Eruvin — Blatt 50a

1Rabba sagte: Was ist der Grund Rabhs? Weil er den Platz nicht bezeichnet hat.

2Manche lesen: Rabba sagte: Was ist der Grund Rabhs? Er ist der Ansicht, was nacheinander nicht gültig ist, sei auch gleichzeitig nicht gültig. —

3Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? — Ein Unterschied besteht zwischen ihnen in dem Falle, wenn einer gesagt hat, er wolle vier von den acht Ellen [unter dem Baume] erwerben.

4Nach der Erklärung, er habe den Platz nicht bezeichnet, hat auch dieser den Platz nicht bezeichnet,

5und nach der Erklärung, was nacheinander nicht gültig ist, sei auch gleichzeitig nicht gültig, gleicht es hierbei den vier Ellen, denn er sagte ja: vier Ellen.

6Der Text: Rabba sagte: Was nacheinander nicht gültig ist, ist auch gleichzeitig nicht gültig. Abajje wandte gegen Rabba ein: Wenn jemand den Zehnten zu hoch absondert, so sind seine Früchte zubereitet und der Zehnt unbrauchbar.

7Weshalb denn, man sollte doch sagen, was nacheinander nicht gilt, gelte auch gleichzeitig nicht!? —

8Anders ist es beim Zehnten, wobei eine Teilung möglich ist, denn, wenn er sagt, die Hälfte eines jeden Weizenkorns sei heilig, ist sie heilig. —

9Aber beim Viehzehnten ist ja eine Teilung nicht möglich,

10dennoch sagte Raba, daß, wenn beim zehnten zwei zusammen herauskommen und er ‘zehn’ ausruft, das zehnte und das elfte mit einander vermischt seien!? —

11Anders ist es beim Viehzehnten, wobei es bei einem Irrtum in der Reihenfolge gültig ist,

12denn wir haben gelernt, daß, wenn man das neunte als zehntes, das zehnte als neuntes und das elfte als zehntes bezeichnet hat, alle drei heilig seien. —

13Das Dankopfer ist ja bei einem Irrtum ungültig, auch nacheinander, dennoch wird gelehrt, daß, wenn das Dankopfer bei achtzig Broten geschlachtet worden ist, vierzig von den achtzig, wie Ḥizqija sagt, heilig, und wie R.Joḥanan sagt, nicht heilig seien!? —

14Hierzu wurde ja gelehrt: R.Zera sagte: Alle stimmen überein, daß, wenn er gesagt hat: vierzig von den achtzig mögen heilig sein, sie heilig seien, und wenn: die vierzig mögen nur dann heilig sein, wenn alle achtzig heilig sind, sie nicht heilig seien;

15sie streiten nur über den Fall, wenn er nichts gesagt hat: Einer ist der Ansicht, er habe dies zur Sicherheit getan und sie bedingungsweise dargebracht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.