Gittin — Blatt 90b

1geht und spinnt, und mit den Leuten badet. – Mit den Leuten,

2wie kommst du darauf!? – Vielmehr, an einer Stelle, wo die Leute baden.

3Sich von dieser zu scheiden, ist ein Gebot der Tora, denn es heißt: denn er fand an ihr etwas Schändliches &c., er schicke sie aus seinem Hause &c. und sie gehe und werde eines anderen Mannes [Frau]. Die Schrift nennt ihn einen anderen, weil er jenem nicht gleicht, den jener hat das Böse aus seinem Hause entfernt, dieser aber hat das Böse in sein Haus gebracht.

4Wenn es dem anderen beschieden ist, so entläßt er sie, denn es heißt: und der andere Mann sie haßt, wenn aber nicht, so begräbt sie ihn, denn es heißt: oder wenn der andere Mann stirbt. Er verdient den Tod, weil er, während jener das Böse aus seinem Hause entfernt hat, das Böse in sein Haus gebracht hat.

5Denn er haßt Verstoßen. R. Jehuda erklärte: Wenn du sie hassest, so verstoße sie. R. Joḥanan erklärte: Verhaßt ist der Verstoßende.

6Sie streiten aber nicht; einer spricht von der ersten Frau und einer spricht von der zweiten Frau.

7R. Elea͑zar sagte nämlich: Wenn jemand sich von seiner ersten Frau scheiden läßt, so vergießt sogar der Altar Tränen über ihn, denn es heißt: Zum zweiten aber tut ihr folgendes: daß der Altar des Herrn mit Tränen, mit Weinen und Schluchzen bedeckt wird, sodaß er sich nicht mehr wenden mag zur Opfergabe und zur Entgegennahme von Wohlgefälligem aus eurer Hand. Ihr fragt: warum? Weil der Herr Zeuge war [des Bündnisses] zwischen dir und dem Weibe deiner Jugend, dem du untreu geworden bist, während sie doch deine Gefährtin und deine Jugendfrau war.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.