Jevamot — Blatt 16a

1und hinsichtlich der Kinder der Nebenbuhlerinnen bekunde ich euch.

2Komm und höre: In den Tagen des R. Dosa b. Archinos erlaubte man die Nebenbuhlerin der Tochter den Brüdern. Demnach handelten sie auch danach. Schließe hieraus.

3Der Text. In den Tagen des R. Dosa b. Archinos erlaubte man die Nebenbuhlerin der Tochter den Brüdern. Dies war den Weisen unangenehm, weil er sehr alt war und seine Augen zu schwach waren, um ins Lehrhaus zu kommen.

4Als sie dann überlegten, wer hingehe und es ihm sage, sprach R. Jehošua͑: Ich gehe. — Wer hinter ihm? — R. Elea͑zar b. A͑zarja. — Wer hinter diesem? — R. A͑qiba. Alsdann gingen sie hin und blieben vor der Tür seines Hauses stehen. Da trat seine Magd ein und meldete ihm: Meister, die Weisen Jisraéls kommen zu dir. Er erwiderte: Sie mögen eintreten. Als sie eintraten,

5faßte er R. Jehošua͑ an und setzte ihn auf ein goldenes Lager. Dieser sprach: Meister, gestatte auch deinem nächsten Schüler, daß er sich setze. Da fragte er: Wer ist es? — R. Elea͑zar, der Sohn A͑zarjas. Hierauf sprach er: Unser Genosse A͑zarja hat also einen Sohn!

6Da las er über ihn folgenden Schriftvers: Jung war ich und bin alt geworden, und nie sah ich einen Gerechten verlassen und seine Nachkommen nach Brot gehn. Alsdann faßte er ihn an und setzte ihn auf ein goldenes Lager. Hierauf sprach jener: Meister, gestatte auch deinem nächsten Schüler, daß er sich setze. Da fragte er: Wer ist es? — A͑qiba, der Sohn Josephs. Da rief er: Du bist A͑qiba, der Sohn Josephs, dessen Name von einem Weltende bis zum anderen reicht! Setz dich, mein Sohn, setz dich; deinesgleichen mögen viele in Jisraél sein.

7Hierauf begannen sie, ihn mit Rechtsfragen zu bestürmen, bis sie zur Nebenbuhlerin einer Tochter kamen. Sie fragten ihn: Wie verhält es sich mit der Nebenbuhlerin einer Tochter? Er erwiderte ihnen: Hierüber besteht ein Streit zwischen der Schule Šammajs und der Schule Hillels. — Nach wessen Ansicht ist die Halakha zu entscheiden? Er erwiderte: Sie ist nach der Schule Hillels zu entscheiden. Sie sprachen: In deinem Namen entschied man ja die Halakha nach der Schule Šammajs!?

8Er erwiderte: Habt ihr ‘Dosa’ oder ‘Sohn Archinos’ gehört!? Sie erwiderten: Beim Leben des Meisters, wir haben ohne [Vornamen] gehört. Da sprach er: Ich habe einen jüngeren Bruder, ein Satansjunge, namens Jonathan, der zu den Schülern Šammajs gehört.

9Seht euch vor, daß er euch nicht mit Rechtsfragen niederschlage, denn er hat dreihundert Einwendungen hinsichtlich der Nebenbuhlerin einer Tochter, daß sie erlaubt sei. Aber ich rufe Himmel und Erde als Zeugen an, daß auf diesem Troge der Prophet Ḥaggaj gesessen und drei Entscheidungen getroffen hat: daß die Nebenbuhlerin der Tochter verboten ist,

10daß in A͑mmon und Moáb im Siebentjahre der Armenzehnt zu entrichten ist, und daß man von den Kurden und den Tarmudäern Proselyten aufnehme.

11Es wird gelehrt: Als sie eintraten, gingen sie durch eine Tür, als sie herauskamen, gingen sie durch drei Türen. Er stieß dann auf R. A͑qiba und stellte ihn durch Fragen.

12Sodann sprach er: Du bist A͑qiba, dessen Name von einem Weltende zum anderen reicht!? Wohl dir, daß du zu einem Namen gekommen bist, während du noch nicht einmal zu einem Rinderhirten ausreichst. R. A͑qiba erwiderte: Nicht einmal zu einem Schafhirten.

13«Daß in A͑mmon und Moáb im Siebentjahre der Armenzehnt zu entrichten ist.» Der Meister sagte nämlich: Viele Städte eroberten die Auszügler aus Miçrajim und nicht die Auszügler aus Babylonien, und die erste Heiligung galt nur für die damalige Zeit und nicht für die Zukunft.

14Man beließ es dabei, damit die Armen im Siebentjahre eine Stütze haben.

15«Daß man von den Kurden und den Tarmudäern Proselyten aufnehme.» Dem ist ja aber nicht so, Rami b. Jeḥezqel lehrte ja, daß man keine Proselyten von den Kurden aufnehme!? R. Aši erwiderte: Dies ist von den Qartuäern gelehrt worden, wie die Leute zu sagen pflegen: bemakelte Qartuäer.

16Manche lesen: Rami b. Jeḥezqel lehrte: Man nehme von den Qartuäern keine Proselyten auf. Quartuäer und Kurden sind ja wahrscheinlich identisch!? R. Aši erwiderte: Nein, Qartuäer und Kurden sind nicht identisch, wie die Leute zu sagen pflegen: bemakelte Qartuäer.

17R. Joḥanan und Sabja sagten beide, man nehme keine Proselyten von den Tarmudäern auf. — Kann R. Joḥanan dies denn gesagt haben, wir haben ja gelernt: Alle aus Reqem kommenden [Blut]flecke sind [levitisch] rein,

18nach R. Jehuda aber unrein, weil sie irrende Proselyten sind; die von Nichtjuden kommenden sind rein. Wir wandten ein:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.