Joma — Blatt 39a
1kommt jemand Naphta kaufen, so sagt er zu ihm: Miß dir selbst, und kommt jemand Balsam kaufen, so sagt er zu ihm: Warte, bis ich mit dir messe, damit wir beide parfümiert werden.
2In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Die Sünde verstockt das Herz des Menschen, denn es heißt: verunreinigt euch nicht durch sie, so daß ihr unrein werdet [veniṭmethem], und man lese nicht veniṭmethern, sondern: veniṭamtem [verstockt werdet].
3Die Rabbanan lehrten: Verunreinigt euch nicht durch sie, so daß ihr unrein werdet. Wenn jemand sich ein wenig verunreinigt, so verunreinigt man ihn sehr; wenn drunten, so verunreinigt man ihn droben; wenn in dieser Welt, so verunreinigt man ihn auf jener Welt.
4Die Rabbanan lehrten: Heiligt euch und seid heilig. Wenn jemand sich ein wenig heiligt, so heiligt man ihn sehr; wenn drunten, so heiligt man ihn droben; wenn in dieser Welt, so heiligt man ihn auf jener Welt.
5ER RÜHRTE DIE URNE UM UND HOLTE DIE ZWEI LOSE HERVOR; AUF DEM EINEN STAND ‘FÜR GOTT’, AUF DEM ANDEREN STAND FÜR A͑ZAZEL’. DER PRIESTERPRÄSES ZU SEINER RECHTEN UND DER OBMANN DER FAMILIENWACHE ZU SEINER LINKEN. GERIET [DAS LOS] ‘FÜR GOTT’ IN SEINE RECHTE, SO SPRACH DER PRIESTERPRÄSES ZU IHM: HERR HOCHPRIESTER, ERHEBE DEINE RECHTE; GERIET [DAS LOS] ‘FÜR GOTT’ IN SEINE LINKE, SO SPRACH DER OBMANN DER FAMILIENWACHE ZU IHM: HERR HOCHPRIESTER, ERHEBE DEINE LINKE.
6ALSDANN LEGTE ER SIE AUF BEIDE BÖCKE UND SPRACH: EIN SÜNDOPFER FÜR GOTT. R. JIŠMA͑ÉL SAGT, ER BRAUCHTE ‘EIN SÜNDOPFER’ NICHT ZU SAGEN, SONDERN NUR: FÜR GOTT. UND SIE STIMMTEN NACH IHM EIN: GEPRIESEN SEI DER NAME SEINER KÖNIGLICHEN MAJESTÄT AUF IMMER UND EWIG.
7GEMARA. Wozu brauchte er die Urne umzurühren? – Damit er nicht ziele und hervorhole.
8Raba sagte: Die Urne war aus Holz; sie war von Profanem und faßte nur zwei Hände.
9Rabina wandte ein: Einleuchtend ist es, daß sie nur zwei Hände faßte, damit er nicht ziele und hervorhole, weshalb aber war sie von Profanem, sollte man sie doch weihen!? – Dann wäre sie ein (hölzernes) Dienstgerät, und Dienstgeräte werden nicht aus Holz gefertigt. – Sollte man sie doch aus Silber oder aus Gold fertigen!? – Die Tora schonte das Geld Jisraéls.
10Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Jehuda sagte im Namen R. Elie͑zers: Der Priesterpräses und der Hochpriester steckten beide die Hände in die Urne; geriet es in die Rechte des Hochpriesters, so sprach der Priesterpräses zu ihm: Herr Hochpriester, erhebe deine Rechte, geriet es in die Rechte des Priesterpräses, so sprach der Obmann der Familienwache zum Hochpriester: Sprich deine Worte. – Sollte der Priesterpräses es sagen!? –
11Da es nicht in seine Hand geriet, könnte er entmutigt werden. –
12Worin besteht ihr Streit? – Einer ist der Ansicht, die Rechte des Priesterpräses sei bevorzugter als die Linke des Hochpriesters, und einer ist der Ansicht, sie gleichen einander. –
13Wer ist der Autor, der gegen R. Jehuda streitet? – Es ist R. Ḥanina der Priesterpräses, denn es wird gelehrt: R. Ḥanina der Priesterpräses sagte: Wozu war der Priesterpräses zu seiner Rechten? Damit, wenn der Hochpriester von einer Untauglichkeit betroffen wird, der Priesterpräses eintrete und den Dienst an seinerstatt verrichte.
14Die Rabbanan lehrten: Während der vierzig Amtsjahre Šimo͑n des Gerechten geriet das Los [für Gott] stets in die Rechte, von dann ab geriet es zuweilen in die Rechte und zuweilen in die Linke. Der glänzendrote Wollstreifen wurde stets weiß, von dann ab wurde er zuweilen weiß und zuweilen nicht. Die westliche Lampe brannte immerwährend, von dann ab brannte sie zuweilen und zuweilen erlosch sie.
15Das Feuer des Holzstoßes behielt seine Kraft und die Priester brauchten weiter kein Holz auf den Holzstoß zu legen, außer den zwei Holzscheiten, um das Gebot des Holzauflegens auszuüben, von dann ab behielt es zuweilen seine Kraft und zuweilen nicht, so daß die Priester es nicht vermeiden konnten, den ganzen Tag Holz auf den Holzstoß zu legen.
16In die Schwingegarbe, in die zwei Brote und in die Schaubrote war ein Segen gekommen, so daß jeder Priester, dem ein olivengroßes Stück zufiel, es entweder aufaß und satt war, oder davon aß und noch zurückließ, von dann ab kam ein Fluch in die Schwingegarbe, in die zwei Brote und in die Schaubrote, so daß jeder Priester nur ein bohnengroßes Stück erhielt; die Gesitteten zogen ihre Hand davon zurück und die Gefräßigen nahmen und aßen es. Einst nahm jemand seinen Anteil und den Anteil seines Genossen; da nannte man ihn
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.