Joma — Blatt 62b

1Daf 62b GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Er nehme zwei Ziegenböcke: ‘Böcke’ sind ja mindestens zwei, wozu heißt es zwei? Beide sollen einander gleichen. Woher, daß sie tauglich sind, auch wenn sie einander nicht gleichen? Es heißt zweimal Ziegenbock, und dies ist einschließend. –

2Also nur deshalb, weil der Allbarmherzige dies einschließt, hätte es aber der Allbarmherzige nicht eingeschlossen, so würde man gesagt haben, sie seien untauglich; woher die Unerläßlichkeit!?

3Man könnte dies glauben, weil es dreimal zwei heißt. –

4Wozu heißt es dreimal zwei, wo der Allbarmherzige es durch die Wiederholung [des Wortes] Ziegenbock einschließt!? – Einmal [deutet es] auf das Aussehen, einmal auf den Wuchs und einmal auf den Preis.

5Desgleichen wird auch von den Lämmern des Aussätzigen gelehrt: Er nehme zwei Lämmer; ‘Lämmer’ sind ja mindestens zwei, wozu heißt es zwei? Beide sollen einander gleichen. Woher, daß sie tauglich sind, auch wenn sie einander nicht gleichen? Es heißt zweimal Lamm, und dies ist einschließend. –

6Also nur deshalb, weil der Allbarmherzige dies einschließt, hätte es aber der Allbarmherzige nicht eingeschlossen, so würde man gesagt haben, sie seien untauglich; woher die Unerläßlichkeit!? – Man könnte dies glauben, weil es sei heißt.

7Wozu heißt es sei, wo der Allbarmherzige es durch die Wiederholung [des Wortes] Lamm einschließt!? – Wegen der sonstigen Beschaffenheit des Aussätzigen[opfers].

8Desgleichen wird auch von [den Vögeln] des Aussätzigen gelehrt: Vögel; ‘Vögel’ sind ja mindestens zwei, wozu heißt es nun Beide sollen einander gleichen. Woher, daß sie tauglich sind, auch wenn sie einander nicht gleichen? Es heißt zweimal Vogel, und dies ist einschließend. –

9Also nur deshalb, weil der Allbarmherzige dies einschließt, hätte es aber der Allbarmherzige nicht eingeschlossen, so würde man gesagt haben, sie seien untauglich; woher die Unerläßlichkeit!? – Man könnte dies glauben, weil es sei heißt. –

10Wozu heißt es sei, wo der Allbarmherzige es durch die Wiederholung [des Wortes] Vogel einschließt!? – Wegen der sonstigen Beschaffenheit des Aussätzigen[opfers]. –

11Demnach könnte man ja auch beim beständigen Opfer deduzieren: Lämmer, ‘Lämmer’ sind ja mindestens zwei, wozu heißt es nun zicei? Beide sollen einander gleichen. Woher, daß sie tauglich sind, auch wenn sie einander nicht gleichen? Es heißt zweimal Lamm, und dies ist einschließend. Gebotsmäßig wäre dies also erforderlich!? –

12Hierbei ist es für die folgende Lehre nötig: Zwei für den Tag, gegen den Tag.

13Da sagst, gegen den Tag. vielleicht ist dem nicht so, sondern deutet dies auf die tägliche Pflicht!? Wenn es heißt: das eine Lamm sollst du am Morgen herrichten und das andere Lamm sollst du am Abend herrichten, so lehrt dies ja die tägliche Pflicht, somit sind die Worte zwei für den Tag [zu erklären:] gegen den Tag.

14Und zwar: das beständige Morgenopfer wurde am zweiten Ringe der nordwestlichen Ecke und das beständige Abendopfer am zweiten Ringe der nordöstlichen Ecke geschlachtet.

15Die Zusatzopfer des Šabbaths aber müssen bestimmt einander gleichen.

16Die Rabbanan lehrten: Hat er die zwei Böcke des Versöhnungstages außerhalb [des Vorhofes] geschlachtet, so ist er, wenn vor dem Losen, wegen beider schuldig, und wenn nach dem Losen, wegen des für Gott bestimmten schuldig und wegen des für A͑zazel bestimmten frei. –

17«So ist er, wenn vor dem Losen, wegen beider schuldig.» Welche Verwendung haben sie dann!? R. Ḥisda erwiderte: Sie sind jeder als außerhalb herzurichtender Bock verwendbar. –

18Als der innerhalb herzurichtende Bock wohl deshalb nicht, weil noch das Losen fehlt, ebenso sollte er als der außerhalb herzurichtende Bock nicht verwendbar sein, da noch die übrigen Dienstverrichtungen des Tages fehlen!? –

19R. Ḥisda ist der Ansicht, am selben Tage gebe es kein Fehlen der Frist.

20Rabina sprach: R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls, Heilsopfer, die man geschlachtet hat, bevor die Türen des Tempels geöffnet worden sind, seien untauglich, weil es heißt: er schlachte es an der Öffnung des Offenbarungszeltes, nur wenn es geöffnet ist, nicht aber, wenn es geschlossen ist. Jetzt nun, wo R. Ḥisda gesagt hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.