Eruvin — Blatt 13a
1R.A͑QIBA ENTGEGNETE: SIE STREITEN ÜBER DEN EINEN UND DEN ANDEREN.
2R.A͑qiba sagt ja dasselbe, was der erste Tanna!? – sie streiten bezüglich der lehre R. Aḥlajs, beziehungsweise R.JeḥIéls; es ist aber nicht bekannt.
3Es wird gelehrt: R. A͑qiba erwiderte: Nicht R.Jišma͑él sagte dies, sondern dieser Schüler selbst, und die Halakha ist wie dieser Schüler. –
4Dies widerspricht sich ja selbst: zuerst sagst du, nicht R.Jišma͑él habe dies gesagt, demnach ist die Halakha nicht wie jener, und darauf sagst du, die Halakha sei wie jener Schüler!?
5R.Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: R.A͑qiba sagte dies nur, um dadurch den Scharfsinn der Schüler anzuregen.
6R.Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Er sagte nur, dies leuchte ein.
7R.Jehošua͑ b. Levi sagte: Wenn da irgendwo findest, ein Schüler habe etwas im Namen R.Jišma͑éls vor R.A͑qiba gesagt, so ist es R.Meír, der zuerst bei R.Jišma͑él und dann bei R.A͑qiba famulierte.
8Es wird nämlich gelehrt: R.Meír erzählte: Als ich bei R.Jišma͑él war, pflegte ich Vitriol in die Tinte zu tun, und er sagte mir nichts; als ich aber [später] zu R.A͑qiba kam, verbot er es mir. –
9Dem ist ja aber nicht so, R.Jehuda erzählte im Namen Šemuéls im Namen R.Meírs: Als ich bei R.A͑qiba lernte, pflegte ich Vitriol in die Tinte zu tun, und er sagte mir nichts; als ich aber [später] zu R.Jišma͑él kam, fragte er mich: Mein Sohn, was ist deine Beschäftigung? Ich erwiderte ihm: Ich bin [Tora]Schreiber. Da sprach er zu mir: Mein Sohn, sei vorsichtig bei deiner Arbeit, denn sie ist eine Gottesarbeit; wenn du nur einen Buchstaben auslassest oder einen Buchstaben zuviel [schreibst], zerstörst du die ganze Welt.
10Ich erwiderte ihm: Ich habe etwas, das ich in die Tinte tue, es ist Vitriol. Darauf entgegnete er mir: Darf man denn Vitriol in die Tinte tun, die Tora sagt ja: er schreibe, und er verwische, eine Schrift, die sich verwischen läßt!? –
11Was sagte ihm jener, und was erwiderte ihm dieser? –
12Er sprach zu ihm wie folgt: selbstverständlich bin ich im Schreiben der defekten und vollen [Worte] kundig, aber ich brauche auch nicht zu befürchten, eine Fliege könnte sich auf das Häkchen des Daleth setzen, es verwischen und aus diesem ein Reš machen, denn ich habe etwas, das ich in die Tinte tue, nämlich Vitriol.
13Es besteht also ein Widerspruch sowohl bezüglich des Famulierens als auch bezüglich des Verbotes!?
14Allerdings kann man den Widerspruch bezüglich des Famulierens erklären: er kam zuerst zu R. A͑qiba, und da er ihn nicht verstand, ging er zu R.Jišma͑él, bei dem er das Gesetz lernte, und kehrte dann zu R.A͑qiba zurück, dessen Erläuterungen er dann verstand;
15aber bezüglich des Verbotes besteht ja ein Widerspruch!? – Dem ist auch so.
16Es wird gelehrt: R.Jehuda sagte: R.Meír sagt, man dürfe in jede Tinte Vitriol tun, außer [zum Schreiben] des Abschnittes von der Ehebruchverdächtigten;R.Ja͑qob sagte in seinem Namen, außer [zum Schreiben] des Abschnittes von der Ehebruchverdächtigten im Tempel. –
17Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? R.Jirmeja erwiderte: Ob man [diesen Abschnitt ] aus der Tora ausradieren darf.
18Diese Tannaim führen denselben Streit, wie die Tannaím der folgenden Lehre: Die Rolle, die für eine Ehebruchverdächtigte geschrieben wurde, ist für eine andere unbrauchbar; R.Aḥi b.Jošija sagt, sie sei auch für eine andere brauchbar.
19R.Papa entgegnete: Vielleicht ist dem nicht so; der erste Tanna ist dieser Ansicht nur da, denn da [die Rolle] einmal für Rahel bestimmt war, kann sie nicht mehr für Lea bestimmt werden, einen Abschnitt der Tora aber, der ohne Bestimmung geschrieben wurde, darf man wohl ausradieren.
20R.Naḥmanb.Jiçḥaq entgegnete: Vielleicht ist dem nicht so; R.Aḥi b. Jošija ist dieser Ansicht nur da, wo [die Rolle] immerhin für eine Ehebruchverdächtigte geschrieben wurde, einen Abschnitt der Tora aber, der ja zum Studium geschrieben wurde, darf man nicht ausradieren. –
21Aber hält denn R.Aḥi b.Jošija nichts von dem, was wir gelernt haben: Wenn jemand einen Scheidebrief für seine Frau geschrieben
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.