Chullin — Blatt 98b
1unter ‘gekocht’ sei vollständig zu verstehen, und R. Šimo͑n b. Joḥaj sagt, unter ‘gekocht’ sei zu verstehen, der mit dem Widder gekocht worden ist.
2Alle stimmen überein, daß er zusammen mit dem Widder zu kochen sei, nur ist einer der Ansicht, zuerst abschneiden und nachher kochen, und einer ist der Ansicht, zuerst kochen und nachher abschneiden.
3Wenn du aber willst, sage ich: alle stimmen überein, zuerst abschneiden und nachher kochen, nur ist einer der Ansicht, man koche ihn zusammen mit dem Widder, und einer ist der Ansicht, man koche ihn in einem besonderen Topfe.
4Nach der ersten Erklärung nach aller Ansicht und nach der anderen Erklärung nach der des R. Šimo͑n b. Joḥaj.
5Derjenige, der im Sechzigfachen sagt, ist der Ansicht, man schätze das Verhältnis von Fleisch und Knochen zum Verhältnis von Fleisch und Knochen, und er befindet sich im Sechzigfachen, und der im Hundertfachen sagt, ist der Ansicht, man schätze das Verhältnis des Fleisches zum Verhältnis des Fleisches, und er befindet sich im Hundertfachen. –
6Ist denn hiervon zu folgern, es wird ja gelehrt, dies sei Erlaubtes, das vom Verbotenen herrührt; das ‘dies’ schließt wohl alle anderen verbotenen Dinge der Tora aus!?
7Abajje erwiderte: Dies bezieht sich auf die Lehre R. Jehudas; dieser sagt, eine Art gehe in derselben Art nicht auf, so lehrt er uns, daß sie hierbei wohl aufgehe. – Sollte man es doch hiervon folgern!? –
8Der Allbarmherzige hat bekundet: er nehme vom Blute des Farren und vom Blute des Ziegenbockes, beides zusammen, demnach gehen sie in einander nicht auf. –
9Was veranlaßt dich, dieshieraus zu folgern, sollte es doch aus jener [Schriftstelle] gefolgert werden!? – Jene ist ein Novum, und von einem Novum ist nichts zu folgern. –
10Demnach ist ja hieraus auch hinsichtlich des Hundertfachen und des Sechzigfachen nicht zu folgern!? –
11Folgern wir es denn erleichternd? Wir folgern es ja erschwerend, denn nach der Tora geht es sogar in der Mehrheit auf.
12Raba erwiderte: Dies bezieht sich auf [die Bestimmung,] der Geschmack gleiche der Sache selbst; bei Heiligem ist es sonst verboten, so lehrt er uns, daß es hierbei erlaubt sei. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.