Joma — Blatt 29a

1Das sündhafte Denken ist schädlicher als die Sünde selbst. Als Merkzeichen diene dir der Duft des Fleisches. Der Schluß des Sommers ist unerträglicher als der Sommer selbst. Als Merkzeichen diene dir ein durchheizter Ofen.

2Die Fieberhitze im Winter ist schwerer als im Sommer. Als Merkzeichen diene dir ein kalter Ofen. Altes ist schwerer [zu lernen] als Neues: Als Merkzeichen diene dir umgearbeiteter Lehm.

3R. Abahu sagte: Was ist der Grund Rabbis? Es heißt: dem Gesangmeister, nach der Hinde des Morgens; wie die Geweihe der Hinde sich nach der einen und nach der anderen Seite teilen, ebenso teilt sich das Licht des Morgens nach der einen und der anderen Seite.

4R. Zera sagte: Weshalb wurde Ester mit einer Hinde verglichen? Dies besagt: wie die Hinde einen engen Muttermund hat und daher ihrem Männchen jederzeit lieb ist wie in der ersten Stunde, ebenso blieb auch Ester dem Aḥašveroš immer lieb wie in der ersten Stunde. R. Asi sagte: Weshalb wurde Ester mit dem Morgen verglichen? Dies besagt: wie der Morgen der Abschluß der Nacht ist, ebenso ist Ester der Abschluß aller Wundertaten. –

5Es gibt ja noch das Hanukafest!? – Wir sprechen von solchen, die niedergeschrieben werden durften. Einleuchtend ist dies nach demjenigen, welcher sagt, Ester durfte niedergeschrieben werden, wie ist es aber nach demjenigen zu erklären, welcher sagt, Ester durfte nicht niedergeschrieben werden!? –

6Er erklärt es vielmehr nach R. Binjamin b.Jepheth im Namen R. Elea͑zars, denn R. Binjamin b. Jepheth sagte im Namen R. Elea͑zars: Weshalb wird das Gebet der Frommen mit einer Hinde verglichen? Dies besagt: wie die Geweihe der Hinde, je älter diese wird, desto mehr sich teilen, ebenso werden die Gebete der Frommen, je mehr diese im Gebete verweilen, desto eher erhört.

7UND SIE SCHLACHTETEN DAS BESTÄNDIGE OPFER &C. Wann, wollte man sagen an einem gewöhnlichen Tage des Jahres, so brauchte es ja nicht durch den Hochpriester zu erfolgen, und wenn am Versöhnungstage, wieso war am Versöhnungstage [morgens] das Mondlicht zu sehen!? –

8Er meint es wie folgt: als er am Versöhnungstage sagte: der Lichtschein glänzt, führte man den Hochpriester in das Tauchbad hinunter.

9Der Vater R. Abins lehrte: Nicht nur davon sagten sie es, sondern auch vom Kopfabkneifen beim Geflügelopfer und vom Abheben des Haufens beim Speisopfer: ist es nachts erfolgt, so sind sie zu verbrennen. – Einleuchtend ist dies vom Geflügelopfer, da es bereits geschehen ist, den Haufen aber

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.