Jevamot — Blatt 78b
1so sagte ja R. Kahana, dies gelte nur vom größeren Teile, beim ganzen aber gelte es als Trennung. – Anders verhält es sich beim Fötus, dessen Wachstum auf diese Weise erfolgt.
2Als Rabina kam, sagte er im Namen R. Joḥanans: Bei den [weltlichen] Völkern folgt [das Kind] dem Manne; haben sie sich bekehrt, so folgt es dem bemakelten unter beiden. Bei den weltlichen Völkern folgt [das Kind] dem Manne, wie gelehrt wird: Woher, daß, wenn jemand von den Völkern einer Kenaa͑niterin beigewohnt und von ihr einen Sohn gezeugt hat, man diesen als Sklaven kaufen darf? Es heißt: und auch von den Kindern der Beisassen, die bei euch weilen, aus ihnen mögt ihr erwerben.
3Man könnte glauben, wenn einer von den Kenaa͑nitern einer [Person] von den Völkern beigewohnt und von ihr einen Sohn gezeugt hat, dürfe man ihn ebenfalls als Sklaven kaufen, so heißt es: die sie in eurem Lande gezeugt haben; von denen, die in eurem Lande gezeugt worden sind, nicht aber von denen, die in eurem Lande wohnen.
4«Haben sie sich bekehrt, so folgt es dem bemakelten unter beiden.» In welchem Falle: wollte man sagen, wenn ein Miçri eine Ammoniterin geheiratet hat, wieso nach dem bemakelten unter beiden, es heißt ja A͑mmoniter, nicht aber eine A͑mmoniterin!? – Vielmehr, wenn ein A͑mmoniter eine Miçrith geheiratet hat. Ist es ein männliches [Kind], so gehört es zum A͑mmoniter, ist es ein weibliches, so gehört es zur Miçrith.
5HURENKINDER UND NETHINIM SIND VERBOTEN, UND DAS VERBOT GILT EWIG, SOWOHL FÜR MÄNNER ALS AUCH FÜR FRAUEN.
6GEMARA. Reš Laqiš sagte: Eine Hurentochter ist nach zehn Generationen erlaubt, denn dies ist durch [das Wort] zehnte von A͑mmoniter und Moabiter zu folgern: wie bei diesen Frauen erlaubt sind, ebenso sind bei jenem Frauen erlaubt. –
7Demnach sollten, wie die einen es sofort sind, auch die anderen es sofort sein!? – [Der Schluß durch] Wortanalogie ist nur von der zehnten [Generation] ab anwendbar. –
8Wir haben ja aber gelernt, Hurenkinder und Nethinim seien verboten, und das Verbot gelte für ewig, sowohl für Männer als auch für Frauen!? – Das ist kein Einwand; einer ist der Ansicht desjenigen, welcher sagt, man folgere eine Sache in jeder Hinsicht,
9und einer ist der Ansicht desjenigen, welcher sagt, man folgere und belasse sie bei ihrer Bestimmung.
10Man fragte R. Elie͑zer, wie es sich mit einer Hurentochter nach zehn Generationen verhalte. Dieser erwiderte: Wenn mir jemand die dritte Generation vorführt, erkläre ich sie als rein. Er ist nämlich der Ansicht, Hurenkinder pflanzen sich nicht fort. Ebenso sagte R. Hona, Hurenkinder pflanzen sich nicht fort. –
11Wir haben ja aber gelernt, Hurenkinder seien verboten, und das Verbot gelte für ewig!? R. Zera erwiderte: Mir wurde von R. Jehuda erklärt: von denen man es weiß, pflanzen sich fort, von denen man es nicht weiß, pflanzen sich nicht fort, von denen man es [weiß, jedoch] nicht [sicher] weiß, pflanzen sich drei Generationen fort, mehr aber nicht.
12Einst war einer in Nachbarschaft R. Amis, und er ließ über ihn bekannt machen, daß er Hurenkind sei. Dieser weinte darüber. Da sprach er zu ihm: Ich habe dir Leben verschafft.
13R. Ḥana b. Ada sagte: David verhängte das Verbot über die Nethinim, denn es heißt: und der König berief die Gibeo͑niten und sprach zu ihnen; die Gibeo͑niten aber waren nicht von den Kindern Jisraél &c. –
14Weshalb verhängte er dies über sie? – Es heißt: und es war eine Hungersnot in den Tagen Davids drei Jahre lang, Jahr auf Jahr. Im ersten Jahre sprach er zu ihnen: Vielleicht sind unter euch Götzenanbeter? Es heißt nämlich: wenn ihr fremden Göttern dienet und euch vor ihnen niederwerft &c., so verschließt er den Himmel, daß es keinen Regen gibt &c. Sie forschten nach und fanden keine.
15Im zweiten Jahre sprach er zu ihnen: Vielleicht sind unter euch Leute der Sünde? Es heißt nämlich: vorenthalten wurde der Regen und Spätregen kam nicht, und die Stirn eines buhlerischen Weibes hattest du &c. Sie forschten nach und fanden keine.
16Im dritten Jahre sprach er zu ihnen: Vielleicht sind unter euch Leute, die öffentlich Almosen versprechen und nicht geben? Es heißt nämlich: Gewölk und Wind ohne Regen, so ist ein Mann, der sich einer Gabe fälschlich rühmt. Sie forschten nach und fanden keine.
17Da sprach er: Es liegt also nur an mir. Hierauf: da betete David vor dem Antlitz des Herrn. – Was bedeutet dies? Reš Laqiš erwiderte: Er befragte das Orakel. –
18Wieso geht dies hieraus hervor? R. Elea͑zar erwiderte: Es ist aus [dem Worte] Antlitz zu entnehmen; hier heißt es: da betete David vor dem Antlitz des Herrn, und dort heißt es: und er befragte das Urteil der Urim vor dem Antlitz des Herrn.
19Da sprach der Herr: Wegen Šaúls und wegen des Hauses der Blutschuld, weil er die Gibeo͑niten getötet hat. Wegen Šaúls, weil er nicht nach Gebühr betrauert worden ist; wegen des Hauses der Blutschuld, weil er die Gibeo͑niten getötet hat. Wo finden wir, daß Šaúl die Gibeo͑niten getötet hat? Vielmehr, er mordete die Priesterstadt Nob, die sie mit Wasser und Nahrung versorgte, und dies rechnet ihm die Schrift an, als hätte er sie getötet. –
20Er klagte an, daß Šaúl nicht nach Gebühr betrauert worden ist, und er klagte an, daß dieser die Gibeo͑niten getötet hat!? – Allerdings, denn Reš Laqiš sagte: Es heißt: suchet den Herrn all ihr Demütigen des Landes, die nach seinem Rechte handeln; wo sein Recht, da seine Handlungen.
21David sprach dann: Über Šaúl sind bereits
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.