Joma — Blatt 68b

1Nördlich von Jerušalem, außerhalb der drei Lager. R. Jose sagt, sie wurden im Aschenraume verbrannt.

2Raba sagte: Der Autor, der gegen R.Jose streitet, ist R. Elie͑zer b.Ja͑qob, denn es wird gelehrt: Auf dem Schuttplatze der Asche soll er verbrannt werden, da muß Asche vorhanden sein. R. Elie͑zer b.J͑qob sagt, der Platz müsse abschüssig sein.

3Abajje sprach zu ihm: Vielleicht streiten sie darüber, ob der Platz auch abschüssig sein müsse.

4Die Rabbanan lehrten: Und der Verbrennende, nur die Kleider des Verbrennenden werden unrein, nicht aber die des Feueranzündenden, noch die des den: Scheiterhaufen Anrichtenden. Als Verbrennender gilt derjenige, der bei der Verbrennung behilflich ist.

5Man könnte, glauben, sie verunreinigen die Kleider, auch nachdem sie in Asche verwandelt sind, so heißt es sie, sie machen die Kleider unrein, nicht aber wenn sie Asche sind – so R. Jehuda. R. Šimo͑n erklärte: Der Farre macht die Kleider unrein, ist aber das Fleisch durchgebrannt, so macht er sie nicht mehr unrein. –

6Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn [das Fleisch] durchgesengt ist.

7MAN BERICHTETE DANN DEM HOCHPRIESTER, DASS DER BOCK IN DER WÜSTE ANGELANGT SEI. WOHER WUSSTE MAN, WANN DER BOCK IN DER WÜSTE ANGELANGT WAR? MAN HATTE POSTEN AUFGESTELLT, DIE IHRE SUDARIEN SCHWENKTEN, UND SO WUSSTE MAN, WANN DER BOCK IN DER WÜSTE ANGELANGT WAR.

8R. JEHUDA SAGTE: SIE HATTEN JA EIN VORTREFFLICHES ZEICHEN: VON JERUSALEM BIS BETH-HEDUDO SIND DREI MIL; WENN SIE EIN MIL GINGEN, EIN MIL ZURÜCKKEHRTEN UND DIE DAUER EINES MIL WARTETEN, WUSSTEN SIE, DASS DER BOCK IN DER WÜSTE ANGELANGT WAR.

9R. JIŠMA͑éL SAGTE: SLE HATTEN EIN ANDERES ZEICHEN: AN DER TÜR DER VORHALLE WAR DER ROTGLÄNZENDE WOLLSTREIFEN BEFESTIGT, UND WENN DER BOCK IN DER WÜSTE ANGELANGT WAR, WURDE DER STREIFEN WEISS, DENN ES HEISST: sind eure Sünden auch scharlachrot, schneeweiß sollen sie werden.

10GEMARA. Abajje sagte: Hieraus zu entnehmen, daß Beth-Ḥedudo sich in der Wüste befindet. Er lehrt uns damit, daß R. Jehuda der Ansicht sei, sobald der Bock in der Wüste angelangt ist, sei das Gebot vollzogen.

11ALSDANN GING DER HOCHPRIESTER AN DAS VORLESEN; WOLLTE ER, LAS ER IN DEN BYSSUSGEWÄNDERN VOR, WENN ABER NICHT, SO LAS ER IN SEINEM EIGENEN WEISSEN OBERGEWANDE VOR.

12DER SYNAGOGENDIENER NAHM DIE TORAROLLE UND REICHTE SIE DEM SYNAGOGENVORSTEHER, DER SYNAGOGENVORSTEHER REICHTE SIE DEM PRIESTERPRÄSES, DER PRIESTERPRÄSES REICHTE SIE DEM HOCHPRIESTER, UND DER HOCHPRIESTER STAND AUF, NAHM SIE IN EMPFANG UND LAS VOR [DIE ABSCHNITTE] ‘NACH DEM TODE’ UND ‘ABER DER ZEHNTE’. DARAUF ROLLTE ER DIE TORAROLLE ZUSAMMEN, NAHM SIE AN SEINEN BUSEN UND SPRACH: MEHR ALS ICH VORGELESEN HABE, STEHT DARIN GESCHRIEBEN. [DEN ABSCHNITT] ‘AM ZEHNTEN’ IM BUCHE NUMERI LAS ER AUSWENDIG

13UND SPRACH DARAUF ACHT SEGENSSPRÜCHE ÜBER DIE TORA, ÜBER DEN TEMPELDIENST, EINEN DANKSEGEN, ÜBER DIE SÜNDENVERGEBUNG, FÜR DEN TEMPEL BESONDERS, FÜR JISRAÉL BESONDERS, FÜR JERUŠALEM BESONDERS, FÜR DIE PRIESTER BESONDERS, UND ÜBER DAS ÜBRIGE GEBET.

14WER DEN HOCHPRIESTER BEIM VORLESEN SAH, SAH NICHT DIE VERBRENNUNG DES FARREN UND DES BOCKES, UND WER DIE VERBRENNUNG DES FARREN UND DES BOCKES SAH, SAH NICHT DEN HOCHPRIESTER BEIM VORLESEN; NICHT ETWA, DASS DIES NICHT ERLAUBT WÄRE, VIELMEHR WAR DER WEG WEIT, UND BEIDES GESCHAH ZU GLEICHER ZEIT.

15GEMARA. Wenn er lehrt, [er las] in seinem eigenen weißen Obergewande, so ist ja demnach das Vorlesen kein Tempeldienst,

16somit ist, da er lehrt, daß er, wenn er will, in den Byssusgewändern vorlesen dürfe, hieraus zu entnehmen, daß die Nutznießung der priesterlichen Amtskleider erlaubt sei. – Vielleicht ist das Vorlesen anders, da es zum Tempeldienste erforderlich ist.

17Es wurde nämlich gefragt, ob die Nutznießung der priesterlichen Amtskleider erlaubt sei oder nicht. –

18Komm und höre: Sie schliefen nicht in den heiligen Kleidern. Nur schlafen durften sie nicht in diesen, wohl aber essen. – Vielleicht ist das Essen anders, da es zum Tempeldienste gehört. Es wird nämlich gelehrt: Sie sollen diese essen, womit Sühne bewirkt wurde; dies lehrt, daß die Priester essen und der Eigentümer Sühne erlange. –

19Nur schlafen nicht, wohl aber durften sie in diesen umhergehen!? – Eigentlich dürfen sie in diesen auch nicht umhergehen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.