Joma — Blatt 2b

1Vielleicht aber aus [dem Worte] befehlen, das beim Versöhnungstage gebraucht wird, denn bei diesem heißt es: er tat, wie der Herr dem Moše befohlen hat!? — Man folgere durch Vergleichung des vor der Handlung gebrauchten befehlen mit dem vor der Handlung gebrauchten befehlen, nicht aber folgere man durch Vergleichung des nach den Handlung gebrauchten befehlen mit dem vor der Handlung gebrauchten befehlen. —

2Vielleicht aber aus dem befehlen, das bei den Opfern gebraucht wird, denn es heißt: am Tage seines Befehlens an die Kinder Jisraél!? — Man folgere durch Vergleichung von befehlen mit befehlen, nicht folgere man durch Vergleichung von seines Befehlens mit befehlen. —

3Welchen Unterschied gibt es denn dabei, in der Schule R. Jišmáéls lehrten sie ja: Wenn der Priester wiederkommt, wenn der Priester hineingeht, ‘kommen’ und ‘gehen’ sind dasselbe!? —

4Dies nur, wenn kein gleiches [Wort] vorhanden ist, wenn aber ein gleiches vorhanden ist, folgere man vom gleichen. —

5«Sühne zu schaffen, das ist der Dienst des Versöhnungstages.» Vielleicht die Sühne durch [gewöhnliche] Opfer!? —

6Weiß man denn, welcher Priester herankommt, um ihn sich zurückziehen zu lassen!? — Weshalb sollte nicht die Zurückziehung für die ganze Priesterwache erforderlich sein!? — Man folgere durch Vergleichung einer Sache, für die eine Zeit festgesetzt ist, mit einer Sache, für die eine Zeit festgesetzt ist, ausgenommen die Opfer, die an jedem Tage vorhanden sind. —

7Vielleicht die der Feste!? — Man folgere durch Vergleichung einer Sache, die einmal im Jahre stattfindet, mit einer Sache, die einmal im Jahre stattfindet, ausgenommen die Feste, die [mehr als] einmal im Jahre stattfinden. —

8Vielleicht ein Fest, und wenn du einwendest, man weiß nicht, welches von ihnen, so ist es entweder das Fest des Ungesäuerten, weil mit diesem die Schrift stets beginnt, oder das Hüttenfest, weil es an Geboten am reichhaltigsten ist!? —

9Vielmehr, man folgere durch Vergleichung der siebentägigen Zurückziehung für einen Tag mit der siebentägigen Zurückziehung für einen Tag, nicht aber folgere man durch Vergleichung der siebentägigen Zurückziehung für sieben Tage mit der siebentägigen Zurückziehung für einen Tag. —

10Vielleicht der achte [Tag des Hüttenfestes], wobei die siebentägige Zurückziehung für einen Tag erfolgt!? — Man folgere durch Vergleichung von dem, dem keine Heiligkeit vorangeht, mit dem, dem keine Heiligkeit vorangeht, nicht aber folgere man durch Vergleichung von dem, dem eine Heiligkeit vorangeht, mit dem, dem keine Heiligkeit vorangeht. —

11Ist es denn nicht [das Entgegengesetzte durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwere zu folgern: wenn bei dem, dem keine Heiligkeit vorangeht, eine Zurückziehung erforderlich ist, um wieviel mehr bei dem, dem eine Heiligkeit vorangeht!? — R.Mešaršeja erwiderte: Nein, es heißt: an diesem, nur gleich diesem.

12R.Asi erwiderte: Es ist ja nicht angängig, daß für das Hauptfest keine Zurückziehung, für seinen Anhang aber eine Zurückziehung erforderlich sei. Und selbst nach demjenigen, welcher sagt, der achte [Tag] des Hüttenfestes sei ein Fest für sich, gilt dies ja nur hinsichtlich

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.