Chullin — Blatt 76b

1Mar b. R. Aši sagte: Wenn es nur klar ist, auch wenn es nicht weiß ist.

2Amemar sagte im Namen des R. Zebid: Es sind drei Sehnen, eine dick und zwei dünn; ist die Dicke abgetrennt, so ist der größere Teil des Haltes fort, sind die dünnen abgetrennt, so ist der größere Teil der Anzahl fort. Mar b. R. Aši lehrte es erleichternd: Ist die dicke abgetrennt, so ist der größere Teil der Anzahl vorhanden, sind die dünnen abgetrennt, so ist der größere Teil des Haltes vorhanden.

3Beim Geflügel sind es sechzehn Sehnen, und ist eine von ihnen durchgetrennt, so ist es totverletzt. Mar b. R. Aši sagte: Einst stand ich vor meinem Vater und man brachte ihm einen Vogel; er untersuchte und fand nur fünfzehn; da aber eine anders war als die übrigen, zupfte er an dieser, und es waren zwei.

4R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Bei der Achillessehne, von der sie sprechen, erfolgt dies beim größeren Teile. Unter ‘größerem Teil’ ist der größere Teil von einer zu verstehen. Als ich dies Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Merke, es sind ja drei vorhanden, somit bleiben ja, auch wenn eine ganz abgetrennt ist, zwei zurück.

5Nur wenn zwei zurückbleiben, nicht aber, wenn keine zwei zurückbleiben, somit streitet er gegen Rabanaj, denn Rabanaj sagte im Namen Šemuéls, wenn von der Achillessehne auch nur soviel wie die Nestelschnur eines Mantels zurückbleibt, sei es tauglich.

6Manche lesen: Unter ‘größerem Teil’ ist der größere Teil von jeder zu verstehen. Als ich dies Šemuél vortrug, sprach er zu mir: Merke, es sind ja drei vorhanden, somit ist ja ein Drittel von jeder vorhanden. Dies ist also eine Stütze für Rabanaj, denn Rabanaj sagte im Namen Šemuéls, wenn von der Achillessehne auch nur soviel wie die Nestelschnur eines Mantels zurückbleibt, sei es tauglich.

7DER KNOCHEN GEBROCHEN &C.

8Rabh sagte: Wenn oberhalb des Sprunggelenkes, so sind, wenn der größere Teil des Fleisches unversehrt ist, beide erlaubt, wenn aber nicht, beide verboten; wenn unterhalb des Sprunggelenkes, so sind, wenn der größere Teil des Fleisches unversehrt ist, beide erlaubt, wenn aber nicht, das Glied verboten und das Vieh erlaubt.

9Šemuél aber sagte: Einerlei ob oberhalb oder unterhalb; ist der größere Teil des Fleisches unversehrt, so sind beide erlaubt, wenn aber nicht, so ist das Glied verboten und das Vieh erlaubt.

10R. Naḥman wandte ein: Nach Šemuél kann man ja sagen: ein Glied davon liegt auf dem Misthaufen, und es ist erlaubt!? R. Aḥa b. Hona sprach zu R. Naḥman: Auch nach Rabh kann man ja sagen: ein Glied davon liegt auf dem Misthaufen, und es ist erlaubt!?

11Dieser erwiderte: Ich meine es wie folgt: ein Glied, von dem das Leben abhängig ist, liegt auf dem Misthaufen, und es ist erlaubt!?

12Von dort ließen sie sagen, die Halakha sei wie Rabh. Später ließen sie sagen, sie sei wie Šemuél. Hierauf ließen sie sagen, sie sei wie Rabh, und das Glied selbst sei durch Tragen verunreinigend.

13R. Ḥisda wandte ein: Nein, sollte denn das Schlachten, das das Totverletzte und das nachhängende Glied, das zum Körper gehört, rein macht, auch die Geburt rein machen, die nicht zum Körper gehört!?

14Raba sprach zu ihm: Brauchst du denn nach einem Einwande zu suchen, du kannst ja einen aus einer Mišna erheben: Ist das Vieh geschlachtet worden, so sind sie durch das Blut befähigt – so R. Meír. R. Šimo͑n sagt, sie seien nicht befähigt.

15Dieser erwiderte: [Den Einwand] aus der Mišna könnte man zurückweisen, wie wir ihn zurückgewiesen haben.

16Als R. Zera hinaufkam, traf er R. Jirmeja sitzen und diese Lehre vortragen. Da sprach er zu ihm: Richtig, so erklärte es auch Arjokh in Babylonien. – Arjokh ist ja Šemuél, und dieser streitet ja dagegen!? – Šemuél trat zurück [und bekannte sich] zur Ansicht Rabhs.

17Die Rabbanan lehrten: Wenn der Knochen gebrochen ist und nach außen heraustritt, so ist es, wenn Haut und Fleisch den größeren Teil bedecken, erlaubt, wenn aber nicht, verboten. – Was heißt größerer Teil? – Als R. Dimi kam, sagte er im Namen R. Joḥanans, der größere Teil der Dicke, und manche sagen, der größere Teil des Umfanges. R. Papa sagte: Daher ist sowohl der größere Teil der Dicke als auch der größere Teil des Umfanges erforderlich.

18U͑la sagte im Namen R. Joḥanans: Die Haut gleicht dem Fleische. R. Naḥman sprach zu U͑la: Sollte doch der Meister sagen, die Haut werde mit dem Fleische vereinigt, denn es heißt ja: Haut und Fleisch!? Dieser erwiderte: Wir haben gelernt: Haut oder Fleisch.

19Manche lesen: [U͑la sagte] im Namen R. Joḥanans: Die Haut wird mit dem Fleische vereinigt. R. Naḥman sprach zu U͑la: Sollte doch der Meister sagen, die Haut ergänze das Fleisch, erschwerend!?

20Dieser erwiderte: Ich kenne folgenden Fall. Einst war bei R. Jiçḥaq eine junge Taube, bei der die Haut mit dem Fleische vereinigt war, und als man sie vor R. Joḥanan brachte, erklärte er sie als tauglich. Jener entgegnete: Du sprichst von einer jungen Taube; anders verhält es sich bei einer solchen, da sie weich ist.

21Einst kam ein Fall von weichen Sehnen vor Rabba. Da sprach Rabba: Was ist hierbei zu befürchten? Erstens sagte R. Joḥanan, daß man sich auf die Sehnen hin, die später hart werden,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.