Eruvin — Blatt 105a
1R.Joḥanan entgegnete: Beide folgerten sie es aus ein und demselben Schriftverse: Die Priester aber begaben sich ins Innere des Tempels des Herrn, um ihn zu reinigen, und schafften alle Unreinheit, die sie im Tempel des Herrn vorfanden, in den Vorhof des Tempels des Herrn hinaus, und die Leviten nahmen es in Empfang, um es in den Qidronbach hinauszuschaffen.
2Einer ist der Ansicht: da dies durch Leviten im Vorhofe verrichtet wurde, so gibt es da keine Unreinheit,
3und einer ist der Ansicht: wo dies durch die Leviten nicht möglich war, wurde es durch die Priester verrichtet, und wo dies durch die Leviten möglich war, brauchten die Priester sich nicht zu verunreinigen.
4Die Rabbanan lehrten: Jeder darf in den Tempel eintreten, um Bau und Reparaturarbeit zu verrichten und Unreinheit hinauszubringen, jedoch ist es durch Priester vorzuziehen; sind da keine Priester vorhanden, so treten Leviten ein, und sind da keine Leviten vorhanden, so treten Jisraéliten ein. Diese und jene nur reine, aber keine unreinen.
5R.Hona sagte: R.Kahana tritt für die Priester [Kahane] ein; denn R.Kahana lehrte: Da es heißt: nur zum [inneren] Vorhang darf er nicht hineingehen, so könnte man glauben, gebrechenbehaftete Priester dürfen nicht zwischen Vorhalle und Altar eintreten, um [bei den] Blechplatten zu arbeiten,
6daher heißt es nur, teilend. Vorzuziehen sind gebrechenfreie, sind aber keine gebrechenfreien vorhanden, so treten gebrechenbehaftete ein; vorzuziehen sind reine, sind aber keine reinen vorhanden, so treten unreine ein; von diesen und jenen nur Priester und nicht Jisraéliten.
7Sie fragten: Wer trete von Unreinem und Gebrechenbehaftetem ein? R. Ḥija b. Aši sagte, der Unreine trete ein, denn ihm ist auch der Gemeindedienst erlaubt; R.Elea͑zar sagte, der Gebrechenbehaftete trete ein, denn er darf auch Geheiligtes essen.
8R.ŠIMO͑N SAGTE &C. Worauf bezieht sich R.Šimo͑n? – Auf das, was wir gelernt haben: Wer bei Einbruch der Dunkelheit auch nur eine Elle außerhalb seines Šabbathgebietes sich befindet, darf nicht mehr hineingehen; R.Šimo͑n sagt, auch wenn fünfzehn Ellen dürfe er noch hineingehen, weil die Feldmesser die Meß[stricke] nicht fest anziehen, wegen der sich Irrenden.
9Der erste Tanna lehrt, man dürfe nicht mehr hineingehen, und hierzu sagt R.Šimo͑n, man dürfe wohl hineingehen.
10[IM TEMPEL] HABEN SIE DIR NUR DAS ERLAUBT, WAS SONST NUR DES FEIERNS WEGEN [VERBOTEN] IST. Worauf bezieht sich dies? – Auf jene Lehre: der erste Tanna sagt, er knote sie zusammen, und hierzu sagt R.Šimo͑n, er dürfe nur eine Schleife machen.
11Eine Schleife, derentwegen man sich keines Sündopfers schuldig machen kann, haben die Rabbanan [im Tempel] erlaubt, einen Knoten, dessentwegen man sich eines Sündopfers schuldig machen kann, haben die Rabbanan nicht erlaubt.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.