Joma — Blatt 53b

1Als man R. Joseph erzählte, dies tue Raba, sprach er: Möge es der Wille [Gottes] sein, daß du dein Haupt über die ganze Stadt erhebest.

2R. Alexandri sagte im Namen des R. Jehošua͑ b.Levi: Wer das Gebet [beendet], trete drei Schritte rückwärts zurück und grüße dann. R. Mordekhaj sprach zu ihm: Ist er drei Schritte rückwärts zurückgetreten, so bleibe er stehen. Dies ist ebenso, als wenn ein Schüler sich von seinem Lehrer verabschiedet; kehrt er sofort um, so gleicht er einem zu seinem Gespei zurückkehrenden Hunde.

3Ebenso wird gelehrt: Wer das Gebet [beendet], trete drei Schritte rückwärts zurück und grüße dann; tut er dies nicht, so wäre es für ihn besser, das Gebet, überhaupt nicht verrichtet zu haben. Im Namen Šema͑jas sagten sie, er grüße zuerst nach rechts und dann nach links, denn es heißt: zu seiner Rechten Gesetzesfeuer für sie; und ferner heißt es: tausend fallen an deiner Seite, zehntausend an deiner Rechten. –

4Wozu das ‘ferner’? – Man könnte glauben, weil es das Gewöhnliche ist, etwas mit der Rechten zu nehmen, so komm und höre: tausend fallen an deiner Seite, zehntausend an deiner Rechten.

5Einst bemerkte Raba, wie Abajje zuerst nach rechts grüßte. Da sprach er zu ihm: Du glaubst wohl, nach deiner Rechten, es hat nach deiner Linken [zu erfolgen], das ist nämlich die Rechte vom Heiligen, gepriesen sei er. R. Ḥija, Sohn des R. Hona, erzählte: Ich beobachtete Abajje und Raba, wie sie die drei Schritte bei einer Verbeugung machten.

6IM ÄUSSEREN RAUME VERRICHTETE ER EIN KURZES GEBET. Was betete er? Raba b.R. Ada und Rabin b.R. Ada sagten beide im Namen Rabhs: ‘Möge es dein Wille sein, o Herr, unser Gott, daß dieses Jahr ein regenreiches und heißes sei.’ – Ist denn ein heißes zu bevorzugen!? – Sago vielmehr: ist es ein heißes, so sei es regenreich.

7R. Aḥa, Sohn Rabas, ergänzte noch im Namen R. Jehudas: ‘Möge kein Herrscher aus dem Hause Jehudas aufhören. Möge es dein Volk Jisraél nicht nötig haben, daß einer vom anderen sich ernähre. Und das Gebet der Reisenden finde keinen Eingang zu dir.’

8Einst befand sich R. Ḥanina b.Dosa auf der Reise und wurde vom Regen überrascht; da sprach er: Herr der Welt, die ganze Welt in Behagen und Ḥanina in Qual! Da hörte der Regen auf. Als er nach Hause kam sprach er: Herr der Welt, die ganze Welt in Qual und Ḥanina in Behagen! Da kam Regen. R. Joseph sprach: Was nützte nun R. Ḥanina b.Dosa gegenüber das Gebet des Hochpriesters!?

9Die Rabbanan lehrten: Einst verweilte der Hochpriester längere Zeit in seinem Gebete, und seine Priesterbrüder kamen überein, zu ihm hineinzugehen. Als sie aber hineinzugehen sich anschickten, kam er heraus. Da fragten sie ihn: Weshalb hast du so lange in deinem Gebete verweilt? Er erwiderte ihnen: Ist es euch denn unangenehm, daß ich für euch gebetet habe, und für den Tempel, daß er nicht zerstört werde? Da sprachen sie zu ihm: Pflege dies nicht zu tun, denn wir haben gelernt, daß er nicht lange im Gebete verweile, um Jisraél nicht zu beunruhigen.

10SEITDEM DIE [BUNDES]LADE FORT WAR, BEFAND SICH DA EIN STEIN AUS DEN TAGEN DER ERSTEN PROPHETEN, DER ‘GRUNDSTEIN’ GENANNT WURDE; ER WAR DREI FINGER HÖHER ALS DER ERDBODEN, UND AUF DIESEN SETZTE ER [DAS RÄUCHERWERK] AB . ALSDANN NAHM ER DAS BLUT VON DEM, DER ES UMRÜHRTE, GING HINEIN, WO ER HINEINGEGANGEN WAR, STELLTE SICH DA, WO ER GESTANDEN HAT, UND SPRENGTE DAVON EINMAL AUFWÄRTS UND SIEBENMAL ABWÄRTS;

11ER SPRENGTE ABER NICHT OBEN ODER UNTEN ZIELEND, SONDERN NUR WIE AUSHOLEND. ER ZÄHLTE WIE FOLGT: EINS, EINS UND EINS, EINS UND ZWEI, EINS UND DREI, EINS UND VIER, EINS UND FÜNF, EINS UND SECHS, EINS UND SIEBEN. HIERAUF KAM ER HERAUS UND STELLTE ES AUF DAS GOLDENE GESTELL IM TEMPELSCHIFFE .

12ALSDANN BRACHTE MAN IHM DEN BOCK; ER SCHLACHTETE IHN UND NAHM DAS BLUT IN EIN BECKEN AUF, GING HINEIN, WO ER HINEINGEGANGEN WAR, STELLTE SICH DA, WO ER GESTANDEN HAT, UND SPRENGTE DAVON EINMAL AUFWÄRTS UND SIEBENMAL ABWÄRTS. [ER SPRENGTE ABER NICHT OBEN ODER UNTEN ZIELEND, SONDERN NUR WIE AUSHOLEND.] ER ZÄHLTE WIE FOLGT: EINS, EINS UND EINS, EINS UND ZWEI &C. HIERAUF KAM ER HERAUS UND STELLTE ES AUF DAS ZWEITE GOLDENE GESTELL IM TEMPELSCHIFFE. R. JEHUDA SAGT, DA WAR NUR EIN GESTELL. ER NAHM DAS BLUT DES FARREN FORT UND SETZTE DAS BLUT DES BOCKES AB,

13DANN SPRENGTE ER DAVON GEGEN DEN VORHANG, GEGENÜBER DER [BUNDES]LADE, VON AUSSEN, EINMAL AUFWÄRTS UND SIEBENMAL ABWÄRTS. ER ZIELTE NICHT &C. ER ZÄHLTE WIE FOLGT &C. HIERAUF NAHM ER DAS BLUT DES BOCKES UND SETZTE DAS BLUT DES FARREN AB, DANN SPRENGTE ER DA VON AUF DEN VORHANG, GEGENÜBER DER BUNDESLADE, VON AUSSEN, EINMAL AUFWÄRTS UND SIEBENMAL ABWÄRTS &C. ALSDANN SCHÜTTETE ER DAS BLUT DES FARREN IN DAS BLUT DES BOCKES UND TAT DAS VOLLE BECKEN IN EIN LEERES.

14GEMARA. Er lehrt nicht ‘seitdem versteckt wurde’, sondern ‘seitdem fort war’, somit lernen wir hier übereinstimmend mit dem, welcher sagt, die [Bundes]lade sei nach Babylonien fortgeführt worden. Es wird nämlich gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Die [Bundes]lade ist nach Babylonien fortgeführt worden, denn es heißt: im folgenden Jahre aber sandte der König Nebukhadneçar und ließ ihn nach Babel bringen, samt den kostbaren Geräten des Tempels des Herrn,

15R. Šimo͑n b.Joḥaj sagte: Die [Bundes]lade ist nach Babylonien fortgeführt worden, denn es heißt: nichts wird übrig bleiben, Spruch des Herrn, das ist das in [der Bundeslade] enthaltene Zehngebot.

16R. Jehuda b.Laqiš sagte: Die Bundeslade ist an Ort und Stelle versteckt worden, denn es heißt: und die Stangen waren so lang, daß ihre Spitzen vom Heiligtume von dem Hinterraume aus gesehen wurden, draußen aber waren sie nicht zu sehen. Sie blieben daselbst bis auf den heutigen Tag.

17Er streitet somit gegen U͑la, denn U͑la erzählte: R. Mathja b.Ḥereš fragte R. Šimo͑n b.Joḥaj in Rom: Was sagst da dazu, daß R. Elie͑zer uns einmal und zweimal gelehrt hat, die Bundeslade sei nach Babylonien weggeführt worden? – Einmal, wie wir bereits gesagt haben: und, ließ ihn nach Babel bringen, samt den kostbaren Geräten des Herrn, wieso zweimal? – Es heißt: zog von der Tochter Çijon

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.