Chullin — Blatt 99a
1Sollte man es doch hiervon folgern!? Der Allbarmherzige hat beim Sündopfer bekundet: alles, was sein Fleisch berührt, sei heilig, es gleicht diesem: ist es untauglich, so wird es ebenfalls untauglich, ist es tauglich, so ist es nach Vorschrift des Strengeren zu essen. –
2Was veranlaßt dich, dies hieraus zu folgern, sollte es doch aus jener [Schriftstelle] gefolgert werden!? – Jene ist ein Novum, und von einem Novum ist nichts zu folgern. –
3Demnach ist ja hieraus auch hinsichtlich des Hundertfachen und des Sechzigfachen nicht zu folgern!? – Folgern wir es denn erleichternd? Wir folgern es erschwerend, denn nach der Tora geht es sogar in der Mehrheit auf.
4Rabina erwiderte: Dies bezieht sich auf die Schnittstelle; diese ist in anderen Fällen verboten, hierbei aber erlaubt.
5R. Dimi saß und trug diese Lehre vor,
6da sprach Abajje zu ihm: Erfolgt dies denn bei allen verbotenen Dingen der Tora beim Hundertfachen, wir haben ja gelernt: Wobei sagten sie, dies gelte vom Säuern, vom Würzen und vom Bemischen? Bei Dingen derselben Art erschwerend, und bei Dingen verschiedener Art erleichternd und erschwerend.
7Ferner wird im Schlußsatze gelehrt: Wieso erleichternd und erschwerend bei Dingen verschiedener Art? Wenn Graupen mit Linsen zusammen gekocht worden sind und einen Geschmack übertragen, so sind sie verboten, einerlei ob soviel vorhanden ist, daß jene unter hundertundeinem aufgehen, oder nicht soviel vorhanden ist daß jene unter hundertundeinem aufgehen;
8übertragen sie aber keinen Geschmack, so sind sie erlaubt, einerlei, ob soviel vorhanden ist, daß jene unter hundertundeinem aufgehen, oder nicht soviel vorhanden ist, daß jene unter hundertundeinem aufgehen.
9Darunter ist wohl zu verstehen, wenn nicht soviel vorhanden ist, daß sie unter hundertundeinem aufgehen, wohl aber unter sechzig!? –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.