Eruvin — Blatt 57a

1und wenn du vier vom Gebiete [an den Seiten] und vier von den Winkeln nimmst, so sind es zusammen acht. —

2Das ist ja ein Drittel!? — Du glaubst wohl, er spreche von einer viereckigen [Stadt], er spricht von einer runden, und da das Quadrat um ein Viertel größer ist als der Kreis, so ist ein Viertel abzuziehen, so daß es sechs bleiben: sechs ist ein Viertel von vierundzwanzig.

3Rabina erklärte: Unter ‘Viertel’ ist ein Viertel des Gebietes [rings um ] zu verstehen.

4R.Aši erklärte: Unter ‘Viertel’ ist ein Viertel der Winkel zu verstehen.

5Die Rabbanan sprachen zu R.Aši: Es heißt ja aber ‘ringsum’. —

6Das ‘ringsum’ bezieht sich nur auf die Winkel. Wie willst du, wenn du nicht so erklärst, den beim Brandopfer gebrauchten Schriftvers erklären: sie sollen das Blut ringsum an den Altar sprengen; ist etwa hierbei zu verstehen, um den ganzen Altar!? Vielmehr ist das ‘ringsum’ auf die Winkel zu beziehen, ebenso beziehe man es auch hierbei nur auf die Winkel.

7R.Ḥabibi aus Maḥoza sprach zu R.Aši: Die Winkel sind ja eckig!? —

8Wenn die Stadt rund ist. — Sie wird ja aber quadriert!? — Sie wird nur als quadratisch angesehen, nicht aber wirklich quadriert.

9R.Ḥinaj aus Maḥoza sprach zu R.Aši: Merke, das Quadrat ist ja um ein Viertel größer als der Kreis, wieso sind es achthundert [Ellen], es sind ja nur sechshundertsiebenundsechzig abzüglich eines Drittels!?

10Dieser erwiderte: Dies nur bei einem Kreise in einem Quadrate, die Diagonallinie [eines Quadrates] aber beträgt mehr. Der Meister sagte nämlich, eine Elle im Quadrat hat eine Elle und zwei Fünftel in der Diagonale.

11MAN GEBE ZUR STADT EINEN VORPLATZ — SO R.MEÍR; DIE WEISEN SAGEN, VOM VORPLATZE SAGTEN SIE ES NUR ZWISCHEN ZWEI STÄDTEN: WENN DIE EINE SIEBZIG ELLEN UND EINEN ÜBERSCHUSS HAT, UND DIE ANDERE SIEBZIG ELLEN UND EINEN ÜBERSCHUSS HAT, SO BEWIRKT DER VORPLATZ, DASS BEIDE ALS EINE GELTEN.

12EBENSO AUCH, WENN DREI DÖRFER EIN DREIECK BILDEN: IST ZWISCHEN DEN ZWEI ÄUSSEREN [EIN ABSTAND VON] HUNDERTEINUNDVIERZIG [ELLEN] UND EIN DRITTEL VORHANDEN, SO BEWIRKT DAS MITTLERE, DASS DIE DREI ALS EINES GELTEN.

13GEMARA. Woher dies? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: außerhalb der Stadtmauer; die Tora sagt damit, daß man etwas außerhalb lasse und dann messe.

14DIE WEISEN SAGEN &C. Es wurde gelehrt: R.Hona sagte, man gebe einen Vorplatz zu der einen und einen Vorplatz zu der anderen. Ḥija b. Rabh sagte, einen Vorplatz für beide. —

15Wir haben gelernt: Die Weisen sagen, vom Vorplatze sagten sie es nur zwischen zwei Städten. Dies ist eine Widerlegung R.Honas!? —

16R.Hona kann dir erwidern: unter ‘Vorplatz’ ist das Gesetz vom Vorplatze zu verstehen, und zwar einen Vorplatz zu der einen und einen Vorplatz zu der anderen.

17Dies ist auch einleuchtend, denn im Schlußsatze lehrt er: wenn die eine [einen Vorplatz von] siebzig Ellen und einem Überschusse hat und die andere [einen Vorplatz von] siebzig Ellen und einem Überschusse hat, so bewirkt der Vorplatz, daß beide als eine gelten. Schließe hieraus. —

18Dies wäre also eine Widerlegung des Ḥija b. Rabh!? — Ḥija b. Rabh kann dir erwidern:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.