Joma — Blatt 53a
1nicht vorn anzufangen, damit er sich nicht verbrenne.
2Die Rabbanan lehrten: Er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor dem Herrn; er darf es nicht außerhalb herrichten und innerhalb [des Allerheiligsten] hineinbringen, als Kundgebung gegen die Saduzäer, Welche sagen, er richte es außerhalb her und bringe es hinein. –
3Woher folgern sie dies? – Denn in der Wolke erscheine ich über der Deckplatte, dies lehrt, daß er es draußen herrichte und hineinbringe.
4Die Weisen entgegneten ihnen: Es heißt ja bereits: er lege das Räucherwerk auf das Feuer vor dem Herrn, wenn es nun heißt: denn in der Wolke erscheine ich über der Deckplatte,
5so lehrt dies, daß er darin das Rauchkraut hineintue. – Woher, daß er darin das Rauchkraut hineintun müsse? Es heißt: der Rauch des Räucherwerkes soll die Deckplatte verhüllen. Wenn er aber das Rauchkraut nicht hineintut oder sonst eine der Spezereien fortläßt, macht er sich des Todes schuldig. –
6Dies erfolgt ja schon wegen des unnötigen Eintretens!?
7R. Šešeth erwiderte: Dies gilt von; dem Falle, wenn der Eintritt versehentlich und die Räucherung vorsätzlich erfolgt ist.
8R. Aši erwiderte: Du kannst auch sagen, wenn beides vorsätzlich erfolgt ist, jedoch in dem Falle, wenn er zwei Räucherwerke, ein vollständiges und ein unvollständiges, hereingebracht hat; wegen des Eintretens ist er nicht schuldig, da er ein vollständiges hineingebracht hat, wegen der Räucherung ist er wohl schuldig, da er ein unvollständiges geräuchert hat.
9Der Meister sagte: Woher, daß er darin das Rauchkraut hineintun muß? Es heißt: soll verhüllen. Ein Schriftvers zu einem Schriftverse!?
10R. Joseph erwiderte: Er meint es wie folgt: ich weiß dies nur von den Blättern des Rauchkrautes, woher dies von der Wurzel des Rauchkrautes? Es heißt: soll verhüllen.
11Abajje sprach zu ihm: Es wird ja entgegengesetzt gelehrt!? Es wird nämlich gelehrt: Er tat die Wurzel des Rauchkrautes hinein, und der Rauch stieg wie ein Stock bis zur Decke hinauf, von der Decke aus zerstreute er sich gegen die Wände, bis der Raum sich mit Rauch füllte, wie es heißt: das Haus füllte sich mit Rauch!?
12Vielmehr, erklärte Abajje, meint er es wie folgt: ich weiß dies nur von der Wurzel des Rauchkrautes, woher dies von den Blättern des Rauchkrautes? Es heißt: soll verhüllen.
13R. Šešeth erklärte: Ich weiß dies nur vom Offenbarungszelte in der Wüste, woher dies vom [Offenbarungszelte] in Šilo und dem stetigen Tempel? Es heißt: soll verhüllen. –
14Dies geht ja hervor schon aus [dem Verse]: und so verfahre er mit dem Offenbarungszelte, das bei ihnen weilt!? –
15Vielmehr, er meint es wie folgt: ich weiß dies nur vom Versöhnungstage, woher dies von den übrigen Tagen des Jahres? Es heißt: soll verhüllen.
16R. Aši erklärte: Ein [Schriftvers] deutet auf das Gebot, und einer darauf, daß es unerläßlich ist. Raba erklärte: Ein [Schriftvers] enthält die Strafandrohung und einer die Verwarnung.
17Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Damit er nicht sterbe, dies ist eine Strafandrohung; denn in der Wolke erscheine ich, dies ist eine Verwarnung.
18Man könnte glauben, beides sei vor dem Tode der Söhne Ahrons gesagt worden, so heißt es: nach dem Tode der beiden Söhne Ahrons. Man könnte glauben, beides sei nach dem Tode der beiden Söhne Ahrons gesagt worden, so heißt es: denn in der Wolke erscheine ich auf der Deckplatte. Wie ist dies zu erklären? Die Verwarnung vor ihrem Tode, die Strafandrohung nach ihrem Tode. –
19Wieso geht dies hieraus hervor? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: denn in der Wolke erscheine ich, demnach war er noch nicht erschienen. – Weshalb wurden sie demnach bestraft? –
20Wie gelehrt wird: R. Elie͑zer sagte: Die Söhne Ahrons sind nur deshalb gestorben, weil sie eine Halakha in Gegenwart ihres Lehrers Moše entschieden haben. – Was legten sie aus? – Die Söhne Ahrons, des Priesters, sollen Feuer auf den Altar legen; obgleich das Feuer vom Himmel herabkommt, so ist es dennoch Gebot, profanes zu holen.
21IN DER WEISE, WIE ER EINTRAT, KAM ER AUCH HERAUS. Woher dies? R. Šemuél b.Naḥmani erwiderte im Namen R. Jonathans: Die Schrift sagt: sodann begab sich Šelomo [von] der Anhöhe zu Gibo͑n nach Jerušalem; wie kommt Gibo͑n zu Jerušalem?
22Er vergleicht vielmehr seinen Auszug aus Gibo͑n nach Jerušalem mit seinem Einzug aus Jerušalem nach Gibo͑n; wie bei seinem Einzug aus Jerušalem nach Gibo͑n sein Gesicht gegen die Anhöhe gerichtet war, ebenso war bei seinem Auszuge aus Gibo͑n nach Jerušalem sein Gesicht gegen die Anhöhe gerichtet.
23So verfuhren auch die Priester beim Dienste, die Leviten auf der Estrade und die Jisraéliten beim Beistande. Wenn sie sich verabschiedeten, drehten sie das Gesicht nicht um und gingen, sondern wandten das Gesicht seitwärts und gingen.
24Ebenso darf ein Schüler, wenn er sich von seinem Lehrer verabschiedet, nicht das Gesicht umdrehen und gehen, vielmehr wende er das Gesicht seitwärts und gehe. So pflegte R. Elea͑zar zu verfahren, wenn er sich von R. Joḥanan verabschiedete; wollte R. Joḥanan [zuerst] fortgehen, so stand R. Elea͑zar gebückt auf seinem Platze, bis R. Joḥanan ihm entschwunden war;
25wollte R. Elea͑zar [zuerst] fortgehen, so ging er rückwärts, bis er R. Joḥanan entschwunden war. Wenn Raba sich von R. Joseph verabschiedete, ging er rückwärts, bis er sich die Füße stieß und die Schwelle R. Josephs mit Blut besudelte.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.