Eruvin — Blatt 95b
1BEI GEFAHR BEDECKE MAN SIE UND GEHE SEINES WEGES.
2R.ŠIMO͑N SAGT, MAN REICHE SIE SEINEM NÄCHSTEN UND DER NÄCHSTE SEINEM NÄCHSTEN, BIS SIE SO ZUM ÄUSSERSTEN HOFE GELANGEN.
3DESGLEICHEN REICHE MAN SEIN KIND SEINEM NÄCHSTEN UND DER NÄCHSTE SEINEM NÄCHSTEN, AUCH BIS HUNDERT. R.JEHUDA SAGTE: MAN DARF SEINEM NÄCHSTEN EIN FASS REICHEN UND DER NÄCHSTE SEINEM NÄCHSTEN, AUCH AUSSERHALB DES ŠABBATHGEBIETES. JENE SPRACHEN ZU IHM: DIESES DARF NICHT WEITER GELANGEN ALS DIE FÜSSE SEINES EIGENTÜMERS.
4GEMARA. Nur ein Paar und nicht mehr, somit vertritt unsere anonyme Mišna nicht die Ansicht R.Meírs,
5denn R.Meír sagt ja, man dürfe soviel als möglich anziehen und sich in soviel als möglich hüllen. Wir haben nämlich gelernt: Dahin darf man sein ganzes Essgeschirr bringen; ebenso darf man alles anziehen, was man nur anziehen kann, und sich in alles hüllen, worin man sich hüllen kann. –
6Woher, daß diese anonyme [Lehre] von R.Meír ist? – Weil hierzu gelehrt wird: Man darf [Kleider] anziehen, hinausbringen und ausziehen, und wiederum anziehen, hinausbringen und ausziehen, selbst den ganzen Tag – so R.Meír.
7Raba erwiderte: Du kannst auch sagen, die des R.Meír, denn da haben es die Rabbanan so [erlaubt], wie es am Wochentage erfolgt, und ebenso hierbei, wie es am Wochentage erfolgt.
8Kleider legt man am Wochentage soviel an, als beliebt, daher haben die Rabbanan dies auch bei einer Rettung erlaubt; Tephillin legt man auch am Wochentage nur ein Paar an, daher auch bei einer Rettung nur ein Paar und nicht mehr.
9R.GAMLIÉL SAGT, JE ZWEI. Welcher Ansicht ist er: ist er der Ansicht, der Šabbath sei eine Zeit für die Tephillin, so sollte man nur ein Paar und nicht mehr [retten],
10und ist er der Ansicht, der Šabbath sei keine Zeit für die Tephillin, und nur zur Rettung haben die Rabbanan es in der Weise erlaubt, wie man sie anzulegen pflegt, so sollte man auch mehr [retten] dürfen!? –
11Tatsächlich ist er der Ansicht, der Šabbath sei keine Zeit für die Tephillin, und wenn die Rabbanan das Retten in der Weise des Anlegens erlaubt haben, dann nur an der Stelle, da man die Tephillin [anlegt]. –
12Demnach nur ein Paar und nicht mehr!? R. Šemuél b.R.Jiçḥaq erwiderte: Am Kopfe ist Raum da, zwei Tephillin anzulegen. –
13Einleuchtend ist dies hinsichtlich der [Tephilla] des Kopfes, wie ist es aber hinsichtlich der der Hand zu erklären!? –
14Nach R.Hona, denn R.Hona sagte: Oft kommt mancher vom Felde mit seinem Bündel auf dem Kopfe, sodann nimmt er [die Tephilla] vom Kopfe und befestigt sie an den Arm. –
15Allerdings sagte es R.Hona, damit man sie nicht verächtlich behandle, sagte er etwa, daß dies sonst gebührlich sei!? –
16Vielmehr, wie R.Šemuél b.R.Jiçḥaq erklärt hat, am Kopfe sei Raum da, zwei Tephillin anzulegen, ebenso ist auch an der Hand Raum da, zwei Tephillin anzulegen.
17In der Schule Menašes wurde gelehrt:An deine Hand: der Armmuskel; zwischen deinen Augen: der Scheitel. – Wo? – Wo das Hirn eines Kindes weich ist.
18Es ist anzunehmen, daß sie über das, was R.Šemuél b. R.Jiçḥaq gesagt hat, streiten: der erste Tanna hält nichts von dem, was R.Šemuél b. R.Jiçḥaq gesagt hat, und R.Gamliél hält wohl von dem, was R.Šemuél b. R.Jiçḥaq gesagt hat. –
19Nein, alle halten von dem, was R.Šemuél b. R.Jiçḥaq gesagt hat, und sie streiten vielmehr, ob der Šabbath eine Zeit für die Tephillin ist; der erste Tanna ist der Ansicht, der Šabbath sei eine Zeit für die Tephillin,
20und R.Gamliél ist der Ansicht, der Šabbath sei keine Zeit für die Tephillin.
21Wenn du willst, sage ich: alle sind der Ansicht, der Šabbath sei eine Zeit für die Tephillin, und sie streiten vielmehr, ob die [Ausübung der] Gebote der Beabsichtigung benötige; der erste Tanna ist der Ansicht, um seiner Pflicht zu genügen, benötige man der Beabsichtigung,
22und R.Gamliél ist der Ansicht, man benötige nicht der Beabsichtigung.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.