Joma — Blatt 55a
1Wie beim Schlagen. Es wird gelehrt: Wenn er sprengt, sprengt er nicht auf die Fläche der Deckplatte, sondern gegen die Kante derselben; wenn er aufwärts sprengt, richtet er den Hand[rücken] nach unten, und wenn er abwärts sprengt, richtet er den Hand[rücken] nach oben. –
2Woher dies? R. Aḥa b. Ja͑qob erwiderte im Namen R. Zeras: Die Schrift sagt: er sprenge es auf die Deckplatte und vor die Deckplatte hin. Beim Bocke brauchte ja nicht gesagt zu werden, daß es abwärts erfolge, da dies vom Abwärtssprengen des Farren zu folgern wäre,
3und wenn es dennoch gesagt wird, so besagt dies, daß man [das Sprengen] aufwärts mit dem Sprengen nach vorn vergleiche: wie das Sprengen nach vorn nicht direkt darauf erfolgt, ebenso erfolgt das Sprengen aufwärts nicht darauf. –
4Im Gegenteil: beim Farren brauchte ja nicht gesagt zu werden, daß es aufwärts erfolge, da dies vom Aufwärtssprengen des Bockes zu folgern wäre, und wenn es dennoch gesagt wird, so besagt dies, daß man [das Sprengen] nach vorn mit dem Sprengen aufwärts vergleiche: wie das Sprengen aufwärts darauf erfolgt, ebenso erfolgt das Sprengen nach vorn darauf!? –
5Was ist dies [für ein Einwand]: allerdings ist, wenn du sagst, beim Bocke werde [das Sprengen] abwärts zur Vergleichung gelehrt, beim Farren [das Sprengen] aufwärts wegen der Lehre der Schule des R. Elie͑zer b.Ja͑qob erforderlich, denn in der Schule des R. Elie͑zer b. Ja͑qob lehrten sie: vorn auf die Deckplatte, östlich, dies sei eine Hauptnorm, daß überall, wo es vorn heißt, die Ostseite zu verstehen sei; wozu ist aber, wenn du sagst, beim Farren werde [das Sprengen] aufwärts zur Vergleichung gelehrt, beim Bocke [das Sprengen] abwärts [zu lehren] erforderlich!?
6Die Rabbanan lehrten: Er sprenge es auf die Deckplatte und vor die Deckplatte; wir lernen also wieviel beim Bocke aufwärts, einmal, da wir aber nicht wissen, wieviel beim Bocke abwärts,
7so folgern wir dies aus einem Schlusse: beim Bocke heißt es Blut [beim Sprengen] aufwärts, und ebenso heißt es Blut beim Bocke [beim Sprengen] abwärts, wie es beim Bocke aufwärts einmal erfolgt, ebenso erfolgt es auch abwärts einmal.
8Oder aber auf diese Weise: beim Farren heißt es Blut [beim Sprengen] abwärts, und ebenso heißt es Blut beim Bocke [beim Sprengen] abwärts, wie es beim Farren abwärts siebenmal erfolgt, ebenso erfolgt es beim Bocke abwärts siebenmal. Man beachte aber, wie es zu vergleichen ist: man vergleiche abwärts mit abwärts, nicht aber abwärts mit aufwärts. –
9Im Gegenteil: man vergleiche die Sache mit der Sache selbst, nicht aber mit einer anderen!? – Es heißt: er verfahre mit seinem Blute so, wie er mit dem Blute des Farren verfuhr; die Worte wie er verfuhr sind ja überflüssig, und wenn sie dennoch stehen, so besagt dies, daß alle Verfahren gleichmäßig sein müssen: wie beim Farren abwärts siebenmal, ebenso beim Bocke abwärts siebenmal. –
10Wir lernen also wieviel beim Farren und beim Bocke abwärts, siebenmal, da wir aber nicht wissen, wieviel beim Farren aufwärts, so folgern wir dies aus einem Schlusse: beim Bocke heißt es Blut [beim Sprengen] aufwärts, und ebenso heißt es Blut beim Farren [beim Sprengen] aufwärts, wie es beim Bocke aufwärts einmal erfolgt, ebenso erfolgt es auch beim Farren aufwärts einmal.
11Oder aber auf folgende Weise: beim Farren heißt es Blut [beim Sprengen] abwärts, und ebenso heißt es Blut beim Farren [beim Sprengen] aufwärts, wie es beim Farren abwärts siebenmal erfolgt, ebenso erfolgt es beim Farren aufwärts siebenmal. Man beachte aber, wie es zu vergleichen ist: man vergleiche aufwärts mit aufwärts, nicht aber aufwärts mit abwärts. –
12Im Gegenteil, man vergleiche die Sache mit der Sache selbst, nicht aber mit einer anderen!? – Es heißt: er verfahre mit seinem Blute so, wie er verfuhr; die Worte wie er verfuhr sind ja überflüssig, und wenn sie dennoch stehen, so besagt dies, daß die Verfahren gleichmäßig sein müssen: wie beim Farren abwärts siebenmal, ebenso beim Bocke abwärts siebenmal, und wie beim Bocke aufwärts einmal, ebenso beim Farren aufwärts einmal.
13EINS, EINS UND EINS, EINS UND ZWEI. Die Rabbanan lehrten: Eins, eins und eins, eins und zwei, eins und drei, eins und vier, eins und fünf, eins und sechs, eins und sieben – so R. Meír; R. Jehuda sagt: eins, eins und eins, zwei und eins, drei und eins, vier und eins, fünf und eins, sechs und eins, sieben und eins.
14Sie streiten aber nicht, vielmehr spricht einer von seiner Ortschaft und der andere von seiner Ortschaft. –
15Alle stimmen jedoch überein, die erste Sprengung müsse mit jeder einzelnen mitgezählt werden; aus welchem Grunde? R. Eleázar erklärte: Damit er sich bei den Sprengungen nicht irre.
16R. Jochanan erklärte: Die Schrift sagt: er sprenge vor die Deckplatte hin. Es braucht ja nicht [abermals] sprenge zu heißen, wenn es aber dennoch [abermals] sprenge heißt, so lehrt dies, daß die erste Sprengung mit jeder besonders mitzuzählen ist. –
17Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn er sie nicht mitgezählt, aber sich auch nicht geirrt hat.
18HIERAUF KAM ER HERAUS UND STELLTE ES AUF DAS GOLDENE GESTELL IM TEMPEL SCHIFFE. Dort wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Für die Pflicht-Vogelopfer waren da keine Büchsen, wegen der Vermischung.
19Wegen welcher Vermischung? R. Joseph erwiderte: Wegen der Vermischung von pflichtigen mit freiwilligen. Abajje sprach zu ihm: Man könnte ja zwei angefertigt und auf diese geschrieben haben, welche für Pflichtige und welche für freiwillige? – R. Jehuda
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.