Joma — Blatt 22a
1ANFANGS DURFTE JEDER DER [DIE ASCHE] VOM ALTAR ABHEBEN WOLLTE, SIE ABHEBEN. WAREN ES MEHRERE, SO LIEFEN SIE DIE ALTARRAMPE HINAUF, UND WER FRÜHER ALS DIE ANDEREN DIE [LETZTEN] VIER ELLEN ERREICHTE, HATTE GESIEGT. WAREN ZWEI GLEICH [WEIT], SO SPRACH DER BEAMTE ZU IHNEN: DIE FINGER HOCH!
2WIEVIEL STRECKTEN SIE VOR? EINEN ODER ZWEI: DEN DAUMEN ABER STRECKTE MAN IM TEMPEL NICHT VOR.
3EINST LIEFEN ZWEI [PRIESTER] DIE ALTARRAMPE HINAUF UND WAREN GLEICH [WEIT]; DA STIESS EINER SEINEN GENOSSEN, UND DIESER FIEL HINUNTER UND BRACH EIN BEIN. ALS NUN DER GERICHTSHOF SAH, DASS MAN DADURCH IN GEFAHR GERÄT, ORDNETE ER AN, DASS MAN [DIE ASCHE] VOM ALTAR NUR DURCH DAS LOS ABHEBE. VIERMAL [TÄGLICH] ERFOLGTE DA DIE AUSLOSUNG, UND DIES WAR DIE ERSTE AUSLOSUNG.
4GEMARA. Weshalb hallen die Rabbanan dafür nicht von vornherein das Los eingeführt? – Anfangs glaubten sie, daß [die Priester] darauf, da dies ein Nachtdienst ist, kein Gewicht legen und nicht kommen würden, als sie aber sahen, daß sie wohl kamen und in Gefahr gerieten, ordneten sie auch hierfür die Auslosung an. –
5[Das Verbrennen der] Opferglieder und des Schmers ist ja ebenfalls Nachtdienst, dennoch hatten die Rabbanan dafür die Auslosung angeordnet!? – Dies ist der Abschluß des Tagesdienstes. –
6Auch jenes ist ja Beginn des Tagesdienstes, denn R. Joḥanan sagte ja, daß, wenn [der Priester] die Hände zur Abhebung der Asche gewaschen hat, er sie am folgenden Tage nicht mehr zu waschen brauche, weil er sie bereits bei Beginn des Dienstes gewaschen hat!? –
7Lies: weil er sie schon bei Beginn für den Dienst gewaschen hat. –
8Manche lesen: Anfangs glaubten sie, daß es, da [die Priester] vom Schlafe benommen sind, dazu nicht kommen würde, als sie aber sahen, daß es wohl dazu kam und sie in Gefahr gerieten, ordneten sie auch hierfür Auslosung an. – Auch beim [Verbrennen der] Opferglieder und des Schmers sind sie ja vom Schlafe benommen, dennoch haben die Rabbanan dafür die Auslosung angeordnet!? – Anders ist das Schlafengehen als das Aufstehen.
9Ist denn die Anordnung aus diesem Grunde getroffen worden, sie war ja schon aus einem anderen Grunde nötig, denn es wird gelehrt, daß demjenigen, dem die Abhebung der Asche zufiel, auch die Herrichtung des Holzstoßes und [das Auflegen der] zwei Holzscheite zufiel!?
10R. Aši erwiderte: Es sind zwei Anordnungen. Anfangs glaubten sie, sie würden nicht kommen, als sie aber sahen, daß sie wohl kamen und in Gefahr gerieten, ordneten sie hierfür die Auslosung an; als aber die Auslosung angeordnet worden war und sie nicht mehr kamen, indem sie sagten, wer weiß, ob wir herankommen, ordneten sie an, daß derjenige, dem die Abhebung der Asche zufiel, auch den Holzstoß herrichte und die zwei Holzscheite auflege, damit sie kommen und sich an der Auslosung beteiligen.
11WAREN ES MEHRERE &C. R. Papa sagte: Es ist mir klar, daß es nicht die vier Ellen auf der Erde sind, denn wir haben gelernt, sie liefen die Altarrampe hinauf, auch sind es nicht die ersten, denn wir haben gelernt, sie liefen die Altarrampe hinauf, und nachher: wer früher als die anderen erreichte,
12ferner nicht in der Mitte, da sie nicht gekennzeichnet sind; es ist mir also klar, daß es die [vier Ellen] am Altar sind.
13Folgendes aber fragte R. Papa: Sind es vier Ellen einschließlich der Elle des Fundamentes und der Elle des Simses,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.