Joma — Blatt 38b
1und deines wird man dir geben. Niemand berührt, was für seinen Genossen bestimmt ist, und eine Regierung verdrängt die andere nicht um ein Haar weit.
2HYGROS DER LEVITE &C. Es wird gelehrt: Wenn er eine Melodie anstimmen wollte, steckte er den Daumen in den Mund und legte den Zeigefinger auf die Schnurrbartteilung, daß seine Priesterbrüder mit einem Satze zurückprallen.
3Die Rabbanan lehrten: Ben Qamçar wollte das Kunstschreiben nicht lehren. Man erzählt von ihm, daß er vier Schreibrohre zwischen die Finger nahm, und wenn ein Wort vier Buchstaben hatte, schrieb er es mit einem Male. Man fragte ihn: Aus welchem Grunde willst du dies nicht lehren? Jene alle fanden eine Rechtfertigung für ihre Handlung, Ben Qamçar fand keine Rechtfertigung für seine Handlung Von jenen heißt es: die Erinnerung des Frommen bleibt zum Segen, von Ben Qamçar und seinen Genossen heißt es: der Name der Frevler wird verwesen. –
4Was heißt: der Name der Frevler wird verwesen? R. Elea͑zar erwiderte: Eine Verwesung kommt in ihre Namen, indem man niemand nach ihnen benennt. Rabina wandte ein: Der Vater des Doég b.Joseph hinterließ ihn seiner Mutter als kleines Kind. Sie maß ihn täglich nach Handbreiten und spendete das [hinzugekommene] Gewicht in Gold für den Tempel; als aber der Feind die Übermacht gewann, schlachtete sie ihn und verzehrte ihn.
5Über sie klagte Jirmeja: Wenn Frauen ihre Leibesfrucht essen, Kinder, die auf Händen getragen. Der heilige Geist erwiderte aber: Wenn im Heiligturne des Herrn Priester und Prophet ermordet wird. – Sieh doch, wie es ihm erging.
6R. Elea͑zar sagte: Der Fromme wird durch sich selbst [genannt], der Frevler [auch] durch andere. Der Fromme durch sich selbst, denn es heißt: die Erinnerung des Frommen bleibt zum Segen; der Frevler [auch] durch andere, denn es heißt: der Name der Frevler wird verwesen.
7Rabina sprach zu einem der Jünger, der vor ihm Agada vortrug; Woher das, was die Rabbanan sagen, die Erinnerung des Frommen bleibe zum Segen? Dieser erwiderte: Es ist ja ein Schriftvers: die Erinnerung des Frommen bleibt zum Segen. – Wo ist dies aus der Tora zu entnehmen? – Es heißt: der Herr sprach: Soll ich vor Abraham geheim halten, was ich alsbald tun will, und darauf folgt: von Abraham wird ein großes und mächtiges Volk ausgehen. –
8Woher das, was die Rabbanan sagen, der Name der Frevler wird verwesen: Dieser erwiderte: Es ist ja ein Schriftvers: der Name der Frevler wird verwesen. – Wo ist dies aus der Tora zu entnehmen? – Es heißt: errichte mit seinen Zelten bis nach Sedom, und darauf folgt: die Leute von Sedom aber waren sehr schlecht und sündigten gegen den Herrn.
9R.Elea͑zar sagte: Ein Frommer wohnte zwischen zwei Frevlern und lernte nicht von ihren Werken, ein Frevler wohnte zwischen zwei Frommen und lernte ebenfalls nicht von ihren Werken. Ein Frommer wohnte zwischen zwei Frevlern und lernte nicht von ihren Werken, das ist O͑badja; ein Frevler wohnte zwischen zwei Frommen und lernte nicht von ihren Werken, das ist E͑sav.
10R. Elea͑zar sagte: Mit dem Segen der Frommen ist ein Fluch der Frevler verbunden und mit dem Fluche der Frevler ist ein Segen der Frommen verbunden. Mit dem Segen der Frommen ist ein Fluch der Frevler verbunden, denn es heißt ich habe ihn erkoren, damit er gebiete &c., und darauf folgt: der Herr sprach: Das Geschrei über Sedom und A͑mora ist groß.
11Mit dem Fluche der Frevler ist ein Segen der Frommen verbunden, denn es heißt: die Leute von Sedom aber waren sehr schlecht und sündigten gegen den Herrn, [und darauf folgt:] und der Herr sprach zu Abram, nachdem sich Loṭ von ihm getrennt hatte. R. Elea͑zar sagte: Die Welt würde auch wegen eines einzigen Frommen erschaffen worden sein, denn es heißt: und Gott sah, daß das Licht gut war, und ‘gut’ ist nichts anderes als der Fromme, denn es heißt: sagt dem Frommen, daß er es gut hat.
12R. Elea͑zar sagte: Wer auch nur eine Sache von seiner Gesetzeskunde vergißt, verursacht Verbannung für seine Kinder, denn es heißt: du hast das Gesetz deines Gottes vergessen, auch ich will deine Kinder vergessen. R. Abahu sagte: Man enthebt ihn seiner Würde, denn es heißt: weil du die Kenntnis verworfen hast, so will ich dich verwerfen, daß du nicht mehr mein Priester bist.
13R. Ḥija b.Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Ein Frommer scheidet nicht eher aus der Welt, als bis ein anderer Frommer seinesgleichen erschaffen ist, denn es heißt: die Sonne geht auf und die Sonne geht unter; bevor die Sonne E͑lis unterging, erschien die Sonne des Šemuél aus Rama. R. Ḥija b.Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Der Heilige, gepriesen sei er, sah, daß die Frommen spärlich sind, da verteilte er sie auf alle Generationen, denn es heißt: des Herrn sind der Erde Säulen, er stellte auf sie das Weltall.
14R. Ḥija b.Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Auch wegen eines Frommen würde die Welt bestehen, denn es heißt: der Fromme ist die Grundlage der Welt. R. Ḥija selbst folgert dies hieraus: die Füße seiner Frommen behütet er. – Seiner Frommen, dies heißt ja viele!? R. Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Die Schreibweise ist: seines Frommen.
15R. Ḥija b.Abba sagte im Namen R. Joḥanans: Sobald die Mehrheit der Lebensjahre des Menschen vorüber ist, ohne daß er gesündigt hat, so sündigt er nicht mehr, denn es heißt: die Füße seiner Frommen behütet er. In der Schule R. Šilas sagten sie: Wenn jemand einmal und zweimal Gelegenheit zu einer Sünde hatte und nicht gesündigt hat, so sündigt er nicht mehr, denn es heißt: die Füße seiner Frommen behütet er.
16Reš Laqiš sagte: Es heißt: hat er mit Spöttern zu tun, so spottet er, aber den Demütigen gibt er Gnade. Wer sich verunreinigen will, dem stehen die Türen offen, wer sich reinigen will, dem verhilft man dazu. In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Dies ist ebenso, als wenn einer Naphta und Balsam verkauft;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.