Chullin — Blatt 89a

1ob von Faden bis Schnurriemen, sind seinen Kindern zwei Gebote beschieden worden, der purpurblaue Faden und der Riemen der Tephillin.

2Erklärlich ist dies vom Riemen der Tephillin, denn es heißt: damit alle Völker der Erde sehen, daß du nach dem Namen des Herrn genannt bist, und hierzu wird gelehrt: R. Elie͑zer der Große sagte, das seien die Tephillin des Kopfes, welches Bewenden aber hat es mit dem purpurblauen Faden!?

3Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Womit ist das Purpurblau anders als alle anderen Farben? Weil das Purpurblau dem Meere, das Meer der Himmelsveste, die Himmelsveste dem Saphirsteine und der Saphirstein dem Throne der Herrlichkeit gleicht, denn es heißt: sie sahen den Gott Jisraéls, und unter seinen Füßen &c., ferner heißt es: wie das Aussehen des Saphirsteines ist das Aussehen des Thrones.

4R. Abba sagte: Der bereits aufgezehrte Raub ist so schwer, daß sogar vollendet Fromme ihn nicht erstatten können, denn es heißt: nur, was die Knaben verzehrt haben.

5R. Joḥanan sagte im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n: Wenn du irgendwo Worte R. Elea͑zars, des Sohnes R. Jose des Galiläers, in der Agada findest, so mache dein Ohr auf wie ein Mühlentrichter. [Er sagte: Es heißt:] Nicht weil ihr zahlreicher seid als alle anderen Völker, hat der Herr euch begehrt &c. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Jisraél: Ich habe Begehren an euch, denn selbst wenn ich euch Größe angedeihen lasse, geringschätzt ihr euch vor mir.

6Ich verlieh Abraham Größe, und er sprach vor mir: Ich bin Erde und Asche. Moše und Ahron, und sie sprachen: Wir sind nichts. David, und er sprach: Ich bin ein Wurm und kein Mensch.

7Anders aber die weltlichen Völker. Ich verlieh Nimrod Größe, und er sprach: Wohlan, wir wollen uns eine Stadt bauen. Dem Pareo͑, und er sprach: Wer ist der Herr? Sanḥerib, und er sprach: Wer unter allen Göttern der Völker &c.? Nebukhadneçar, und er sprach: Ich steige auf der Wolken Hohen. Ḥiram, dem Könige von Çor, und er sprach: Einen Göttersitz bewohne ich inmitten des Meeres.

8Raba, nach anderen R. Joḥanan, sagte: Bedeutender ist das, was von Moše und Ahron gesagt wird, als das, was von Abraham gesagt wird; von Abraham heißt es: ich bin Erde und Asche, von Moše und Ahron aber heißt es: wir sind nichts. Ferner sagte Raba, nach anderen R. Joḥanan: Die Welt besteht nur durch das Verdienst von Moše und Ahron; von diesen heißt es: wir sind nichts, und dort heißt es: er hangt die Erde an ein Nichts.

9R. Ilea͑ sagte: Die Welt besteht nur durch das Verdienst dessen, der sich bei einem Streite in ein Nichts verwandelt, denn es heißt: er hängt die Erde an ein Nichts. R. Abahu sagte: Der sich als Nichts betrachtet, denn es heißt: unten die Arme der Welt.

10R. Jiçḥaq sagte: Es heißt: Ihr seid wohl stumm, Gerechtigkeit zu sprechen, Menschenkinder nach Redlichkeit zu richten. Was sei die Beschäftigung des Menschen in dieser Welt? Er stelle sich stumm. Man könnte glauben, auch inbezug auf Worte der Tora, so heißt es: Gerechtigkeit zu sprechen. Man könnte glauben, damit hoffärtig sein, so heißt es: Menschenkinder nach Redlichkeit richten.

11R. Zee͑ra, nach anderen Rabba b. Jirmeja, sagte: Man darf [das Blut] mit der Erde einer abtrünnigen Stadt bedecken. – Weshalb denn; diese ist ja zur Nutznießung verboten!?

12Zee͑ri erwiderte: Dies gilt von der Bodenerde; es heißt: ihre ganze Beute sollst du auf ihrem Marktplatz zusammentragen und verbrennen; nur was des Zusammentragens und Verbrennens benötigt, ausgenommen diese, die des Abgrabens, des Zusammentragens und des Verbrennens benötigt.

13Raba erwiderte: Die Gebote sind nicht zur Nutznießung verliehen worden.

14Rabina saß und trug diese Lehre vor. Da wandte R. Riḥumi gegen Rabina ein: Mit einer für den Götzendienst verwandten. Posaune blase man nicht. Wenn man bereits geblasen hat, hat man wohl seiner Pflicht nicht genügt!? – Nein, wenn man geblasen hat, hat man seiner Pflicht genügt.

15Einen für den Götzendienst verwandten Feststrauß verwende man nicht. Wenn man bereits verwandt hat, hat man wohl seiner Pflicht nicht genügt!? – Nein, wenn man verwandt hat, hat man seiner Pflicht genügt. – Es wird ja aber gelehrt, wenn man bereits geblasen hat, habe man seiner Pflicht nicht genügt, wenn man bereits verwandt hat, habe man seiner Pflicht nicht genügt!?

16R. Aši erwiderte: Es ist nicht gleich;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.