Jevamot — Blatt 15b
1Wer dies sah, konnte glauben, er habe dies zur Vermehrung des Wassers getan.
2Komm und höre: R. Elea͑zar b. Çadoq sagte: Als ich bei R. Joḥanan dem Ḥoraniten die Tora studierte, sah ich ihn in den Jahren der Dürre trocknes Brot essen. Ich kam zu meinem Vater und erzählte es ihm, da sprach er zu mir: Bring ihm Oliven. Ich brachte sie ihm. Als er sah, daß sie feucht waren, sprach er zu mir: Ich esse keine Oliven.
3Hierauf kam ich zu meinem Vater und teilte es ihm mit. Er sprach dann zu mir: Geh und sage ihm, daß das Faß durchlocht und nur durch den Hefensatz verstopft war. Wir haben nämlich gelernt: Ein Faß mit eingelegten Oliven braucht, wie die Schule Šammajs sagt, nicht durchlocht zu werden;
4die Schule Hillels sagt, es müsse durchlocht werden, jedoch pflichtet sie bei, daß, wenn es durchlocht und [das Loch] durch Hefensatz verstopft worden ist, es rein sei.
5Obgleich er ein Schüler der Schule Šammajs war, handelte er dennoch stets nur nach der Ansicht der Schule Hillels. Erklärlich ist diese Hervorhebung, wenn du sagst, sie handelten auch danach, was aber soll diese Hervorhebung, wenn du sagst, sie handelten nicht danach!?
6Komm und höre: Man fragte R. Jehošua͑: Wie verhält es sich mit der Nebenbuhlerin der Tochter? Er erwiderte: Hierüber besteht ein Streit zwischen der Schule Šammajs und der Schule Hillels. — Nach wessen Ansicht ist zu entscheiden? Da erwiderte er ihnen: Weshalb wollt ihr meinen Kopf zwischen zwei große Berge bringen, zwischen zwei große Gegner, zwischen die Schule Šammajs und die Schule Hillels; ich fürchte, sie könnten mir den Schädel zertrümmern.
7Jedoch kann ich euch von zwei bedeutenden Familien in Jerušalem, der Familie Ben A͑kmaj aus Beth Çeboi͑m und der Familie Qopaj b. Meqošeš, bekunden, daß sie Nachkommen von Nebenbuhlerinnen waren, und doch waren manche von ihnen Hochpriester und taten Dienst am Altar.
8Einleuchtend ist es, daß er sagte, er fürchte, wenn du sagst, sie handelten auch danach, wieso aber sagte er, er fürchte, wenn du sagst, sie handelten nicht danach!? — Wieso fürchtete er, auch wenn zugegeben wird, daß sie danach auch handelten,
9R. Jehošua͑ sagte ja, Hurenkind sei nur der, der einer mit der gerichtlichen Todesstrafe belegten [Begattung] entstammt!?
10Zugegeben, daß er kein Hurenkind ist, jedoch ist er bemakelt, wie [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, von der Witwe, zu folgern ist: wenn der Sohn einer Witwe, die jedem anderen nicht verboten ist, bemakelt ist, um wieviel mehr [der Sohn] dieser, die jedem anderen verboten ist.
11Sie fragten ihn hinsichtlich der Nebenbuhlerinnen, und er erwiderte ihnen hinsichtlich der Kinder der Nebenbuhlerinnen!? — Sie fragten ihn hinsichtlich beider: wie verhält es sich mit den Nebenbuhlerinnen, und wie verhält es sich, wenn du hinsichtlich der Nebenbuhlerinnen nach der Schule Hillels entscheidest, mit den Kindern der Nebenbuhlerinnen der Schule Hillelsnach der Schule Šammajs!?
12In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? — Um hinsichtlich des Kindes einer wiedergenommenen Geschiedenen nach der Schule Hillels zu entscheiden;
13sagen wir, es sei [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn der Sohn einer mit einem Hochpriester verheirateten Witwe, die jedem anderen nicht verboten ist, bemakelt ist, um wieviel mehr der Sohn dieser, die jedem anderen verboten ist;
14oder aber ist zu erwidern: wohl gilt dies von der Witwe, die selber entweihtwird. Er erwiderte ihnen: Hinsichtlich der Nebenbuhlerinnen fürchteich [zu entscheiden],
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.