Joma — Blatt 72b

1wenn nicht die Priestergewänder, so würde von den Feinden Jisraéls kein Zurückgebliebener [sarid] und kein Entronnener geblieben sein.

2R. Šemuél b.Naḥmani sagte: In der Schule R. Šimo͑ns wurde gelehrt: Kleider, die man schon am Geräte in ihrer richtigen Form webt und nur etwas zurückläßt [sarad]. – Was ist dies? Reš Laqiš erwiderte: Nadelarbeit.

3Man wandte ein: Die Priestergewänder dürfen keine Nadelarbeit sein, sondern Webearbeit, denn es heißt: webeartig!? Abajje erwiderte: Dies bezieht sich auf die Ärmel, wie gelehrt wird: Die Ärmel der Priestergewänder wurden besonders gewebt und an das Kleidungsstück angeheftet; sie reichten bis zum Handgelenke.

4Reḥaba sagte im Namen R. Jehudas: Bezalél fertigte drei Laden; die mittelste aus Holz, neun [Handbreiten hoch], die innere aus Gold, acht [Handbreiten hoch], und die äußere [aus Gold] etwas über zehn [Handbreiten hoch]. –

5Es wird ja aber gelehrt: etwas über elf!? – Das ist kein Einwand; eines nach demjenigen, welcher sagt, die Dicke hatte eine Handbreite, und eines nach demjenigen, welcher sagt, die Dicke hatte keine Handbreite. – Wofür diente der Überschuß? – Für die Kranzleiste.

6R. Johanan sagte: Es waren drei Kranzleisten: am Altar, an der Bundeslade und am Tische. Die des Altars war Ahron beschieden und er erhielt sie; die des Tisches war David beschieden und er erhielt sie; und die der Bundeslade liegt noch frei, und wer sie nehmen will, komme und nehme sie. Vielleicht glaubst du, diese sei geringer, so heißt es: durch mich üben Könige Königsmacht.

7R.Joḥanan wies auf einen Widerspruch hin: Die Schreibweise ist sar und wir lesen ser [Kranz]!? Ist er verdienstvoll, so dient ihm [die Tora] als Kranz [ser], ist er nicht verdienstvoll, so ist sie ihm fremd [sarah].

8R. Joḥanan wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: fertige dir eine Lade aus Holz, und es heißt: sie sollen eine Lade aus Akazienholz anfertigen!? Hieraus, daß es den Bürgern der Stadt geboten ist, dem Schriftgelehrten seine Arbeit zu verrichten.

9Von innen und von außen sollst du sie überziehen. Raba, sagte: Ein Schriftgelehrter, dessen Inneres nicht seinem Äußeren gleicht, ist kein Schriftgelehrter.

10Abajje, nach anderen Rabba b.U͑la, sagte, er heiße auch ‘Abscheu, denn es heißt: abscheulich, schmutzig ist ein Mann, der wie Wasser Unrecht trinkt.

11R. Šemuél b.Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Es heißt: wozu das Geld in des Toren Hand zum Erwerbe der Weisheit, da doch kein Herz vorhanden ist. Wehe den Feinden der Schriftgelehrten, die sich mit der Tora befassen, denen aber die Gottesfurcht fehlt.

12R. Jannaj rief aus: Wehe dem, der keinen Wohnraum hat, aber sich eine Tür für einen Wohnraum macht.

13Raba sprach zu den Jüngern: Ich bitte euch, nicht einer zwiefachen Hölle teilhaftig zu werden.

14R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es heißt: dies ist das Gesetz, das Moše vorlegte [sam]; ist er verdienstvoll, so ist es für ihn eine Mixtur [sam] des Lebens, ist er nicht verdienstvoll, so ist es für ihn eine Mixtur des Todes. Das ist es, was Raba sagte; Für den, der sich ihr rechts widmet, ist sie eine Mixtur des Lebens, für den, der sich ihr nicht rechts widmet, ist sie eine Mixtur des Todes.

15R.Šemuél b.Naḥmani sagte: R.Jonathan wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: die Befehle des Herrn sind recht, sie erfreuen das Herz, und dagegen heißt es:das Wort des Herrn ist dürchläutert!? Ist er verdienstvoll, so erfreut sie ihn, ist er nicht verdienstvoll, so läutert sie ihn. Reš Laqiš sagte: Dies ist aus dem einen Verse zu entnehmen: ist er verdienstvoll, so läutert sie ihn zum Leben, ist er nicht verdienstvoll, so läutert sie ihn zum Tode.

16Die Gottesfurcht ist rein, sie besteht für immer. R. Ḥanina sagte: Dies bezieht sich auf den, der die Tora in Reinheit studiert. – Was ist dies? – Wenn er zuerst eine Frau nimmt und dann die Tora studiert.

17Das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig. R. Ḥija b.Abba sagte: Sie ist zuverlässig Zeugnis abzulegen über die, die sie studieren.

18In Wirkerarbeit, in Kunstarbeit. R. Elea͑zar erklärte: Die auf die Stelle, die sie vorzeichnen, wirken.

19Im Namen R. Neḥemjas wurde gelehrt: Wirkerarbeit, mit der Nadel, daher ist eine Figur [sichtbar]: Kunstarbeit, gewebt, daher sind zwei Figuren [sichtbar].

20IN DIESEN BEFRAGE MAN DAS ORAKEL. Als R. Dimi kam, sagte er: In den Gewändern, in denen der Hochpriester amtet, amtet auch der Feldpriester, denn es heißt: die heiligen Kleider Ahrons sollen auf seine Söhne übergehen, nach ihm, der ihm in der Amtswürde folgt.

21R. Ada b.Ahaba, manche sagen, Kadi, wandte ein: Man könnte glauben, das Amt des Feldpriesters gehe auf seinen Sohn über, wie auch das Amt des Hochpriesters auf seinen Sohn übergeht,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.