Eruvin — Blatt 104b

1daß sie Flachs einweichten, verbot er es ihnen.

2AUS DEM QUELLBRUNNEN. Was heißt Quellbrunnen? Šemuél erwiderte: Ein Brunnen, über den sie Worte hervorsprudeln ließen, und man erlaubte ihn.

3Man wandte ein: Sie erlaubten nicht alle Quellbrunnen, sondern nur diesen. Was heißt ‘nur diesen’, wenn du erklärst, über den sie Worte hervorsprudeln ließen!?

4Vielmehr, erklärte R.Naḥman b. Jiçḥaq, ein Brunnen quellenden Wassers, wie es heißt: wie ein Brunnen sein Wasser hervorquellen läßt &c.

5Der Text. Sie erlaubten nicht alle Quellbrunnen, sondern nur diesen. Als die Exulanten heimzogen, lagerten sie an diesem, und die Propheten unter ihnen erlaubten ihn ihnen. Aber nicht die Propheten unter ihnen, vielmehr war es ein von ihren Vorfahren überlieferter Brauch.

6WENN [AM ŠABBATH] EIN KRIECHTIER IM TEMPEL GEFUNDEN WIRD, SO BRINGE ES EIN PRIESTER MIT SEINEM GÜRTEL HINAUS, UM NICHT DIE UNREINHEIT IM TEMPEL WEILEN ZU LASSEN – SO R.JOḤANAN B. BEROQA; R.JEHUDA SAGT, MIT EINER HÖLZERNEN ZANGE, UM NIGHT DIE UNREINHEIT ZU VERMEHREN.

7AUS WELCHER STELLE BRINGE MAN ES [AM ŠABBATH] FORT? AUS DEM INNENRAUME DES TEMPELS, AUS DER VORHALLE UND ZWISCHEN DER VORHALLE UND DEM ALTAR – SO R.ŠIMO͑N B.NANNOS.

8R.A͑QIBA SAGT, MAN BRINGE ES AUS JEDER STELLE FORT, DERENTWEGEN MAN SICH BEI VORSATZ DER AUSROTTUNG UND BEI VERSEHEN EINES SÜNDOPFERS SCHULDIG MACHT. AN JEDER ANDEREN STELLE STÜLPE MAN DARÜBER EINEN KÜBEL.

9R.ŠIMO͑N SAGTE: WO DIE WEISEN DIR ETWAS ERLAUBT HABEN, HABEN SIE DIR NUR DEINES GEGEBEN; [IM TEMPEL] HABEN SIE DIR NUR DAS ERLAUBT, WAS SONST NUR DES FEIERNS WEGEN [VERBOTEN] IST.

10GEMARA. R.Ṭobi b. Qisana sagte im Namen Šemuéls: Wer etwas, das durch ein Kriechtier unrein geworden ist, in den Tempel bringt, ist schuldig, wenn aber ein Kriechtier selbst, so ist er frei. – Weshalb? – Die Schrift sagt: Männer und Frauen sollt ihr hinausschaffen; nur das, was im Tauchbade Reinheit erlangt, nicht aber das Kriechtier, das keine Reinheit erlangt.

11Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Männer und Frauen sollt ihr hinausschaffen; ausgenommen Tongefäße – so R.Jose der Galiläer. Doch wohl deshalb, weil sie durch das Tauchbad keine Reinheit erlangen. –

12Nein, nur das, was eine Urunreinheit werden kann, ausgenommen das Tongefäß, das nicht eine Urunreinheit werden kann.

13Es wäre anzunehmen, daß hierüber Tannaím streiten. Wenn ein Kriechtier im Tempel gefunden wird, so bringe es ein Priester mit seinem Gürtel hinaus, um nicht die Unreinheit im Tempel weilen zu lassen – so R. Joḥanan b.Beroqa; R.Jehuda sagt, mit einer hölzernen Zange, um nicht die Unreinheit zu vermehren.

14Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: derjenige, welcher sagt, um nicht weilen zu lassen, ist der Ansicht, wer ein Kriechtier in den Tempel bringt, sei schuldig, und derjenige, welcher sagt, um nicht zu vermehren, ist der Ansicht, wer ein Kriechtier in den Tempel bringt, sei frei. –

15Nein, alle sind der Ansicht, er sei schuldig, und ihr Streit besteht in folgendem: einer ist der Ansicht, man lasse lieber die Unreinheit weilen, und einer ist der Ansicht, man vermehre lieber die Unreinheit. –

16Vielmehr, wie die folgenden Tannaím. Wir haben gelernt: Aus welcher Stelle bringe man es fort &c.

17Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: derjenige, welcher sagt, aus dem Vorhofe nicht, ist der Ansicht, wer ein Kriechtier in den Tempel bringt, sei frei, und derjenige, welcher sagt, aus dem ganzen Vorhofe, ist der Ansicht, er sei schuldig.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.