Eruvin — Blatt 36b
1denn wieso hat er nichts gesagt, wenn man sagen wollte, der E͑rub erlange Gültigkeit mit dem Beginn des [kommenden] Tages, falls er sagt: ‘bereitet mir damit einen E͑rub’!?
2R.Papa entgegnete: Du kannst sogar sagen, der E͑rub erlange Gültigkeit mit dem Beginn des Tages, denn es muß schon am Tage eine verwendbare Mahlzeit sein, was hierbei nicht der Fall ist.
3MAN DARF EINEN E͑RUB BEDINGUNGSWEISE NIEDERLEGEN UND SPRECHEN: ‘KOMMEN DIE NICHTJUDEN AUS DER OSTSEITE, SO SEI MEIN E͑RUB NACH WESTEN GÜLTIG, [KOMMEN SIE] AUS DER WESTSEITE, SO SEI MEIN E͑RUB NACH OSTEN GÜLTIG, KOMMEN SIE VON DA UND VON DORT, SO SEI ES MIR VORBEHALTEN, NACH DER MIR BELIEBIGEN RICHTUNG ZU GEHEN, UND KOMMEN SIE WEDER VON DA NOCH VON DORT, SO SEI MIR [DAS RECHT] DER LEUTE MEINER STADT’.
4‘KOMMT EIN GELEHRTER AUS DER OSTSEITE, SO SEI MEIN E͑RUB NACH OSTEN GÜLTIG, [KOMMT EINER] AUS DER WESTSEITE, SO SEI MEIN E͑RUB NACH WESTEN GÜLTIG, KOMMEN WELCHE VON DA UND VON DORT, SO SEI ES MIR VORBEHALTEN, NACH DER MIR BELIEBIGEN RICHTUNG ZU GEHEN, UND KOMMT KEINER, WEDER DA NOCH DORT, SO SEI MIR [DAS RECHT] DER LEUTE MEINER STADT’. R.JEHUDA SAGT, IST EINER VON IHNEN SEIN LEHRER, SO GEHE ER ZU SEINEM LEHRER, SIND BEIDE SEINE LEHRER, SO GEHE ER NACH DER IHM BELIEBIGEN RICHTUNG.
5GEMARA. Als R.Jiçḥaq kam, lehrte er unsere ganze Mišna umgekehrt. Es besteht ein Widerspruch sowohl bezüglich der Nichtjuden als auch bezüglich des Gelehrten!? —
6Bezüglich der Nichtjuden besteht kein Widerspruch, denn eine [Lesart] spricht von einem Exekutivbeamten und eine von einem Ortsvorsteher.
7Und bezüglich des Gelehrten besteht ebenfalls kein Widerspruch, denn eine spricht von einem Gelehrten, der Vorträge hält, und eine von einem Kinderlehrer.
8R.JEHUDA SAGT, IST EINER VON IHNEN SEIN LEHRER &C. Und die Rabbanan!? — Oft ist einem ein Kollege lieber als ein Lehrer.
9Rabh sagte: Aus einer Lehre Ajos ist zu entnehmen, daß nach unserer Mišna nicht zu entscheiden sei; Ajo lehrte nämlich: R.Jehuda sagt, niemand könne sich bedingungsweise zwei Eventualitäten gleichzeitig vorbehalten; vielmehr, kommt der Gelehrte aus der Ostseite, so ist sein E͑rub nach Osten gültig, und kommt der Gelehrte aus der Westseite, so ist sein E͑rub nach Westen gültig, jedoch nicht da und dort. —
10Da und dort wohl deswegen nicht, weil es keine fiktive Feststellung gibt, ebenso sollte es keine fiktive Feststellung geben, auch wenn nach Osten oder Westen!?
11R.Joḥanan erwiderte: Wenn der Gelehrte bereits eingetroffen var. —
12Im Gegenteil, aus der Mišna ist ja zu entnehmen, daß nicht nach der Lehre Ajos zu entscheiden sei!? —
13Dies ist nicht einleuchtend, denn wir wissen von R.Jehuda, daß er von der fiktiven Feststellung nichts hält. Wir haben nämlich gelernt: Wenn jemand Wein bei Samaritanern kauft,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.