Joma — Blatt 23b
1es bringe nicht das genickbrochene Kalb!? Ferner heißt es ja: und man nicht weiß, wer ihn erschlagen hat, während man hier wußte, wer ihn erschlagen hat!? – Vielmehr, [er sprach dies] nur, um heftiges Weinen hervorzurufen. –
2«Hierauf kam der Vater des Jünglings, und als er ihn sich noch bewegen fand, sprach er: Möge mein Sohn eine Sühne für euch sein; mein Sohn lebt noch &c. Dies lehrt dich, daß die Reinigung der Tempelgeräte für sie schwerer war als das Blutvergießen.» Sie fragten: War das Blutvergießen geringschätzig, während die Reinigung der Tempelgeräte ihre Bedeutung behalten hatte, oder hatte das Blutvergießen seine Bedeutung behalten, nur war die Reinigung der Tempelgeräte noch schwerer? –
3Komm und höre. Da der Talmud als Beleg anführt: dazu vergoß Menaše viel unschuldiges Blut, so ist hieraus zu entnehmen, daß das Blutvergießen geringschätzig war und die Reinigung der Tempelgeräte seine Bedeutung behalten hatte.
4Die Rabbanan lehrten: Hierauf ziehe er seine Kleider aus, lege andere an und schaffe die Asche hinaus; man könnte glauben, wie am Versöhnungstage, indem er die heiligen Gewänder ausziehe und die profanen anlege,
5so heißt es: ziehe er seine Kleider aus und lege andere an; er vergleicht die Kleider, die er anlegt, mit denen, die er auszieht: wie diese heilige sind, ebenso auch jene heilige. –
6Weshalb heißt es demnach: andere? – Einfachere als jene. R. Elie͑zer erklärte: Andere und schaffe [die Asche] hinaus, dies lehrt, daß gebrechenbehaftete Priester zum Fortschaffen der Asche zulässig sind.
7Der Meister sagte: Andere, einfachere als jene. Dies nach einer Lehre der Schule R. Jišma͑éls, denn in der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: In den Kleidern, in denen man für seinen Herrn einen Topf gekocht hat, schenke man ihm keinen Becher ein.
8Reš Laqiš sagte, wie sie über das Hinausschaffen [der Asche] streiten, ebenso streiten sie über das Abheben; R. Joḥanan aber sagte, sie streiten nur über das Hinausschaffen, hinsichtlich des Abhebens aber stimmen alle überein, daß dies eine richtige Dienstverrichtung sei. –
9Was ist der Grund Reš Laqiš’? – Er kann dir erwidern: wenn du sagen wolltest, dies sei eine richtige Dienstverrichtung, so gibt es ja einen Dienst, der in zwei Gewändern zulässig ist!? –
10Und R. Joḥanan!? – Der Allbarmherzige nennt nur Leibrock und Beinkleider, aber auch Kopftuch und Gürtel sind erforderlich. –
11Wozu werden diese genannt? – Sein Gewand aus Linnen, dies besagt, daß es das ihm passende Maß haben müsse. Beinkleider aus Linnen, dies deutet auf folgende Lehre: Woher, daß er nichts vor den Beinkleidern anziehen darf? Es heißt: Beinkleider aus Linnen soll er über seinen Leib ziehen. –
12Und Reš Laqiš? – Daß es das ihm passende Maß haben müsse, [folgert er] aus dem Ausdrucke Gewand, und daß er nichts vor den Beinkleidern anziehen dürfe, folgert er aus [den Worten] auf seinen Leib.
13Es wäre anzunehmen, daß sie [den Streit] der folgenden Tannaím führen: Auf seinen Leib; wozu heißt es: soll er anziehen? Dies schließt Kopftuch und Gürtel beim Abheben [der Asche] ein – so R. Jehuda.
14R. Dosa sagt, dies schließe die Gewänder des Hochpriesters am Versöhnungstage ein, daß sie nämlich für den gemeinen Priester brauchbar sind.
15Rabbi sprach: Dagegen sind zwei Einwendungen zu erheben: erstens ist der Gürtel des Hochpriesters am Versöhnungstage nicht egal mit dem des gemeinen Priesters, und wieso sind zweitens Gewänder, die bei Strengheiligem verwendet worden sind, bei Minderheiligem zu verwenden!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.