Joma — Blatt 2a
1SIEBEN TAGE VOR DEM VERSÖHNUNGSTAGE LASSE MAN DEN HOCHPRIESTER SICH AUS SEINEM HAUSE NACH DER BEAMTENKAMMER ZURÜCKZIEHEN. FERNER HALTE MAN FÜR IHN NOCH EINEN ANDEREN PRIESTER IN BEREITSCHAFT, WEIL ER VON EINER UNTAUGLICHKEIT BETROFFEN WERDEN KANN;
2R.JEHUDA SAGT, MAN HALTE FÜR IHN AUCH EINE ANDERE FRAU IN BEREITSCHAFT, WEIL SEINE FRAU STERBEN KÖNNTE, UND ES HEISST: er soll Sühne schaffen sich und seinem Hause, UND UNTER HAUS IST DIE FRAU ZU VERSTEHEN. MAN ENTGEGNETE IHM: DEMNACH HAT DIE SACHE KEIN ENDE.
3GEMARA. Dort haben wir gelernt: Sieben Tage vor der Verbrennung der [roten] Kuh lasse man den zur Verbrennung der Kuh bestimmten Priester sich aus seinem Hause nach der nordöstlichen Kammer vor der Bira zurückziehen; diese nannte man Steinhauskammer. Man nannte sie deshalb Steinhauskammer, weil bei dieser alle Verrichtungen mit Mist-, Stein- und Tongeräten erfolgten. —
4Weshalb? — Da der am selben Tage Untergetauchte zur Herrichtung der [roten] Kuh zulässig ist, wie wir gelernt haben, man machte den zur Verbrennung der roten Kuh bestimmten Priester unrein und ließ ihn untertauchen, als Kundgebung gegen die Saduzäer, welche sagten, dies dürfe nur durch einen erfolgen, der Sonnenuntergang abgewartet hat,
5so haben die Rabbanan dafür Mist-, Stein- und Tongeräte bestimmt, die für die Unreinheit nicht empfänglich sind, damit man diesen Dienst nicht mißachte. —
6Weshalb nordöstlich? — Diese ist ein Sündopfer, und das Sündopfer ist nördlich darzubringen, [dagegen] heißt es von dieser: nach der Vorderseite des Offenbarungszeltes; daher haben die Rabbanan dafür eine Kammer nordöstlich bestimmt, damit man sich dies merke. —
7Was heißt ‘Bira’? Rabba b.Bar Ḥana erklärte im Namen R. Joḥanans: Eine Stelle auf dem Tempelberge hieß Bira. Reš Laqiš erklärte: Der ganze Tempel hieß Bira, denn es heißt: die Bira [Tempel], die ich vorbereitet habe.
8Woher dies? R. Minjomi b.Ḥilqija erwiderte im Namen des R. Maḥsija b.Idi im Namen R. Joḥanans: Die Schrift sagt: wie er an diesem Tage getan hat, so hat der Herr zu tun befohlen, um euch Sühne zu schaffen; zu tun, das ist die Herrichtung der [roten] Kuh; Sühne zu schaffen, das ist der Dienst des Versöhnungstages. —
9Allerdings kann der ganze Schriftvers nicht auf die [Herrichtung der roten] Kuh bezogen werden, da es ja heißt, um Sühne zu schaffen, während die [rote] Kuh kein Sühnopfer ist, vielleicht aber spricht der ganze Schriftvers vom Versöhnungstage? —
10Ich will dir sagen, es ist aus [dem Worte] befohlen zu folgern, hierbei heißt es: wie der Herr zu tun befohlen hat, und dort heißt es: dies ist die Gesetzesbestimmung, die der Herr befohlen hat; wie nun dort von der [roten] Kuh [gesprochen wird], ebenso hier von der [roten] Kuh, und wie hier von der Zurückziehung [des Hochpriesters], ebenso dort von der Zurückziehung [des Hochpriesters].
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.