Gittin — Blatt 68b

1da bog er seinen Körper nieder und brach einen Knochen. Da sprach er: Das ist es, was geschrieben steht: eine weiche Zunge zerbricht Knochen.

2Hierauf sah er einen Blinden, der sich vom Wege verirrte, und er brachte ihn auf den Weg. Hierauf sah er einen Betrunkenen, der sich vom Wege verirrte, und er brachte ihn auf den Weg. Hierauf sah er ein Hochzeitsfest, wobei man sich belustigte; da weinte er. Hierauf hörte er jemand zu einem Schuster sagen, daß er ihm Schuhe für sieben Jahre mache; da lachte er. Hierauf sah er einen Zauberer Zauberei treiben; da lachte er.

3Endlich langten sie an, jedoch wurde er drei Tage Šelomo nicht vorgeführt. Am ersten Tage fragte er, weshalb der König nicht nach ihm verlange, und man erwiderte ihm, er sei vom Trinken müde. Da nahm er einen Ziegelstein und legte ihn auf einen anderen. Als man dies Šelomo berichtete, sprach er zu ihnen: Er sagte euch damit: gebt ihm mehr zu trinken.

4Am folgenden Tage fragte er wiederum, weshalb der König nicht nach ihm verlange, und man erwiderte ihm, er sei vom Essen müde. Da nahm er den Ziegelstein vom anderen herunter und legte ihn auf die Erde. Als man dies Šelomo berichtete, sprach er zu ihnen: Er sagte euch damit: entzieht ihm das Essen.

5Nach Ablauf von drei Tagen führte man ihn ihm vor; da nahm er ein Rohr, maß vier Ellen ab, warf es ihm zu und sprach: Merke, wenn du gestorben bist, hast du von dieser Welt nichts mehr als vier Ellen; du hast nun die ganze Welt erobert, doch genügte es dir nicht, bis du auch mich bezwungen hast.

6Dieser erwiderte: Ich verlange von dir sonst nichts; ich will den Tempel bauen und brauche den Šamir. Jener sprach: Mir ist er nicht übergeben worden, sondern dem Meeresfürsten, und dieser vertraut ihn keinem anderen als dem Auerhahn an, dem er auf seinen Schwur traut. –

7Was macht dieser mit ihm? – Er bringt ihn auf einen unbewachsenen Felsen und legt ihn auf die Spitze, wodurch er den Felsen spaltet; sodann schüttet er da Baumsamen hinein, sodaß er bewachsen wird. Deshalb übersetzen wir [seinen Namen] Bergspalter.

8Hierauf suchten sie [und fanden] das Nest eines Auerhahnes, der Junge hatte, und bedeckten das Nest mit durchsichtigem Glas. Als dieser kam und hineingehen wollte, aber nicht konnte, holte er den Šamir und legte ihn hinauf; da schrie jener ihn an, sodaß er ihn fallen ließ, worauf jener ihn fortnahm. Da ging er fort und drosselte sich wegen seines Schwures.

9Hierauf fragte ihn Benajahu: Weshalb hast du, als du den Blinden vom Wege abirren sähest, ihn auf den Weg gebracht? Dieser erwiderte: Über ihn rief man im Himmel aus, daß er ein vollendet Frommer sei, und wer ihm eine Gefälligkeit erweist, dem sei die zukünftige Welt beschieden. –

10Weshalb hast du, als du den Betrunkenen vom Wege abirren sähest, ihn [auf den Weg] gebracht? Dieser erwiderte: Über ihn rief man im Himmel aus, daß er ein vollendeter Frevler sei, und ich erwies ihm eine Gefälligkeit, damit er seine Welt verzehre. –

11Weshalb hast du, als du das Hochzeitsfest sähest, geweint? Dieser erwiderte: Der Mann wird innerhalb dreißig Tagen sterben und [die Frau] dreizehn Jahre auf den minderjährigen Eheschwager warten müssen. –

12Weshalb hast du, als du den Mann zum Schuster sagen hörtest, daß er ihm Schuhe für sieben Jahre mache, gelacht? Dieser erwiderte: Ihm sind keine sieben Tage beschieden, und Schuhe für sieben Jahre wollte er. –

13Weshalb hast du, als du den Zauberer Zauberei treiben sähest, gelacht? Dieser erwiderte: Er saß auf einem königlichen Schatze und sollte lieber das hervorzaubern, was sich unter ihm befand.

14Er behielt ihn bei sich, bis er den Tempel erbaut hatte. Eines Tages befand er sich mit ihm allein und sprach zu ihm: Es heißt: Kraft und Höhe hat er, und wir erklären, unter Kraft seien die Dienstengel und unter Höhe die Dämonen zu verstehen; womit seid ihr uns überlegen?

15Dieser erwiderte: Nimm mir die Kette ab und gib mir deinen Ring, so will ich dir meine Überlegenheit zeigen. Da nahm er ihm die Kette ab und gab ihm seinen Ring. Hierauf verschlang er ihn, setzte einen Flügel auf den Himmel und den anderen Flügel auf die Erde und schleuderte ihn vierhundert Parasangen weit. Über jene Stunde sprach Šelomo: Was ist der Gewinn des Menschen für all seine Mühe, womit er sich unter der Sonne abmüht.

16Das ist mein Teil von aller meiner Mühe. Was heißt das? – Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, sein Stab, und einer sagt, sein Kaftan. Er ging dann an die Türen [betteln], und wohin er kam, sagte er: ich Qoheleth war König über Jisraél in Jerušalem. Als er zum Synedrium kam, sprachen die Gelehrten: Ein Narr bleibt nicht an einer Sache hängen, was hat dies zu bedeuten?

17Sie fragten dann Benejahu, den Sohn Jehojada͑s, ob der König nach ihm verlangt habe, und er verneinte dies. Hierauf fragten sie die Königinnen, ob der König ihnen beiwohne, und sie bejahten dies. Da ließen sie ihnen sagen, daß sie seine Füße untersuchen mögen. Diese erwiderten, er komme in Strümpfen

18und fordere sie auch während ihrer Menstruation auf, auch fordere er sogar seine Mutter Bath Šeba͑ auf. Hierauf ließen sie Šelomo holen und gaben ihm einen Ring und eine Kette, auf denen der Gottesname eingegraben war, und als er zu ihm hineinkam und dieser ihn sah, flog er fort.

19Dennoch fürchtete er sich vor ihm, und hierauf deutet der Schriftvers: Siehe, das ist das Bett Šelomos, sechzig Helden, von den Helden Jisraéls, umringen dasselbe; sie alle mit der Hand am Schwerte, im Kampfe erfahren; jeder mit dem Schwerte an der Hüfte, wegen nächtlichen Grauens.

20Rabh und Šemuél [streiten hierüber]; einer sagt, er war König und Gemeiner, und einer sagt, er war König, Gemeiner und König.

21Gegen Blut[andrang] im Kopfe nehme man Buchsbaumholz, eine Bachweide, eine feuchte Myrte, eine Olive, Schilf, Rosmarin, und Grünkraut koche sie zusammen und lege dreihundert Becher auf die eine Seite des Kopfes und dreihundert Becher auf die andere Seite des Kopfes.

22Wenn nicht dies, so koche man eine weiße Rose, [deren Blätter] nach einer Seite gerichtet sind, und lege sechzig Becher auf die eine Seite des Kopfes und sechzig Becher auf die andere Seite des Kopfes.

23Gegen Migräne hole man einen Auerhahn und schlachte ihn mit einem weißen Zuz über die Seite des Kopfes, die ihn schmerzt, jedoch achte man, daß ihm das Blut nicht die Augen blende; sodann hänge man ihn an den Türpfosten, damit er beim Hineingehen und beim Herausgehen diesen reibe.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.