Gittin — Blatt 69a
1Gegen den Star hole man einen siebengliedrigen Skorpion, trockne ihn im Schatten, sodann zerreibe man zwei Teile Stibium und einen Teil von diesem und schütte drei Schminkstifte in das eine Auge und drei Schminkstifte in das andere Auge, mehr aber nicht, denn das Auge könnte ihm platzen.
2Gegen Nachtblindheit hole man einen Strick aus Haar und binde damit seinen Fuß an den Fuß eines Hundes, und Kinder sollen hinter ihm mit Scherben klopfen und sprechen: Alter, Hund, Narr, Hahn. Sodann sammle man sieben Stückchen Fleisch aus sieben Häusern, lege sie in die Türpfanne und er esse sie auf dem Misthaufen der Stadt. Nachher löse er den Strick aus Haar und spreche wie folgt: Die Blindheit des N., des Sohnes der N., möge N., den Sohn der N., verlassen und in den Augapfel des Hundes fahren.
3Gegen Tagblindheit hole man die Milzen von sieben Tieren und brate sie auf einer Baderschale. Er bleibe im [Hause] und ein anderer stehe draußen, und der Blinde spreche: gib sie mir, daß ich sie esse, worauf der Sehende erwidere: nimm und iß. Nachdem er sie gegessen hat, zerbreche er die Schale, denn sonst könnte sie zu ihm zurückkehren.
4Gegen Nasenbluten hole man einen Priester, der Levi heißt, und dieser schreibe [das Wort] Levi rückwärts. Wenn nicht dies, so hole man irgend jemand und er schreibe rückwärts: ich Papi Šila, Sohn des Sumaqi.
5Wenn nicht dies, so schreibe er wie folgt: der Geschmack des Eimers in Silberwasser, der Geschmack des Eimers in Makelwasser. Wenn nicht dies, so hole man Kleewurzeln, einen Strick von einem alten Bette, Papyrus, Safran, das Rote der Palme und verbrenne sie zusammen; sodann hole man ein Büschel Wolle, drehe daraus zwei Dochte, weiche sie in Essig, wälze sie in die Asche und setze sie an die Nasenlöcher.
6Wenn nicht dies, so suche man einen Wasserarm, der von Osten nach Westen fließt, spreize den einen Fuß nach der einen Seite und den anderen Fuß nach der anderen Seite, nehme Erde mit der rechten Hand von unter dem linken Fuße und mit der linken Hand von unter dem rechten Fuße, drehe zwei Dochte aus Wolle, wälze sie in die Erde und setze sie an die Nasenlöcher.
7Wenn nicht dies, so setze er sich unter eine Traufe, sodaß das Wasser auf ihn falle, und spreche: wie dieses Wasser aufhört, so höre die Blutung des N., des Sohns der N., auf.
8Wenn einem Blut aus dem Munde kommt, so untersuche man es mit einem Weizenhalm; bleibt er haften, so kommt es aus der Lunge, und es gibt ein Mittel dagegen, wenn aber nicht, so kommt es aus der Leber, und es gibt kein Mittel dagegen.
9R. Ithaj sprach zu R. Aši: Wir haben ja aber entgegengesetzt gelernt: wenn die Leber fehlt und nichts zurückgeblieben ist, wenn die Lunge durchlöchert oder defekt ist!? Dieser erwiderte: Da es aus dem Munde kommt, so wird wohl [die Leber] zerrieben sein.
10Der Meister sagte: Wenn es aus der Lunge kommt, so gibt es ein Mittel dagegen. Welches Mittel gibt es dagegen? – Man nehme sieben Handvoll zerriebenen Mangold, sieben Handvoll zerriebenen Lauch, fünf Handvoll Brustbeeren, drei Handvoll Linsen, eine Handvoll Kümmel, eine Handvoll Gewürz und ebensoviel Gekröse von einem erstgeborenen Vieh, koche sie und esse es; nachher trinke man kräftigen Met vom Ṭebeth.
11Gegen Zahn[schmerzen] nehme man, wie Rabba b. R. Hona sagte, einen einzelnen Knoblauchzeh, zerreibe ihn mit Öl und Salz und lege ihn auf den Daumennagel der Seite, an der er Schmerzen hat. Man mache aber ringsum einen Rand aus Teig und achte, daß er das Fleisch nicht berühre, denn es ist wegen Aussatzes schädlich.
12Gegen Gaumen[blasen] nehme man, wie R. Joḥanan sagte, Bertramwurz; diese ist ebensogut wie Mamru, und die Wurzel der Bertramwurz ist besser als Mamru. Zur Eindämmung nehme man diese in den Mund. Zum Reifen nehme man Kleie von der Oberfläche des Siebes, Linsen mit dem Staube, Fönnkraut und Hopfenblüten; hiervon nehme man ungefähr eine Nuß in den Mund.
13Zur Öffnung blase ihm jemand weiße Kresse mit einem Weizenhalm hinein. Zur Heilung nehme man Erde, die von einem Abort beschattet wird, knete sie mit Honig und esse sie; dies ist wirksam.
14Gegen Schnupfen nehme man ungefähr eine Pistazie Ammoniak, ungefähr eine Nuß süßes Galbanum, einen vollen Löffel weißen Honig, ein Maḥozisches Naṭla klaren Wein und koche sie zusammen; wenn der Ammoniak gar ist, so ist alles gar. Wenn nicht dies, so hole man ein Viertel[log] Milch von einer weißen Ziege,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.