Joma — Blatt 72a

1ganz aus blauem Purpur anfertigen, und man folgere durch [das Wort] blauen Purpur, das auch beim Vorhang gebraucht wird: wie bei diesem sechsfach, ebenso auch bei jenem sechsfach. –

2Sollte man doch vom Saume und den Granatäpfeln folgern: wie bei diesen achtfach, ebenso auch bei jenem achtfach!? – Man folgere hinsichtlich eines Kleidungsstückes von einem Kleidungsstücke, nicht aber hinsichtlich eines Kleidungsstückes von einem Zierstücke. –

3Im Gegenteil, man folgere hinsichtlich einer Sache von dieser selbst, nicht aber von einer anderen Sache!? – Deshalb sagten wir ja, einmal deute es darauf, daß es auch von anderen Gewändern gelte, bei denen [das Wort] Byssus nicht genannt wird.

4Der Vorhang vierundzwanzigfach. Vier [Fäden] sechsfach gedreht. Hierbei ist nichts zu erörtern.

5Woher, daß Brustschild und Schulterkleid achtundzwanzigfach? – Es heißt: du sollst ein Orakel-Brustschild fertigen, in Kunstwirkerarbeit; so wie das Schulterkleid gearbeitet ist, sollst du es fertigen; aus Gold, blauem und rotem Purpur, Karmesin und gezwirntem Byssus; vier Arten je sechsfach sind vierundzwanzig, dazu das Gold vierfach, zusammen achtundzwanzig. –

6Vielleicht auch das Gold sechsfach!? R. Aḥa b.Ja͑qob erwiderte: Die Schrift sagt: und Fäden zerschneiden, das sind vier.

7R. Asi erklärte: Die Schrift sagt:um diese in den blauen Purpur und in den roten Purpur einzuarbeiten; wie sollte man es nun machen: wenn viermalzweifach, so wären es ja acht, und wenn zweimal zweifach und zweimal einfach, so besagt ja [das Wort] machen, daß das Machen bei allen gleich sein müsse.

8Reḥaba sagte im Namen R. Jehudas: Wer ein priesterliches Amtskleid einreißt, erhält Geißelhiebe, denn es heißt: es soll nicht eingerissen werden. R. Aḥa b.Ja͑qob wandte ein: Vielleicht meint es der Allbarmherzige wie folgt: man mache einen Saum, damit es nicht einreiße!? – Heißt es denn: damit es nicht einreiße!?

9R. Elea͑zar sagte: Wer das Brustschild vom Schulterkleid loslöst oder die Stangen von der Bundeslade entfernt, erhält Geißelhiebe, denn es heißt: es soll nicht losgelöst werden, und: sie sollen nicht entfernt werden. R. Aḥa b.Ja͑qob wandte ein: Vielleicht meint es der Allbarmherzige wie folgt: man befestige sie gut, damit sie sich nicht loslösen, beziehungsweise nicht entfernt werden!? – Heißt es denn: damit es sich nicht loslöse, und: damit sie nicht entfernt werden!?

10R.Jose b. R. Ḥanina wies auf einen Widerspruch hin: es heißt: in den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben, dagegen heißt es: die Stangen sollen in die Ringe gebracht werden; wie ist dies zu erklären? Sie waren lose, jedoch glitten sie nicht heraus.

11Desgleichen wird gelehrt: In den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben; man könnte glauben, sie dürfen nicht [von der Stelle] beweglich sein, 30 heißt es: die Stangen sollen in die Ringe gebracht werden. Aus [den Worten] die Stangen sollen [in die Ringe] gebracht werden, könnte man entnehmen, sie müssen zum Hineinschieben und Herausnehmen sein, so heißt es: in den Ringen der Lade sollen die Stangen bleiben. Wie ist dies zu erklären? Sie waren lose, jedoch glitten sie nicht heraus.

12R. Ḥama b.R. Ḥanina sagte: Es heißt: von Akazienholz, aufrechtstehend, die wie bei ihrem Wachsenstehen. Eine andere Erklärung: Aufrechtstehend, an denen der [Gold]überzug stehen bleibt. Eine andere Erklärung: Aufrechtstehend; man könnte glauben, ihre Hoffnung sei verloren und ihre Aussicht dahin, so heißt es: aufrechtstehend, die in alle Ewigkeit stehen bleiben.

13R. Ḥamab. R. Ḥanina sagte: Es heißt: die gewirkten Kleider [serad] für den Dienst im Heiligtume;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.