Joma — Blatt 33b

1und wenn man in den Tempel eintritt, kommt man zuerst auf den Altar zu. Es wird nämlich gelehrt: Der Tisch stand nördlich in einem Abstande von zweieinhalb Ellen von der Wand, die Leuchte stand südlich in einem Abstande von zweieinhalb Ellen von der Wand und der Altar stand in der Mitte, etwas nach außen vorgerückt. – Sollte er doch genau [in der Mitte] stehen!? – Es heißt: die Leuchte gegenüber dem Tische, sie müssen einander sehen können.

2Raba sagte: Aus der Lehre des Reš Laqiš ist zu entnehmen, daß man nicht über die Tephilla des Armes hinweg die Tephilla des Kopfes anfassen dürfe. – Wie mache man es? – Zuerst die Tephilla des Armes und nachher die Tephilla des Kopfes [anlegen].

3«Das Putzen der fünf Lampen geht dem Blute des beständigen Opfers voran, das Blut des beständigen Opfers geht dem Reinigen der zwei Lampen voran.» Weshalb? Abajje erwiderte: [Die Worte] jeden Morgen, die bei den zwei Holzscheiten nicht nötig sind, beziehe man hierauf: eines beziehe man auf das Putzen der fünf Lampen, daß es dem Blute des beständigen Opfers vorangehe, und eines beziehe man auf das Blut des beständigen Opfers, daß es dem Putzen der zwei Lampen vorangehe.

4Eines beziehe man auf das Putzen der fünf Lampen, daß es dem Blute des beständigen Opfers vorangehe, denn bei jenem sind es drei, bei diesem aber zwei.

5Und eines beziehe man auf das Blut des beständigen Opfers, daß es dem Putzen der zwei Lampen vorangehe, denn obgleich es bei diesem zweimal und bei jenem zweimal [Morgen] heißt, so ist dennoch das, was Sühne verschafft, bevorzugter.

6R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht ist ein [Morgen] auf das Entaschen des inneren Altars zu beziehen, daß es dem Blute des beständigen Opfers vorangehe, denn bei jenem würden es drei sein, bei diesem aber zwei, und eines auf das Blut des beständigen Opfers, daß es dem Putzen der fünf Lampen vorangehe, denn obgleich es bei beiden zwei sind, so ist das, was Sühne schafft, bevorzugter!? – Wodurch würdest du es demnach unterbrechen.

7Allerdings nach Reš Laqiš, welcher sagt, man putze sie deshalb einmal und wiederum, um Getümmel im Vorhofe hervorzurufen,

8wie ist es aber nach R. Joḥanan zu erklären, welcher sagt, die Wiederholung [des Wortes] Morgen besage, daß man ihn in zwei Morgen teile!?

9Rabina sprach zu R. Aši: Sind denn [die Worte] jeden Morgen beim [Aufschichten des] Holzes überflüssig, die sind ja an und für sich nötig, denn der Allbarmherzige sagt damit, daß sie der zweiten Aufschichtung für das Räucherwerk vorangehen!? Dieser erwiderte; Wir haben ja erklärt: darauf, nicht aber auf der anderen, demnach muß ja die andere bereits vorhanden sein. –

10Weshalb putzt er zuerst die fünf Lampen, sollte er doch zuerst die zwei putzen!? – Wenn er anfängt, so putze er schon den größeren Teil. – Sollte er sechs putzen!? – Die Schrift sagt: wenn er die Lampen putzt, soll er es räuchern, und Lampen sind nicht weniger als zwei.

11«Das Putzen der zwei Lampen geht dem Räucherwerke voran.» Die Schrift sagt: wenn er die Lampen reinigt, und darauf folgt: soll er es räuchern.

12«Das Räucherwerk [dem Aufräuchern] der Opferglieder.» Denn es wird gelehrt: Das, wobei es zweimal Morgen heißt, gehe dem voran, wobei es nur einmal Morgen heißt.

13«Das [Aufräuchern] der Opferglieder dem Speisopfer.» Denn es wird gelehrt: Woher, daß dem beständigen Morgenopfer nichts vorangehen dürfe?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.