Joma — Blatt 40a

1nach der Lesart aber, nach der sie [nach ihm] streiten, ist hier allerdings nach demjenigen, welcher sagt, es sei nicht unerläßlich, die Ansicht R. Jehudas vertreten,

2wessen Ansicht aber ist hier vertreten nach demjenigen, welcher sagt, es sei unerläßlich!? – Lies: es ist Gebot, [das Los] hinaufzulegen. –

3Komm und höre: Es ist Gebot, zu losen und das Sündenbekenntnis zu sprechen, hat er nicht gelost und das Sündenbekenntnis nicht gesprochen, so ist es giltig. Wolltest du sagen, auch hier lese man: hinaufzulegen, wie wäre dann der Schlußsatz zu erklären: R. Šimo͑n sagt, es sei giltig, wenn er nicht gelost hat und ungiltig, wenn er das Sündenbekenntnis nicht gesprochen hat.

4Was heißt ‘nicht gelost’, wenn etwa: nicht hinaufgelegt, so wäre ja R. Šimo͑n der Ansicht, das Losen selbst sei unerläßlich, dagegen wird gelehrt, daß, wenn einer von ihnen verendet ist, der andere, wie R.Šimo͑n sagt, ohne zu losen dargebracht werde!? –

5R.Šimo͑n verstand die Rabbanan nicht und sprach zu ihnen wie folgt: wenn ihr unter ‘Losen’ das wirkliche Losen versteht, so streite ich gegen euch über eines, und wenn ihr unter ‘Losen’ das Hinauflegen versteht, so streite ich gegen euch über beides. –

6Komm und höre: Bei den Sprengungen innerhalb ist der Bock vom Farren abhängig,

7nicht aber der Farren vom Bocke.

8Allerdings ist der Bock vom Farren abhängig, wenn er nämlich den Bock vor dem Farren hergerichtet hat, hat er nichts getan, wieso aber der Farre nicht vom Bocke:

9wollte man sagen, wenn er im Tempel die Sprengungen des Farren vor den Sprengungen des Bockes verrichtet hat, so heißt es ja diesbezüglich Satzung,

10doch wohl, wenn er innerhalb die Sprengungen des Farren vor dem Losen verrichtet hat, und wenn es von der Reihenfolge nicht unerläßlich ist, so ist auch das Losen selbst nicht unerläßlich!? –

11Nein, wenn er die Altarsprengungen des Farren vor den Sprengungen des Bockes im Tempel verrichtet hat, nach R. Jehuda, welcher sagt, die außerhalb in weißen Gewändern zu verrichtenden Dienstverrichtungen seien nicht unerläßlich. –

12Er lehrt ja aber: bei den Sprengungen innerhalb!? –

13Vielmehr, dies nach R. Šimo͑n, welcher sagt, das Losen sei nicht unerläßlich.

14Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich nach R. Jehuda, aber wenn auch die Reihenfolge nicht unerläßlich ist, so ist dennoch das Losen selbst unerläßlich.

15Sie vertreten hierbei ihre Ansichten, denn es wird gelehrt :

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.