Joma — Blatt 77b
1wenn du peinigen wolltest, durch Verweigerung des Beischlafes, wenn du hinzunehmen wolltest, durch Nebenbuhlerinnen. – Vielleicht beides durch Nebenbuhlerinnen!? – Heißt es etwa: hinzunehmen wolltest, es heißt ja: und hinzunehmen wolltest. –
2Vielleicht beides durch Nebenbuhlerinnen, nur bezieht sich eines auf die Nebenbuhlerschaft untereinander und eines auf hinzukommende [Nebenbuhlerinnen, die Peinigungen] würden also einander gleichen!? – Heißt es etwa: wenn du nehmen und peinigen wolltest, es heißt ja: wenn du peinigen und nehmen wolltest.
3R. Papa sprach zu Abajje: Der Beischlaf selbst wird ja ‘Peinigung’ genannt, wie es heißt: er schlief hei ihr und peinigte sie!? Dieser erwiderte: Er peinigte sie durch andere Beschlafungen.
4Die Rabbanan lehrten: Man darf einen Teil des Körpers ebensowenig waschen, wie den ganzen Körper; wenn jemand aber mit Lehm und Kot beschmutzt ist, so wasche er sich wie gewöhnlich, ohne Bedenken. Man darf einen Teil des Körpers ebensowenig salben, wie den ganzen Körper; wenn jemand aber krank ist oder Ausschläge auf dem Kopfe hat, so salbe er sich wie gewöhnlich, ohne Bedenken.
5In der Schule Menašes wurde gelehrt: R. Šimon b.Gamliél sagte, eine Frau dürfe, ohne Bedenken, eine Hand im Wasser abspülen und einem Kinde Brot geben.
6Man erzählt von Šammaj dem Älteren, daß er nicht mit einer Hand [einem Kinde] zu essen reichen wollte, und sie geboten ihm, mit beiden Händen zu reichen. – Aus welchem Grunde? Abajje erwiderte: Wegen der Šibta.
7Die Rabbanan lehrten: Wer seinen Vater, seinen Lehrer oder sonst einen bedeutenderen als er selbst empfangen geht, darf ohne Bedenken bis an den Hals in Wasser gehen.
8Sie fragten: Wie ist es, wenn ein Lehrer seinen Schüler [empfangen geht]? – Komm und höre: R. Jiçḥaq b.R. Ḥana erzählte, er habe gesehen, wie Zee͑ri zu seinem Schüler R. Ḥija b.Aši ging. R. Aši sagte: Es war R. Ḥija b.Aši, der zu seinem Lehrer Zee͑ri ging.
9Raba erlaubte den Leuten von E͑ber lamina über ein Gewässer zu gehen, um Früchte zu bewachen. Abajje sprach zu Raba: Es gibt eine Lehre als Stütze für dich: Obstwächter dürfen ohne Bedenken bis an den Hals ins Wasser gehen.
10R. Joseph erlaubte den Leuten von Be Tarbe, über ein Gewässer zu gehen, um zum Vortrage zu kommen; heimzukehren erlaubte er ihnen aber nicht. Abajje sprach zu ihm: Demnach legst du ihnen ein Hindernis für die Zukunft. Manche erzählen: Er erlaubte ihnen zu kommen und er erlaubte ihnen heimzukehren; da sprach Abajje zu ihm: Allerdings zu kommen, wieso aber heimzukehren!? – Um ihnen kein Hindernis für die Zukunft zu legen.
11R. Jehuda und R. Šemuél b.R. Jehuda standen am Ufer des Papaflusses vor der Fähre von Ḥaçdad und Rami b. Papa stand auf der anderen Seite; da rief er ihnen zu: Darf ich zu euch hinübergehen, um euch über eine Lehre zu befragen? R. Jehuda erwiderte ihm: Rabh und Šemuél sagten beide, man dürfe hinübergehen, nur nicht die Hand unter den Saum des Rockes schieben. Manche sagen, R. Šemuél b.R. Jehuda erwiderte: Es wird gelehrt, man dürfe hinübergehen, nur nicht die Hand unter den Saum des Rockes schieben.
12R. Joseph wandte ein: Ist dies denn selbst am Wochentage erlaubt, es heißt ja: er maß tausend Ellen und führte mich durch das Wasser bis an die Knöchel, hieraus, daß man [durch ein Wasser] bis an die Knöchel gehen dürfe;
13er maß tausend [Ellen] und führte mich durch ein Wasser bis an die Kniee, hieraus, daß man [durch ein Wasser] bis an die Kniee gehen dürfe; er maß tausend [Ellen] und führte mich durch ein Wasser bis an die Hüften, hieraus, daß man [durch ein Wasser] bis an die Hüften gehen dürfe; tiefer aber [nicht, denn es heißt]: er maß noch tausend [Ellen], da war es ein Strom, den ich nicht durchschreiten konnte!?
14Abajje erwiderte: Anders ist ein Strom, dessen Wasser reißend ist.
15Man könnte glauben, man dürfe einen solchen schwimmend überschreiten, so heißt es: denn das Wasser war zu hoch, als daß man es durchschwimmen könnte. – Was heißt saḥu? – Schwimmen, denn den Schwimmer nennt man Sajaḥa. Man könnte glauben, man dürfe einen solchen in einem kleinen Boote überschreiten, so heißt es: kein Ruderboot durchfährt ihn, Man könnte glauben, man dürfe ihn in einem großen Boote überschreiten, so heißt es: und kein stolzes Schiff durchschreitet ihn. – Wieso geht dies hieraus hervor? – Nach der Übertragung R. Josephs: Kein Fischerboot fährt auf ihm und kein großes Boot durchschneidet ihn.
16R. Jehuda b.Pazi sagte: Auch der Todesengel hat nicht die Befugnis, über einen solchen zu gehen, denn hier heißt es: kein Ruderboot [šajiṭ] durchfährt ihn, und dort heißt es: von einem Streifzuge [šuṭ] auf der Erde.
17R. Pinḥas sagte im Namen R. Honas aus Sepphoris: Der Quellstrom, der aus dem Allerheiligsten hervorkam, glich beginnend den Fühlhörnern der Heuschrecken, an der Tür des Tempels glich er einem Kettenfaden, an der Vorhalle glich er einem Einschlagfaden und an der Tür des Vorhofes glich er einer kleinen Gießkanne. Das ist es, was wir gelernt haben: R. Elie͑zer b.Ja͑qob sagte: Da sprudelte das Wasser,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.