Gittin — Blatt 67b

1Manche wenden dies um.

2WENN JEMAND ZU ZEHN [PERSONEN] GESAGT HAT: SCHREIBT EINEN SCHEIDEBRIEF. Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand zu zehn [Personen] gesagt hat: schreibt meiner Frau einen Scheidebrief und gebt ihn ihr, so schreibe einer in Vertretung aller; wenn aber: schreibt ihr alle, so schreibe einer in Gegenwart aller. [Sagt er:] bringt meiner Frau einen Scheidebrief, so bringe ihn einer in Vertretung aller, wenn aber: bringt ihr alle, so bringe ihn einer in Begleitung aller,

3Sie fragten: Wie ist es, wenn er sie gezählt hat? R. Hona sagt, wenn er sie gezählt hat, sei es nicht ebenso, als würde er ‘alle’ gesagt haben, und R. Joḥanan im Namen des R. Elea͑zar aus Ruma sagt, wenn er sie gezählt hat, sei es ebenso, als würde er ‘alle’ gesagt haben.

4R. Papa sagte: Sie streiten aber nicht, das eine, wenn er alle gezählt hat, und das andere, wenn er einige von ihnen gezählt hat. Manche erklären es nach dieser Richtung und manche nach jener Richtung.

5R. Jehuda ordnete an, daß man in einem Scheidebriefe, bei dem ‘alle’ zu berücksichtigen ist, [schreibe:] schreibt ihr alle oder einer von euch, unterschreibt ihr alle oder zwei von euch, bringt ihn ihr alle oder einer von euch.

6Raba sprach: Es kann ja vorkommen, daß er seine Worte beschneidet, indem er nur ‘ihr alle’ und nicht ‘einer von euch’ sagt, und [der Scheidebrief] ungültig wird!?

7Vielmehr, sagte Raba, [schreibe man:] einer von euch schreibe, zwei von euch unterschreiben und einer von euch bringe ihn ihr.

8WENN JEMAND, DER VOM KORDIAKOS BEFALLEN WORDEN IST, SAGT: SCHREIBT MEINER FRAU EINEN SCHEIDEBRIEF, SO HAT ER NICHTS GESAGT. WENN JEMAND GESAGT HAT: SCHREIBT MEINER FRAU EINEN SCHEIDEBRIEF, UND DARAUF VOM KORDIAKOS BEFALLEN WIRD UND SAGT: SCHREIBT IHN NICHT, SO SIND SEINE LETZTEN WORTE NICHTIG.

9WeNN JEMAND STUMM GEWORDEN IST, UND AUF DIE FRAGE, OB MAN SEINER FRAU EINEN SCHEIDEBRIEF SCHREIBE, MIT DEM KOPF NICKT, SO PRÜFE MAN IHN DREIMAL; WENN ER AUF JA BEJAHEND UND AUF NEIN VERNEINEND ANTWORTET, SO SCHREIBE MAN IHN UND GEBE IHR.

10GEMARA. Was ist Kordiakos? Šemuél erwiderte: Den der neue Wein in der Kelter gebissen hat. – Sollte es doch heißen: den der neue Wein gebissen hat!? – Folgendes lehrt er uns: dieser Geist heißt Kordiakos. –

11Wobei ist dies von Bedeutung? – Bei einem Amulett. – Welches Mittel gibt es dagegen? – Mageres auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und verschnittener Wein.

12Abajje sagte: Mutter sagte mir: Gegen einen Sonnen[stich] desselben Tages wirkt ein Krug Wasser; gegen einen von zwei Tagen wirkt Aderlaß; gegen einen von drei Tagen wirkt mageres auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und verschnittener Wein. Gegen einen veralteten Sonnen[stich] hole man eine schwarze Henne, reiße sie kreuz und quer durch, rasiere [dem Kranken] die Mitte seines Kopfes, lege sie hinauf und lasse sie liegen, bis sie festklebt;

13sodann steige er bis zum Halse in Wasser hinab, bis er schwach wird, tauche unter, steige wieder herauf und setze sich nieder. Wenn nicht dies, so esse er Lauch und steige bis zum Halse in Wasser hinab, bis er schwach wird, tauche unter, steige wieder herauf und setze sich nieder.

14Gegen einen Sonnen[stich] wirkt mageres auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und verschnittener Wein, gegen Erkältung wirkt fettes auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und roher Wein.

15Einst ließen die Leute des Exilarchen, die R. A͑mram den Frommen zu kränken pflegten, ihn auf Schnee schlafen, und am folgenden Morgen sprachen sie zu ihm: Was wünscht der Meister, daß man ihm hole? Indem er sich sagte, daß sie alles, was er ihnen sagen wird, verkehrt machen werden, sprach er zu ihnen: Mageres auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und verschnittenen Wein.

16Da holten sie ihm fettes auf Kohlen [gebratenes] Fleisch und rohen Wein. Als Jaita es hörte, führte sie ihn ins Bad und ließ ihn im Badewasser stehen, bis das Badewasser in Blut verwandelt und sein Leib voll Wunden bedeckt war.

17R. Joseph arbeitete in der Mühle. R. Šešeth arbeitete bei Balken. Er sagte: Bedeutend ist die Arbeit, denn sie erwärmt ihren Herrn.

18Einst sprach der Exilarch zu R. Šešeth: Weshalb speist der Meister nicht bei uns? Dieser erwiderte: Deine Diener sind ungeraten; sie sind hinsichtlich eines Gliedes von Lebendem verdächtig. Jener fragte: Wer beweist dies? Dieser erwiderte: Ich will es dir beweisen. Da sprach er zu seinem Diener: Geh, stiehl einen Fuß vom Vieh und bring ihn mir.

19Alsdann sagte er zu jenen: Legt mir die Teile des Viehs vor. Als sie ihm dann drei Füße vorlegten, sprach er zu ihnen: Hatte dieses drei Füße!? Da schnitten sie einen von einem anderen [Vieh] ab und legten ihm vor. Hierauf sagte er zu seinem Diener, daß er auch seinen vorlege, und sprach zu ihnen: Hatte dieses fünf Füße!?

20Jener sprach dann zu ihm: Wenn dem nun so ist, so sollen sie [das Essen] in Gegenwart des Dieners des Meisters zubereiten, und er esse. Dieser erwiderte: Gut. Da stellten sie für ihn einen Tisch hin, holten das Fleisch und setzten ihm ein Stück vor, das ihn erwürgen sollte. Er aber betastete es und wickelte es in sein Sudarium.

21Nach der Mahlzeit sagten sie zu ihm,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.