Chullin — Blatt 95b
1einen Kopf abspülte, und als dieser ihm entfiel, holte er einen Korb und warf ihn aus, und er zog zwei herauf. Hierauf sprach Rabh: Tat ich dies ebenfalls? Und er verbot sie ihm.
2Da sprachen R. Kahana und R. Asi zu Rabh: Sind etwa nur verbotene vorhanden und keine erlaubten!? Er erwiderte ihnen: Die verbotenen sind häufiger. –
3Was ist denn dabei, daß es aus dem Zusammenhange entnommen wurde!? – Es war ein nichtjüdischer Hafen. Dies ist auch zu beweisen, denn er sagte zu ihnen, die verbotenen seien häufiger. –
4Wie aß Rabh demnach Fleisch!? – Sofort, bevor es seinen Augen entschwunden war. Wenn du aber willst, sage ich: eingewickelt und versiegelt, oder mit einem Zeichen. So pflegte Rabba b. Hona [Fleisch] dreieckig zu schneiden.
5Einst ging Rabh zu seinem Schwiegersohne R. Ḥanan und sah die Fähre ihm entgegenkommen. Da sagte er sich: die Fähre kommt mir entgegen, [dies bedeutet] einen guten Tag.
6Als er zur Tür herankam, schaute er durch die Türspalte und sah Vieh hängen. Hierauf klopfte er an die Tür, und alle Welt kam ihm entgegen, der Schlächter ebenfalls. Rabh aber wandte seine Augen [vom Fleische] nicht ab, indem er zu ihnen sprach: Wenn es so zugeht, gebt ihr den Kindern meiner Tochter Verbotenes zu essen. Und Rabh aß von diesem Fleische nicht. –
7Aus welchem Grunde: wenn wegen des Entschwindens, so entschwand es ja nicht, und wenn wegen des Augurierens,
8so sagte ja Rabh, das Augurieren, das nicht dem des Elie͑zer, des Knechts Abrahams, und dem des Jonathan, des Sohnes Šaúls, gleicht, gelte nicht als Augurieren!? – Vielmehr, es war eine profane Mahlzeit, und Rabh genoß nicht [bei Fremden] von einer profanen Mahlzeit.
9Rabh augurierte mit einer Fähre, Šemuél augurierte mit einem Buche und R. Joḥanan augurierte mit einem Kinde.
10Während der ganzen Lebenszeit Rabhs pflegte R. Joḥanan an ihn zu schreiben: an unseren Meister in Babylonien; nachdem seine Seele zur Ruhe eingekehrt war, schrieb er an Šemuél: an unseren Kollegen in Babylonien. Dieser sprach: Sollte ich nichts verstehen, worin ich sein Meister sein könnte? Da sandte er ihm einen Kalender auf sechzig Jahre. Da sprach jener: Er versteht also nichts weiter als zu berechnen!
11Hierauf sandte er ihm dreizehn Kamel[ladungen] mit Rechtsfragen inbetreff der Totverletzung. Da sprach jener: Ich habe einen Meister in Babylonien; ich will gehen und ihn sehen. Hierauf sprach er zu einem Knaben: Lies mir deinen Schriftvers vor. Dieser sprach: Und Šemuél starb. Da sprach er: Es scheint also, daß die Seele Šemuéls zur Ruhe eingekehrt ist.
12Dem war aber nicht so; Šemuél war nicht gestorben, und dies geschah nur deshalb, damit R. Joḥanan sich nicht bemühe.
13Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Obgleich man mit einem Hause, einem Kinde und einem Weibe nicht auguriere, so sind sie dennoch ein Vorzeichen.
14R. Elea͑zar sagte: Nur dann, wenn sie sich dreimal bewährt haben, denn es heißt: Joseph ist nicht mehr, Šimo͑n ist nicht mehr, und Binjamin wollt ihr mir nehmen.
15R. Hona fragte Rabh: Wie verhält es sich bei Kranzbündeln? Dieser erwiderte: Sei kein Tor; Kranzbündel gelten als Kennzeichen. Manche lesen: R. Hona sagte im Namen Rabhs: Kranzbündel gelten als Kennzeichen.
16R. Naḥman aus Nehardea͑ kam einst an einem Vorabend des Versöhnungstages zu R. Kahana in Pum Nahara und sah Raben Lebern und Nieren niederwerfen. Da sprach er zu ihm: Nimm sie und iß; heute ist das Erlaubte mehr.
17Einst war R. Ḥija b. Abin ein Darm zwischen den Fässern abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Hona kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du ihn wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm ihn.
18Einst war R. Ḥanina aus Ḥozäa ein Rückenstück Fleisch abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Naḥman kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du es wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm es.
19Einst war R. Nathan b. Abajje ein Knäuel purpurblauer Wolle abhanden gekommen, und als er hierauf zu R. Ḥisda kam, sprach dieser zu ihm: Hast du daran ein Kennzeichen? Jener erwiderte: Nein. – Erkennst du ihn wieder? Jener erwiderte: Jawohl. – Wenn dem so ist, so geh und nimm ihn.
20Raba sagte: Früher glaubte ich, das Kennzeichen sei maßgebender als das Wiedererkennen, denn man liefert ja einen Fund ab auf Grund eines Kennzeichens,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.