Joma — Blatt 21b
1aber er war ja ein ruhendes Holzgerät, und das ruhende Holzgerät ist ja nicht verunreinigungsfähig, auch begrenzt es die Unreinheit!? Dies lehrt vielmehr, daß man ihn vor den Wallfahrern hochzuheben und zu ihnen zu sprechen pflegte: Schauet eure Beliebtheit bei Gott: beim Fortnehmen ist es ebenso [frisch] wie beim Anrichten! So heißt es auch: frisches Brot aufzulegen am Tage, da es fortgenommen wird. –
2Gibt es denn weiter keine mehr, R. Ošaja sagte ja, daß, als Šelomo den Tempel erbaut hatte, er allerlei goldene Köstlichkeiten pflanzte, die zur heranreichenden Zeit Früchte hervorbrachten, die beim Wehen des Windes abfielen, wie es heißt: seine Frucht wird wie der Lebanon rauschen, und die, als die Nichtjuden in den Tempel drangen, verdorrten, wie es heißt: die Blüte des Lebanon verwelkt, die aber der Heilige, gepriesen sei er, dereinst zurückkehren lassen wird, wie es heißt: üppig soll sie aufspriessen und jubeln, ja jubeln und jauchzen; die Herrlichkeit des Lebanon wird ihr geschenkt!? –
3Andauernde Wunder zählt er nicht mit. Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist: auch bei der Bundeslade und den Kerubim waren es andauernde Wunder.
4Der Meister sagte: Und der Rauch des Holzstosses. War denn am Holzstoße überhaupt ein Rauch vorhanden, es wird ja gelehrt: Fünferlei wird vom Feuer des Holzstosses berichtet: es lagerte wie ein Löwe, es war klar wie die Sonne, es war greifbar, es verzehrte Feuchtes wie Trockenes, und es rauchte nicht!? –
5Wir sprachen vom profanen Feuer. Es wird nämlich gelehrt: Die Söhne Ahrons, des Priesters, sollen Feuer auf den Altar tun; obgleich ein Feuer vom Himmel herabstieg, so ist es dennoch Gebot, auch profanes zu holen. –
6«Es lagerte wie ein Löwe.» Es wird ja aber gelehrt, R. Ḥanina, der Priesterpräses erzählte, er habe es gesehen, und es habe wie ein Hund gelagert!? – Das ist kein Einwand; eines im ersten Tempel und eines im zweiten Tempel. –
7War es denn im zweiten Tempel überhaupt vorhanden, R. Šemuél b.Inja sagte ja: Es heißt: daß ich Wohlgefallen daran habe, veekabed [und geehrt werde], gelesen wird aber veekabdah; weshalb felht das He! Dies deutet auf die fünf Dinge, durch welche der zweite Tempel sich vom ersten unterschieden hatte, und zwar: die Bundeslade mit der Deckplatte und den Kerubim, das [Altar]feuer, die Göttlichkeit, der heilige Geist und das Orakelschild!? – Ich will dir sagen, sie waren vorhanden, jedoch ohne Wirkung.
8Die Rabbanan lehrten: Es gibt sechserlei Feuer, manches verzehrt und trinkt nicht, manches trinkt und verzehrt nicht, manches verzehrt und trinkt, manches verzehrt Feuchtes wie Trockenes, manches Feuer drängt das andere zurück und manches Feuer verzehrt das andere.
9Manches Feuer verzehrt und trinkt nicht: das unsrige. Trinkt und verzehrt nicht: Nicht: das der Kranken. Manches verzehrt und trinkt: das des Elijahu, wie es heißt: auch das Wasser, das im Graben war, leckte es auf. Manches verzehrt Feuchtes wie Trocknes: das des Altars. Manches Feuer drängt das andere zurück: das des Gabriél. Manches Feuer verzehrt das andere: das der Göttlichkeit, denn der Meister sagte, er habe seinen Finger zwischen sie gesteckt und sie verbrannt.
10«Daß der Rauch des Holzstoßes, auch wenn alle Winde der Welt kamen und an ihm bliesen, sich nicht von seiner Stelle rührte.» Aber R. Jiçḥaq b.Evdämi sagte ja, daß am Ausgange des letzten Tages des [Hütten]festes jeder auf den Rauch des Altars schaute; neigte er sich nach Norden, so waren die Armen froh und die Besitzenden traurig, weil dies ein regnerisches Jahr bedeutete, sodaß die Früchte faulen; neigte er sich nach Süden, so waren die Armen traurig und die Besitzenden froh, weil dies ein regenarmes Jahr bedeutete, sodaß die Früchte sich verwahren lassen;
11neigte es sich nach Osten, so waren alle froh; wenn nach Westen, so waren alle traurig!? – Er bewegte sich wie eine Palme, ohne sich zu lösen.
12Der Meister sagte: Nach Osten, so waren alle froh; wenn nach Westen, so waren alle traurig. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Der östliche [Wind] ist immer gut; der westliche ist immer schlecht; der nördliche Wind ist dem bis zu einem Drittel herangewachsenen Weizen zuträglich und den in der Blüte befindlichen Oliven schädlich; der südliche Wind ist dem bis zu einem Drittel herangewachsenen Weizen schädlich und den in der Blüte befindlichen Oliven zuträglich.
13Hierzu sagte auch R. Joseph, nach anderen Mar Zuṭra, als Merkzeichen diene dir: der Tisch nördlich und die Leuchte südlich; die eine [Seite] macht das ihrige gedeihen und die andere das ihrige!? –
14Das ist kein Einwand; das eine für uns und das eine für sie.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.