Joma — Blatt 28b

1GEMARA. Es wird gelehrt: R. Jišma͑él sagte: [Er sprach:] Ein Lichtschein glänzt. R. A͑qiba sagte: Ein Lichtschein ist bereits aufgegangen. Niḥoma b.Aphqašjon sagte: Ein Lichtschein ist schon in Ḥebron. Mathja b.Šemuél, der über die Lose gesetzt war, sagte: Die ganze Ostseite ist hell, bis Ḥebron. R. Jehuda b.Bethera sagte: Die ganze Ostseite ist hell, bis Ḥebron, und das ganze Volk ist schon zur Arbeit hinaus. –

2Dies wäre ja schon viel zu spät!? – Um Arbeiter zu mieten.

3R. Saphra sagte: Das [Abend]gebet Abrahams findet statt, wenn die Wände dunkel werden.

4R. Joseph sprach: Wir sollten es von Abraham lernen!? Raba wandte ein: Der Tanna lernt von Abraham und wir sollten nicht von ihm lernen? Es wird nämlich gelehrt: Am achten Tage ist das Fleisch seiner Vorhaut zu beschneiden; dies lehrt, daß die Beschneidung den ganzen Tag erfolgen kann, nur beeilen sich die Eifrigen zur [Ausübung der Gebote], wie es heißt: und Abraham machte sich früh am Morgen auf zur Stätte, wo er vor dem Herrn gestanden hatte.

5Vielmehr, sagte Raba, richtete R. Joseph folgenden Einwand. Wir haben gelernt, daß, wenn der Vorabend des Pesaḥs auf einen Vorabend des Šabbaths fällt, [das beständige Opfer] nach sechseinhalb [Stunden] geschlachtet und nach siebeneinhalb dargebracht werde; sollte man es doch beim Dunkelwerden der Wände schlachten!? –

6Was ist dies für ein Einwand, vielleicht wurden die Wände des Tempels schon nach sechseinhalb [Stunden] dunkel, weil sie nicht ganz gerade waren!? Oder vielleicht war es bei Abraham anders, weil bedeutende Sternkunde in seinem Herzen war!? Oder aber, weil er Ältester war und im Kollegium saß!? R. Ḥama b. Ḥanina sagte nämlich: Niemals fehlte unseren Vorfahren das Kollegium;

7als sie in Miçrajim waren, hatten sie ein Kollegium, denn es heißt: geh, versammle die Ältesten Jisraéls; als sie in der Wüste waren, hatten sie ein Kollegium, denn es heißt: versammle mir siebzig Leute von den Ältesten Jisraéls. Unser Vater Abraham war Ältester und saß im Kollegium, denn es heißt: Abraham war alt geworden und wohlbetagt. Unser Vater Jiçḥaq war Ältester und saß im Kollegium, denn es heißt: als Jiçḥaq alt geworden war. Unser Vater Ja͑qob war Ältester und saß im Kollegium, denn es heißt: die Augen Jisraéls waren stumpf vor Alter.

8Elie͑zer, der Knecht Abrahams, war Ältester und saß im Kollegium, denn es heißt: da sprach Abraham zu seinem Knechte, dem Ältesten seines Hauses, der alles, was sein, verwaltete, und R. Elea͑zar erklärte, der das Studium seines Herrn beherrschte. Das ist Damešeg, Elie͑zer. R. Elea͑zar erklärte: Der aus der Lehre seines Herrn schöpfte und anderen zu trinkengab.

9Rabh sagte: Unser Vater Abraham übte die ganze Tora aus, denn es heißt: weil Abraham meiner Stimme gehorcht. R. Šimi b.Ḥija sprach zu Rabh: Vielleicht nur die sieben Gesetze!? – Er hat ja auch die Beschneidung ausgeübt. – Vielleicht die sieben Gesetze und die Beschneidung!? Dieser erwiderte: Wozu heißt es demnach meine Gebote und meine Lehren!?

10Rabh, nach anderen R. Aši, sagte: Abraham hat sogar [das Gebot vom] Speise-E͑rub ausgeübt, denn es heißt: meine Lehren, die schriftliche Lehre und die mündliche Lehre.

11ALSDANN SPRACH MATHJA B.ŠEMUÉL UND DIESER ERWIDERTE: JAWOHL. Wer sagte ‘jawohl’: wollte man sagen, der auf dem Dache stand, so träumt er und deutet auch!? Wenn aber, der auf der Erde stand: woher wußte er dies!? –

12Wenn du willst, sage ich: der auf der Erde stand, und wenn du willst, sage ich: der auf dem Dache stand. Wenn du willst, sage ich: der auf dem Dache stand; dieser sagte nämlich, die ganze Ostseite sei hell, worauf jener, der auf der Erde stand, fragte, ob bis Ḥebron, und dieser erwiderte: jawohl.

13Wenn du willst, sage ich: der auf der Erde stand; dieser fragte nämlich, ob die ganze Ostseite hell sei, worauf jener fragte, ob bis Ḥebron, und dieser erwiderte: jawohl.

14WOZU WAR DIES ALLES NÖTIG &C. Ist denn eine Verwechslung möglich, es wird ja gelehrt, Rabbi sagte, der Lichtkegel des Mondes gleiche nicht dem Lichtkegel der Sonne, der Lichtkegel des Mondes steige wie ein Stock nach oben, und der Lichtkegel der Sonne zerteile sich nach beiden Seiten!? – In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt, es war ein wolkiger Tag, und er teilte sich nach beiden Seiten. R. Papa sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß an einem wolkigen Tage die Sonne überall ist. –

15In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Beim Trocknen von Häuten. Oder aber hinsichtlich einer Lehre Rabas, daß nämlich eine Frau nicht vor der Sonne kneten dürfe, auch nicht mit an der Sonne gewärmtem Wasser.

16R. Naḥman sagte: Die zurückbleibende Wärme der Sonne ist intensiver als die Sonne selbst. Als Merkzeichen diene dir das Essigfaß. Die Sonnenstrahlen sind intensiver als die Sonne selbst. Als Merkzeichen dienen dir die Regentropfen.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.