Gittin — Blatt 31b

1von Stunde bis Stunde seit dem Zurücklegen. –

2Wir haben gelernt: Sind sie abhanden gekommen, so ist dies von Stunde bis Stunde zu befürchten. Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, von Stunde bis Stunde seit der Untersuchung,

3wieso aber heißt es ‘von Stunde bis Stunde’ nach demjenigen, welcher sagt, seit dem Zurücklegen, es sollte ja ‘bis auf [die Zeit] von Stunde bis Stunde’ heißen!? – Dies ist ein Einwand.

4So R. ELEA͑ZAR B. ŠAMUA͑. R. Elea͑zar sagte: Die Genossen streiten gegen R. Elea͑zar, denn wir haben gelernt: Wenn ein Tauchbad nachgemessen wird und es sich herausstellt, daß es unvollständig ist, so ist alles, was durch dieses Reinheit erlangt hat, einerlei ob auf Privatgebiet oder auf öffentlichem Gebiete, rückwirkend unrein. –

5Selbstverständlich, daß sie streiten!? – Man könnte glauben, unter rückwirkend sei zu verstehen, von Stunde bis Stunde, so lehrt er uns.

6R. JEHUDA SAGTE: AN DREI ZEITEN &C. Es wird gelehrt: Wenn der Ostwind am Ausgange des [Hütten]festes [weht, am Herbst]punkte.

7Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: An drei Zeiten verkaufe man das Getreide: vor der Aussaat, zur Zeit der Aussaat und vor dem Pesaḥfeste. An drei Zeiten verkaufe man den Wein: vor dem Pesaḥfeste, vor dem Wochenfeste und vor dem [Hütten]feste. Öl vom Wochenfeste ab. – In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? Raba, nach anderen R. Papa, erwiderte: Für Gesellschafter. – Wie ist es von da ab? Raba erwiderte: Dann ist jeder Tag die geeignete Zeit.

8Und als die Sonne aufging, da entbot der Herr einen schwülen Ostwind. Was heißt ḥarišith? R. Jehuda erwiderte: Wenn er weht, macht er Furchen über Furchen in das Meer.

9Rabba sprach zu ihm: Wieso heißt es demnach: die Sonne stach Jona auf das Haupt, und er verschmachtete!? Vielmehr, erklärte Rabba: Wenn er weht, macht er alle Winde schweigen. – Das ist es, was geschrieben steht: daß deine Kleider wärmen, wenn die Erde vom Südwind ruht. Dies erklärte R. Taḥlipha b. R. Ḥisda im Namen R. Ḥisdas: Wann wärmen deine Kleider? Wenn die Erde vom Südwind ruht. Wenn nämlich [der Ostwind] weht, macht er alle Winde schweigen.

10R. Hona und R. Ḥisda saßen beisammen und Geniba ging an ihnen vorüber. Da sprach einer zum anderen: Wir wollen vor ihm aufstehen. Der andere erwiderte: Vor dem Zänker sollen wir aufstehen!? Inzwischen kam er zu ihnen heran und fragte sie: Womit befaßt ihr euch? Sie erwiderten ihm: Mit den Winden.

11Da sprach er zu ihnen: Folgendes sagte R. Ḥanan b. Raba im Namen Rabhs: Vier Winde wehen jeden Tag und mit allen auch der Nordwind, denn, wenn dem nicht so wäre, würde die Welt auch nicht eine Stunde bestehen können. Am unerträglichsten unter allen ist der Südwind, und wenn der Habicht[engel] ihn nicht zurückhalten würde, würde er die ganze Welt zerstören, denn es heißt: durch deine Einsicht hebt der Habicht seine Schwingen, breitet seine Fittige aus nach dem Süden hin.

12Raba und R. Naḥman b. Jiçḥaq saßen beisammen und R. Naḥman b. Ja͑qob kam an ihnen vorüber; er saß in einer goldenen Sänfte, über die ein lauchgrünes Tuch gebreitet war. Da ging Raba zu ihm heran, R. Naḥman b. Jiçḥaq aber ging zu ihm nicht heran, denn er dachte: es sind wahrscheinlich Leute aus dem Hause des Exilarchen; Raba braucht sie, ich brauche sie nicht.

13Als er darauf sah, daß es R. Naḥman b. Ja͑qob sei, ging er zu ihm heran, und dieser entblößte seinen Arm, indem er sprach: Der Dämon weht. Da sprach Raba: Rabh sagte, durch ihn abortiere eine Frau; Šemuél sagte, durch ihn verfaule sogar die Perle im Meere; R. Joḥanan sagte, durch ihn verstinke sogar der Samen im Leibe der Frau.

14Hierauf sprach R. Naḥman: Alle drei folgerten sie es aus einem Schriftverse: er ist zwischen den Brüdern fruchtbar, es kommt ein Ostwind, ein Sturm des Herrn, von der Wüste steigt er herauf und es versiegt sein Born &c. Es versiegt sein Born, das ist der Born der Frau; es vertrocknet seine Quelle, das ist der Samen im Leibe der Frau; er rafft den Schatz aller köstlichen Geräte fort, das ist die Perle im Meere.

15Da sprach jener: Dieser gehört wohl zu den Suräern, die die Schriftworte deuten. – Was heißt: er ist zwischen den Brüdern fruchtbar? Raba erwiderte: Selbst

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.