Joma — Blatt 57b
1Vielmehr, sagte Raba, sprenge er zuerst siebenmal abwärts für den Farren und nachher einmal aufwärts und siebenmal abwärts für den Bock.
2Haben sich ihm beide [Blut]becher vermischt, so sprenge er,
3sprenge wiederum und wiederum, dreimal.
4Ist ihm ein Teil des Blutes vermischt worden und ein Teil nicht, so ist es selbstverständlich,
5daß er, wenn er sprengt, das nun vermischte sprenge, aber gilt [das vermischte] als Rest und ist auf das Fundament zu gießen, oder gilt es als verdrängt und ist in den Kanal zu gießen?
6R. Papa erwiderte: Auch nach demjenigen, welcher sagt, ein Becher mache den anderen zum Reste, gilt dies nur von dem Falle, wenn man [den anderen], wenn man es wollte, zum Sprengen verwenden könnte, nicht aber hierbei, wo er [den anderen], wenn er es wollte, nicht zum Sprengen verwenden könnte.
7R. Hona, Sohn des R. Jehošua, sprach zu R. Papa: Im Gegenteil, auch nach demjenigen, welcher sagt, ein Becher mache den anderen zum verdrängten, gilt dies nur von dem Falle, wenn dies mit Absicht erfolgt, nicht aber in dem Falle, wenn es ohne Absicht erfolgt.
8Es wird nämlich gelehrt: Oben heißt es: das Blut gieße er, und unten heißt es: und das ganze Blut gieße er.
9Woher daß, wenn er das Blut des Sündopfers in vier Becher aufgenommen und aus jedem auf je [ein Horn] gesprengt hat, alle Reste auf das Fundament zu gießen sind? Es heißt: und das ganze Blut gieße er.
10Man könnte glauben, auch wenn alle vier Sprengungen aus einem, so heißt es: und das Blut gieße er, nur dieses ist auf das Fundament zu gießen, die übrigen aber sind in den Kanal zu gießen. R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n sagte: Woher, daß, wenn er das Blut des Sündopfers in vier Becher aufgenommen und alle vier Sprengungen aus einem derselben gesprengt hat, [auch] alle übrigen auf das Fundament zu gießen sind? Es heißt: und das ganze Blut gieße er. –
11Und R. Elea͑zar b.R. Šimo͑n, es heißt ja auch: und das Blut gieße er!? R. Aši erwiderte: Dies schließt das aus, was im Halse des Tieres zurückbleibt.
12ALSDANN SCHÜTTETE ER DAS BLUT DES FARREN IN DAS BLUT DES BOCKES. Wir lernen also übereinstimmend mit dem, welcher sagt, man vermische [das Blut zum Sprengen] auf die Hörner. Es wird nämlich gelehrt: R. Jošija und R. Jonathan [streiten]; einer sagt, man vermische es, und einer sagt, man vermische es nicht.
13Es ist zu beweisen, daß R. Jošija es ist, welcher sagt, man vermische es, denn er sagt, auch wenn es nicht ‘zusammen’ heißt, sei es ebenso, als hieße es ‘zusammen’. –
14Da kannst auch sagen, daß es R. Jonathan ist, denn hierbei ist es anders, da es einmal heißt. –
15Dieser Erwiderung widersprechend wird gelehrt: Er soll vom Blute des Farren und vom Blutedes Bockes nehmen; sie müssen vermischt sein – so R. Jošija;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.