüllung gehen [den Schriftvers:] die Weisheit erhält ihren Herrn.

3R. Joseph sagte: Wer in der Jahreszeit des Tammuz auf nüchternen Magen sechzehn Eier, vier Nüsse und sieben Kapernkörner gegessen und ein Viertel[log] Honig getrunken hat, dem wird die Herzverbindung losgerissen.

4Einst brachte man zum Exilarchen ein junges Reh, dem die Hinterbeine abgetrennt waren; da untersuchte Rabh die Achillessehne und erklärte es als tauglich. Er wollte auch davon ein Stück frisches Fleisch essen, da sprach Šemuél zu ihm: Fürchtet der Meister nicht, es könnte angenagt sein!?

5Jener fragte: Was mache man nun? — Leg es in den Ofen, und es wird sich zeigen. Als er es darauf hineintat, zerfiel es in Stücke. Hierauf las Šemuél über Rabh: Dem Frommen stößt kein Unheil zu. Rabh aber las über Šemuél: Dir ist kein Geheimnis verhüllt.

6DIE KENNZEICHEN BEI VIEH UND WILD SIND IN DER TORA ANGEGEBEN, NICHT ABER DIE KENNZEICHEN BEIM GEFELÜGEL; JEDOCH SAGTEN DIE WEISEN: JEDER ANPACKENDE VOGEL IST UNREIN, JEDER, DER EINEN SPORN UND EINEN KROPF HAT UND DESSEN MAGENHAUT SICH ABLÖSEN LÄSST, IST REIN. R. ELIE͑ZER B. R. ÇADOQ SAGT, JEDER VOGEL, DER DIE ZEHEN TEILT, SEI UNREIN.

7VON DEN HEUSCHRECKEN JEDE, DIE VIER FÜSSE, VIER FLÜGEL UND SPRINGFÜSSE HAT, UND DEREN FLÜGEL DEN GHÖSSEREN TEIL DES KÖRPERS BEDECKEN; R. JoSE SAGT, WENN SIE HEUSCHRECKE HEISST. VON DEN FISCHEN: JEDER, DER FLOSSEN UND SCHUPPEN HAT. R. JEHUDA SAGT, ZWEI SCHUPPEN UND EINE FLOSSE. SCHUPPEN SIND DIE, DIE IHM ANHAFTEN, UND FLOSSEN SIND DIE, WOMIT ER SICH FORTBEWEGT.

8GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Folgendes sind die Zeichen bei einem Vieh: jedes Vieh mit gespaltenen Klauen &c. Ist ein Vieh wiederkäuend, so ist es sicher, daß es oben keine Schneidezähne hat, und es ist rein. —

9Ist dies denn eine stichhaltige Regel, ein Kamel ist ja Wiederkäuer, auch hat es oben keine Schneidezähne, und es ist unrein!? — Ein Kamel hat Eckzähne. —

10Das junge Kamel hat ja keine Eckzähne!? Ferner sind ja Kaninchen und Hase Wiederkäuer und haben oben Schneidezähne, und sie sind unrein!? Und wird ferner in der Tora etwas von den Schneidezähnen gesagt!? — Vielmehr, er meint es wie folgt: jedes Vieh, das oben keine Schneidezähne hat, ist sicher Wiederkäuer und hat gespaltene Klauen, und somit rein. —

11Man kann ja die Klauen untersuchen!? — Wenn die Klauen abgeschnitten sind. Dies nach R. Ḥisda, denn R. Ḥisda sagte: Wenn man in der Wüste geht und ein Vieh mit abgeschnittenen Klauen findet, so untersuche man sein Maul: hat es oben keine Schneidezähne, so ist es sicher rein, wenn aber nicht, so ist es sicher unrein; nur muß man wissen, daß es kein Kamel ist. — Ein Kamel hat ja Eckzähne!? — Vielmehr, nur muß man wissen, daß es kein junges Kamel ist. —

12Du sagst also, es gebe das junge Kamel, ebenso kann es ja auch eine andere Art geben, die einem jungen Kamel gleicht!? — Dies ist nicht einleuchtend, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Das Kamel, denn wiederkäuend ist es; der seine Welt regiert, weiß, daß es außer dem Kamele nichts gibt, das wiederkäuend ist und unrein, daher sagt die Schrift: ist es.

13Ferner sagte R. Ḥisda: Wenn man auf dem Wege geht und ein Vieh mit durchgeschnittenem Maule findet, so untersuche man seine Klauen: sind sie gespalten, so ist es sicher rein, wenn aber nicht, so ist es sicher unrein; nur muß man wissen, daß es kein Schwein ist. —

14Du sagst also, es gebe das Schwein, ebenso kann es ja auch eine andere Art geben, die einem Schweine gleicht!? — Dies ist nicht einleuchtend, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Und das Schwein, denn gespaltene Klauen hat es; der seine Welt regiert, weiß, daß es außer dem Schweine nichts gibt, das gespaltene Klauen hat und unrein ist, daher sagt die Schrift: ist es.

15Ferner sagte R. Ḥisda: Wenn man in der Wüste geht und ein Vieh mit durchgeschnittenem Maule und abgeschnittenen Füßen findet, so untersuche man sein Fleisch: laufen [die Fasern] längs und quer, so ist es sicher rein, wenn aber nicht, so ist es sicher unrein; nur muß man wissen, daß es kein Waldesel ist. —

16Du sagst also, es gebe den Waldesel, ebenso kann es ja auch eine andere Art geben, die einem Waldesel gleicht!? — Es ist überliefert, daß es nicht gebe. — Wo untersuche man? Abajje, nach anderen R. Ḥisda, erwiderte: An der Hanke.

17DIE KENNZEICHEN &C. UND WILD. Die Rabbanan lehrten: Folgende sind die Kennzeichen beim Wilde. — Das Wild ist ja hinsichtlich der Kennzeichen unter dem Vieh einbegriffen!? R. Zera erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.