Eruvin — Blatt 14a

1GEMARA. Wieso eine Handbreite, er müßte ja anderthalb breit sein!? –

2Wenn er so breit ist, um eine Handbreite aufzunehmen, so kann man die überragende halbe Handbreite mit Lehm bestreichen, etwas an der einen Seite und etwas an der anderen Seite.

3Rabba b. R.Hona sagte, der Querbalken, von dem sie sprechen, müsse so stark sein, um einen Halbziegel tragen zu können, die Träger des Balkens brauchen jedoch nicht so stark zu sein, um Querbalken und Halbziegel tragen zu können. R. Ḥisda sagte, diese und jener müssen auch den Halbziegel tragen können.

4R.Šešeth sagte: Wenn man einen Querbalken über den Durchgang legt und über diesen eine Matte ausbreitet, die bis drei [Handbreiten] vom Boden herabhängt, so ist hier weder Querbalken noch Zaun vorhanden: kein Querbalken, da er bedeckt ist, kein Zaun, da es ein Zaun ist, durch den Ziegen durchschlüpfen können.

5Die Rabbanan lehrten: Wenn ein Querbalken aus einer Wand herausragt und die gegenüberliegende Wand nicht berührt, ebenso wenn zwei Querbalken aus zwei gegenüberliegenden Wänden herausragen und einander nicht berühren, so ist, wenn die [Entfernung] keine drei [Handbreiten] beträgt, kein anderer Querbalken nötig; beträgt sie aber drei [Handbreiten], so ist ein anderer Querbalken nötig.

6R.Šimo͑n b.Gamliél sagt, beträgt [die Entfernung] keine vier [Handbreiten], sei kein anderer Querbalken nötig, beträgt sie vier [Handbreiten], sei ein anderer Querbalken nötig.

7Ebenso ist, wenn zwei Querbalken, von denen weder der eine noch der andere allein einen Halbziegel aufnehmen kann, neben einander liegen, wenn sie zusammen einen Halbziegel von anderthalb Handbreiten der Breite nach aufnehmen können, kein anderer Querbalken nötig, wenn aber nicht, ein anderer Querbalken nötig.

8R.Šimo͑n b. Gamliél sagt, wenn sie [auseinander gerückt] einen (Halb-)Ziegel von drei [Handbreiten] der Länge nach aufnehmen können, sei kein anderer Querbalken nötig, wenn aber nicht, sei noch ein anderer Querbalken nötig.

9Befindet sich einer oben und einer unten, so betrachte man, wie R.Jose b. R.Jehuda sagt, den oberen, als läge er ebenfalls unten, oder den unteren, als läge er ebenfalls oben, nur darf der obere nicht höher als zwanzig [Ellen] und der untere nicht niedriger als zehn [Handbreiten] sein.

10Abajje sagte: R. Jose b. R.Jehuda ist in einem Falle der Ansicht seines Vaters, und in einem Falle streitet er gegen ihn. In einem Falle ist er der Ansicht seines Vaters, indem er ebenfalls der Ansicht ist, daß zu betrachten sei,

11und in einem Falle streitet er gegen ihn, indem R.Jehuda der Ansicht ist, [der Querbalken] dürfe sich oberhalb zwanzig [Ellen] befinden, während R.Jose b. R.Jehuda der Ansicht ist, nur innerhalb zwanzig [Ellen] und nicht oberhalb zwanzig.

12R.JEHUDA SAGT, WENN NUR BREIT GENUG, AUCH &C. R.Jehuda lehrte Ḥija b.Rabh vor Rabh: Wenn nur breit genug, auch wenn nicht stark genug. Da sprach dieser: Lehre ihn: breit und stark genug. –

13R.Ilea͑j sagte ja aber im Namen Rabhs, wenn nur breit genug, brauche er nicht stark genug zu sein!? – Anders ist es, wenn er vier [Handbreiten] breit ist.

14IST ER AUS STROH &C. Er lehrt uns damit, daß zu betrachten sei, und das ist ja dasselbe!? –

15Man könnte glauben, nur wenn er aus dem gleichen Material besteht, nicht aber, wenn aus einem anderen, so lehrt er uns.

16IST ER KRUMM, SO IST ER ALS GERADE ZU BETRACHTEN. Selbstverständlich!? – Er lehrt uns damit das, was R.Zera gesagt hat. R.Zera sagte nämlich: Befindet sich [der Querbalken] innerhalb und die Krümmung außerhalb des Durchgangs, oder dieser innerhalb der zwanzig [Ellen] und die Krümmung oberhalb der zwanzig, oder dieser oberhalb der zehn [Handbreiten] und die Krümmung unterhalb, so ist, wenn man die Krümmung abziehen würde und dazwischen keine drei [Handbreiten] sein würden, kein anderer Querbalken nötig, wenn aber wohl, so ist ein anderer Querbalken nötig. –

17Aber auch dies ist ja selbstverständlich?! – Nötig ist es wegen des Falles, wenn sich dieser innerhalb und die Krümmung außerhalb des Durchgangs befindet; man könnte glauben, es sei zu berücksichtigen, man könnte veranlaßt werden, sich nach dieser zu richten, so lehrt er uns.

18IST EH RUND, SO IST ER ALS VIERECKIG ZU BETRACHTEN. Wozu ist dies weiter nötig!? – Dies ist wegen des Schlußsatzes nötig: Was drei Handbreiten im Kreise hat, hat eine Handbreite im Durchmesser. –

19Woher dies? R.Joḥanan erwiderte: Die Schrift sagt: Er fertigte das Meer, gegossen, von einem Rande bis zum anderen zehn Ellen weit, ringsum rund und fünf Ellen hoch; und eine Schnur von dreißig Ellen umspannte dasselbe ringsum. –

20Die Dicke des Randes kommt ja noch hinzu!?

21R.Papa erwiderte: Vom Rande heißt es, daß er einem Lilienblatt glich, denn es heißt: und seine Dicke betrug eine Handbreite, und sein Rand war wie der Rand eines Bechers gestaltet, nach der Art einer Lilienblüte; zweitausend Bath faßte es. –

22Aber immerhin kommt ja irgend eine Dicke hinzu!? – Er spricht vom inneren [Umfang].

23R.Ḥija lehrte: Das Meer, das Šelomo gemacht hatte, faßte einhundertundfünfzig Tauchbäder der Reinigung. – Aber das Tauchbad hat ja vierzig Seá!? Es wird nämlich gelehrt: Er soll seinen Leib im Wasser baden:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.