Chullin — Blatt 72a

1Der Fall von der Geburt und der Hebamme gleicht ja dem Falle von den zwei Ringen, und die Geburt macht die Hebamme unrein!?

2Rabba erwiderte: Anders verhält es sich bei der Geburt, weil sie später herauskommen muß. Raba entgegnete: Die Geburt muß später herauskommen und der Ring muß nicht später hervorkommen!? Vielmehr, sagte Raba, die Pumbedithenser wissen dies zu erklären, das ist R. Joseph.

3R. Joseph sagte nämlich im Namen des R. Jehuda im Namen Šemuéls: Diese Unreinheit ist nicht aus der Tora, sondern eine Bestimmung der Schriftgelehrten. — Was heißt: es ist nicht aus der Tora, sondern eine Bestimmung der Schriftgelehrten? — Man sage nicht, dies gelte nur nach R. A͑qiba, welcher sagt, die Geburt im Mutterleibe sei unrein, sondern auch nach R. Jišma͑él, welcher sagt, die Geburt im Mutterleibe sei rein, ist hierbei rabbanitisch Unreinheit angeordnet worden.

4Aus welchem Grunde? R. Hošaja erwiderte: Es ist zu berücksichtigen, die Geburt könnte den Kopf aus dem Vorraum hervorstecken.

5Demnach sollte dies auch vom Weibe gelten!? — Das Weib merkt es. — Sie kann es ja auch der Hebamme sagen!? — Sie ist zerstreut.

6Was ist dies für ein Streit zwischen R. Jišma͑él und R. A͑qiba? — Es wird gelehrt: Jeder, der auf dem Felde berührt, dies schließt die Geburt im Mutterleibe aus — so R. Jišma͑él. R. A͑qiba sagt, dies schließe Rollstein und Stütze ein.

7Und R. Jišma͑él!? — Über Rollstein und Stütze besteht eine überlieferte Lehre. — Woher entnimmt R. A͑qiba, daß die Geburt im Mutterleibe nach der Tora unrein ist? R. Oša͑ja erwiderte: Die Schrift sagt: wer einen Toten berührt, in einer Menschenseele; ein Toter in einem Menschen, das ist wohl die Geburt im Mutterleibe.

8Und R. Jišma͑él!? — Dies deutet darauf, daß ein Viertel[log] Blut von einem Toten verunreinigend sei. Es heißt: wer einen Toten berührt, in einer Menschenseele, und die Seele eines Menschen, die verunreinigend ist, ist wohl ein Viertel[log] Blut.

9R. A͑qiba aber vertritt seine Ansicht, auch ein Viertel[log] Blut von zwei Toten sei durch Bezeltung verunreinigend. Es wird nämlich gelehrt: R. A͑qiba sagte: Woher, daß ein Viertel[log] Blut von zwei Toten durch Bezeltung verunreinigend ist?

10Es heißt: zu den Seelen von Toten soll er nicht eintreten, ein Quantum bei zwei Seelen.

11WENN EIN VIEH EINEN SCHWEBEN WURF HAT UND DIE GEBURT EIN VORDEBBEIN HERAUSGESTRECKT UND MAN ES ABGESCHNITTEN UND DARAUF DIE MUTTER GESCHLACHTET HAT, SO IST DAS FLEISCH REIN; HAT MAN ZUERST DIE MUTTER GESCHLACHTET UND ES NACHHER ABGESCHNITTEN, SO IST DAS FLEISCH VON AAS BERÜHRT — SO R. MEÍR.

12DIE WEISEN SAGEN, VON TOTVERLETZT GESCHLACHTETEM BERÜHRT.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.