Jevamot — Blatt 121b

1er ist vielleicht Schlangenbeschwörer. – Und der erste Autor!? – Wegen des Druckes beschädigen sie ihn.

2Die Rabbanan lehrten: Ist jemand in einen Schmelzofen gefallen, so bekunde man über ihn, wenn in einen [siedenden] Kessel voll Wein oder Öl, so bekunde man über ihn. Im Namen R. Aḥas sagten sie: Wenn in einen voll Öl, so bekunde man über ihn, weil es zündet, wenn in einen voll Wein, so bekunde man über ihn nicht, weil er löscht. Man erwiderte ihm: Anfangs löscht er, nachher aber brennt er.

3R. MEÍR SAGTE : EINST FIEL JEMAND IN EINEN GROSSEN BRUNNEN &C. Es wird gelehrt: Sie sprachen zu R. Meír: Man berufe sich nicht auf Wundertaten. – Worin besteht das Wunder: wenn etwa, weil er nicht essen und nicht trinken kann, so heißt es ja: fastet um mich, weder esset noch trinket!? –

4Vielmehr, weil er nicht schlafen kann. R. Joḥanan sagte nämlich: [Sagt jemand:] ich schwöre, daß ich drei Tage nicht schlafen werde, so geißele man ihn und er schlafe sofort. –

5Was ist der Grund R. Meírs? R. Kahana erwiderte: Da waren Gewölbe über Gewölbe. – Und die Rabbanan!? – Sie waren aus Marmor. – Und R. Meír!? – Dennoch war es nicht unmöglich, daß er sich ein wenig anlehnen und schlafen konnte.

6Die Rabbanan lehrten: Einst fiel die Tochter R. Neḥunja des Brunnengräbers in einen großen Brunnen, und man berichtete es R. Ḥanina b. Dosa. In der ersten Stunde sprach er zu ihnen: Friede. In der zweiten sprach er zu ihnen: Friede. In der dritten sprach er zu ihnen: Sie ist bereits emporgekommen.

7Er sprach zu ihr: Meine Tochter, wer hat dich heraufgebracht? Diese erwiderte: Ein Schafbock, den ein Greis führte, kam zu mir. Hierauf sprachen sie zu ihm: Bist du ein Prophet? Dieser erwiderte: Ich bin weder ein Prophet noch eines Propheten Sohn; aber sollte denn an einem Werke, mit dem dieser Fromme sich befaßt, sein Kind verunglücken!?

8R. Abba sagte: Trotzdem starb sein Sohn vor Durst. Es heißt: rings um ihn stürmt es gewaltig; dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, es mit seiner Umgebung haargenau nimmt. R. Ḥanina entnimmt dies aus folgendem: Gott ist schrecklich im Rate der Heiligen und furchtbar für alle, die ihn umgeben.

9AUGH WENN MAN NUR FRAUEN SAGEN HÖRT, N. SEI GESTORBEN, SO GENÜGT DIES. R. JEHUDA SAGT, AUCH WENN MAN NUR KINDER SAGEN HÖRT, SIE GEHEN N. BETRAUERN UND BEGRABEN, GENÜGE DIES. EINERLEI, OB SIE DIES BEABSICHTIGT HABEN ODER NICHT.

10R. JEHUDA B. BABA SAGT, EIN JISRAÉLIT, [AUCH] WENN ER ES BEABSICHTIGT HAT; DAS ZEUGNIS EINES NICHTJUDEN ABER SEI, WENN ER ES BEABSICHTIGT HAT, UNGÜLTIG.

11GEMARA. Vielleicht sind sie nicht hingegangen!? R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Wenn sie sagen: wir kommen von der Betrauung und der Beerdigung des N. –

12Vielleicht starb nur eine Heuschrecke, die sie nach ihm benennen!? – Wenn sie angeben: die und die Gelehrten waren da, die und die Trauerredner waren da.

13DAS ZEUGNIS EINES NICHTJUDEN SEI, WENN ER ES BEABSICHTIGT &C. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Dies nur, wenn er ihre Erlaubnis beabsichtigt, wenn er aber nur Zeugnis ablegen will, ist seine Aussage gültig. – Woher weiß man dies? R. Joseph erwiderte: Wenn er aufs Gericht kommt und sagt: N. ist gestorben, laßt seine Frau heiraten, so beabsichtigt er die Erlaubnis, wenn er aber nur sagt: er ist gestorben, so will er nur Zeugnis ablegen.

14Es wurde auch gelehrt: Reš Laqiš sagte: Dies nur, wenn er die Erlaubnis beabsichtigt, wenn er aber nur Zeugnis ablegen will, ist seine Aussage gültig. R. Joḥanan sprach zu ihm: Ereignete es sich doch, daß R. Oša͑ ja Berabbi gegen fünfundachtzig Gelehrte stritt, indem er sagte, dies gelte nur, wenn er die Erlaubnis beabsichtigt, wenn er aber nur Zeugnis ablegen will, sei seine Aussage gültig, und die Weisen pflichteten ihm nicht bei. –

15In welchem Falle kann dies vorkommen nach unserer Mišna, die lehrt, daß das Zeugnis eines Nichtjuden, wenn er es beabsichtigt, ungültig sei!? – Wenn er es harmlos erzählt. So rief einst jemand: Wer von der Familie des Hivaj ist hier, wer von der Familie des Ḥivaj ist hier? Ḥivaj ist gestorben! Daraufhin erlaubte R. Joseph seiner Frau zu heiraten. Einst rief jemand: Wehe um den hurtigen Reiter von Pumbeditha, der gestorben ist! Daraufhin erlaubte R. Joseph, nach anderen Raba, seiner Frau zu heiraten.

16Einst rief jemand: Wer von der Familie des Ḥasa ist hier? Ḥasa ist ertrunken! Da sprach R. Naḥman: Bei Gott, die Fische haben Ḥasa gefressen. Auf diesen Ausspruch R. Naḥmans hin verheiratete sich die Frau Ḥasas, und sie sagten ihr nichts. R. Aši sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß das, was die Rabbanan gesagt haben, wenn das Gewässer nicht umgrenzt ist, sei seine Frau verboten, nur von vornherein gilt, wenn sie sich aber verheiratet hat, entferne man sie von ihm nicht.

17Manche lesen: R. Naḥman erlaubte seiner Frau zu heiraten, indem er sagte: Ḥasa war ein bedeutender Mann, und wenn er gerettet worden wäre, würde es bekannt geworden sein. Dies ist aber nichts; ob ein bedeutender Mann oder ein unbedeutender Mann, nur wenn es bereits erfolgt ist, von vornherein aber nicht.

18Einst sagte ein Nichtjude zu einem Jisraéliten: Schneide am Šabbath Futtergras und wirf es meinem Vieh vor, sonst erschlage ich dich, wie ich jenen Jisraéliten erschlagen habe, den ich für mich eine Speise am Šabbath kochen hieß und er es nicht getan hat. Seine Frau hörte es und kam zu Abajje.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.