Eruvin — Blatt 35b

1um dir die Ansicht R.Joses hervorzuheben, und er lehrt es vom Unreinwerden als Hebe, um dir die Ansicht R.Meírs hervorzuheben. —

2Ist R.Meír denn der Ansicht, bei einem Zweifel sei erschwerend zu entscheiden, wir haben ja gelernt: Wenn ein Unreiner zum Untertauchen hinabgestiegen ist und es zweifelhaft ist, ob er untergetaucht ist oder nicht untergetaucht ist, oder sogar entschieden untergetaucht ist und es zweifelhaft ist, ob er in vierzig Seá untergetaucht ist oder nicht in vierzig Seá untergetaucht ist, oder in einem von zwei Tauchbädern untergetaucht ist, von denen eines vierzig Seá und eines keine vierzig Seá hat, und nicht weiß, in welchem er untergetaucht ist, so ist er im Zweifel unrein.

3Dies gilt nur von einer schweren Unreinheit, ist es

4aber eine leichte Unreinheit, wenn beispielsweise jemand unreine Speisen gegessen oder unreine Getränke getrunken hat, mit dem Kopfe und dem größeren Teile des Körpers in geschöpftem Wasser untergetaucht ist, oder einem auf den Kopf und den größeren Teil des Körpers drei Log geschöpftes Wasser gekommen ist und er zum Untertauchen herabgestiegen ist, und es zweifelhaft ist, ob er untergetaucht ist oder nicht untergetaucht ist, oder sogar entschieden untergetaucht ist und es zweifelhaft ist, ob er in vierzig Seá untergetaucht ist oder nicht in vierzig Seá untergetaucht ist, oder in einem von zwei Tauchbädern untergetaucht ist, von denen eines vierzig Seá und eines keine vierzig Seá hat, und er nicht weiß, in welchem er untergetaucht ist, so ist er im Zweifel rein — so R.Meír;

5nach R.Jose ist er unrein!? —

6R.Meír ist der Ansicht, das Gesetz von den Šabbathsgebieten sei aus der Tora. —

7Ist denn R.Meír der Ansicht, das Gesetz von den Šabbathsgebieten sei aus der Tora, wir haben ja gelernt: Kann man [das Hindernis] nicht aufgehen lassen? Diesbezüglich sagte R.Dostaj b. Jannaj im Namen R.Meírs: Ich habe gehört, daß man Berge durchsteche.

8Wieso darf man, wenn du sagst, das Gesetz von den Šabbathgebieten sei aus der Tora, Berge durchstechen, R.Naḥman sagte ja im Namen des Rabba b. Abuha, man dürfe weder bei [der Messung] der Asylstädte noch beim genickbrochenen Kalbe Berge durchstechen, weil sie aus der Tora sind!? —

9Das ist kein Einwand; das eine ist seine eigne Ansicht, das andere ist die Ansicht seines Lehrers. Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: Diesbezüglich sagte R.Dostaj b. Jannaj im Namen R.Meírs: Ich habe gehört, daß man Berge durchsteche. Schließe hieraus. —

10Ich will auf einen Widerspruch hinweisen, in dem R.Meír sich mit sich selbst bei [Geboten] der Tora befindet.

11Wir haben gelernt: Wenn jemand nachts einen berührt hat und nicht weiß, ob er lebendig oder tot war, und ihn am folgenden Morgen tot findet, so ist er nach R.Meír rein, nach den Weisen aber unrein, weil man sich bei allen Unreinheiten nach dem Zustande bei ihrer Auffindung richte!?

12R.Jirmeja erwiderte: Unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn das Kriechtier während der ganzen Dämmerzeit da gelegen hat. — Sollte denn R.Jose von einem solchen Falle gesagt haben, der E͑rub sei in einem Zweifel brauchbar!?

13Rabba und R.Joseph erklärten beide, hier handle es sich um zwei Gruppen von Zeugen, von denen eine bekundet, er sei schon während des Tages unrein geworden, und eine bekundet, er sei erst bei Dunkelheit unrein geworden.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.