Eruvin — Blatt 34b

1so ist es ja selbstverständlich, das Privatgebiet steigt ja bis zum Himmel, und wie es nach oben steigt, ebenso dringt es nach unten, und wenn sie sich auf öffentlichem Gebiete befindet,

2[so ist einzuwenden:] wo beabsichtigte er den Aufenthalt am Šabbath zu nehmen: wenn oben, so befindet er sich ja auf einem anderen Gebiete als sein E͑rub, und wenn unten, so ist es ja selbstverständlich, er befindet sich ja mit seinem E͑rub auf ein und demselben Gebiete!? —

3In dem Falle, wenn er sich in einem Neutralgebiete befindet und den Aufenthalt am Šabbath oben zu nehmen beabsichtigt hat, und zwar nach Rabbi, welcher sagt, bei dem, was nur des Feierns wegen verboten ist, haben sie bei Dämmerung nicht verboten.

4HAT ER DEN E͑RUB AUF DIE SPITZE EINER STANGE ODER EINES STUMPENS GELEGT, DIE [VOM STAMME] GETRENNT SIND UND IN DER ERDE STECKEN, SO IST ER GÜLTIG, AUCH WENN SIE HUNDERT ELLEN HOCH SIND.

5GEMARA. R.Ada b. Mathna wies Raba auf einen Widerspruch hin: Nur wenn sie [vom Stamme] getrennt sind und in der Erde stecken, nicht aber, wenn sie nicht [vom Stamme] getrennt sind (und in der Erde stecken), also nach den Rabbanan, welche sagen, auch bei dem, was nur des Feierns wegen verboten ist, haben sie bei Dämmerung verboten, während du vom Anfangssatze sagst, er sei nach Rabbi; der Anfangssatz nach Rabbi und der Schlußsatz nach den Rabbanan!?

6Dieser erwiderte: Rami b.Ḥama wies bereits R.Ḥisda auf diesen Widerspruch hin, und dieser erwiderte ihm: Allerdings der Anfangssatz nach Rabbi und der Schlußsatz nach den Rabbanan.

7Rabina erwiderte: Die ganze Lehre ist nach Rabbi, im Schlußsatze aber wird berücksichtigt, man könnte etwas abbrechen.

8Einst kamen Truppen nach Nehardea͑; da sprach R.Naḥman zu [den Jüngern]: Geht aufs Feld hinaus und drücket [das Rohr als Sitze] ein, damit wir da morgen hingehen und darauf sitzen können.

9Rami b.Ḥama wandte gegen R.Naḥman ein, und wie manche sagen, wandte es R.U͑qaba b.Abba gegen R.Naḥman ein: Nur wenn sie [vom Stamme] getrennt sind und in der Erde stecken, nicht aber wenn sie nicht [vom Stamme] getrennt sind (und in der Erde stecken)!?

10Dieser erwiderte: Da handelt es sich um hartes Rohr. — Woher entnimmst du, daß zwischen hartem Rohr und nicht hartem zu unterscheiden sei? — Es wird gelehrt, Rohr, Dornen und Disteln gehören zur Baumart und sind keine Mischsaat in einem Weinberge, dagegen lehrt ein Anderes, Rohr, Kassia und Weiden gehören zur Krautart und sind Mischsaat in einem Weinberge. Diese Lehren widersprechen ja einander!?

11Wahrscheinlich gilt das eine von hartem Rohr und das andere von nicht hartem. Schließe hieraus. —

12Gehört denn Kassia zur Krautart, wir haben ja gelernt, daß man keine Raute auf weiße Kassia pfropfen dürfe, weil dies Krautpflanze auf Baumpflanze ist!? R.Papa erwiderte: Kassia und weiße Kassia sind voneinander verschieden.

13WENN JEMAND [DEN E͑RUB] IN EINEN SCHRANK GELEGT UND DEN SCHLÜSSEL VERLOREN HAT, SO IST ER GÜLTIG; R.ELIE͑ZER SAGT, WENN ER NICHT WEISS, DASS DER SCHLÜSSEL AUF SEINEM PLATZE LIEGT, SEI DER E͑RUB UNGÜLTIG.

14GEMARA. Weshalb denn, er befindet sich ja auf einem anderen Gebiete als sein E͑rub!?

15Rabh und Šemuél erklärten beide, hier handle es sich um einen Schrank aus Ziegelsteinen, und zwar nach R.Meír, welcher sagt, man dürfe von vornherein ein Loch machen und [Früchte] hervorholen. Wir haben nämlich gelernt: Wenn ein mit Früchten gefüllter Raum schadhaft wird, so darf man durch die schadhafte Stelle [Früchte] hervorholen; R.Meír sagt, man dürfe von vornherein ein Loch machen und sie hervorholen. —

16Aber R.Naḥman b. Ada sagte ja im Namen Šemuéls, dies gelte von einer Schicht von Ziegelsteinen!? — Auch hier handelt es sich um eine Schicht von Ziegelsteinen. —

17Aber R.Zera sagte ja, daß sie dies nur vom Feste und nicht vom Šabbath gesagt haben!? — Auch hier wird vom Feste gesprochen. —

18Wieso wird demnach hierzu gelehrt, R. Elie͑zer sagt, wenn er [den Schlüssel] in der Stadt verloren hat, sei der E͑rub gültig, und wenn er ihn auf dem Felde verloren hat, sei er ungültig; welchen Unterschied gibt es denn am Feste zwischen Stadt und Feld!?—

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.