Joma — Blatt 77a
1wo das den [Herrn] erregende Eiferbild stand. Ferner: und er brachte mich in den inneren Vorhof des Tempels des Herrn; da waren am Eingange des Tempels des Herrn, zwischen der Vorhalle und dem Altar, gegen fünfundzwanzig Mann, mit dem Rücken gegen den Tempel des Herrn und mit dem Gesichte gegen Osten gewendet, sie bückten sich nach Osten hin zur Sonne. – Wenn es heißt: mit dem Gesichte gegen Osten, so weiß ich ja, daß mit dem Rücken gegen den Tempel des Herrn, und wenn es dennoch mit dem Rücken gegen den Tempel des Herrn heißt, so lehrt dies, daß sie sich entblößten und nach unten gewendet sich entleerten.
2Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Mikhaél: Mikhaél, dein Volk hat sich vergangen! Dieser sprach vor ihm: Herr der Welt, die Guten unter ihnen genügen ja! Er erwiderte: Ich verbrenne sie samt den Guten unter ihnen. Hierauf: Da sprach er zum Manne, der in Linnen gekleidet war: Tritt hinein zwischen die Räder unterhalb des Kerubs, fülle deine Hände mit glühenden Kohlen aus dem Raume zwischen den Kerubim und streue sie über die Stadt. Da trat er vor meinen Augen hinein. Hierauf: Da langte der Kerub mit seiner Hand zwischen die Kerubim zum Feuer, das sich zwischen den Kerubim befand, hob welches auf und gab es dem in Linnen Gekleideten in die Hände; er nahm es und ging hinaus.
3R. Ḥana b.Bizna sagte im Namen R. Šimo͑n des Gerechten: Würden nicht die Kohlen aus der Hand des Kerubs in die Hand des Gabriél ausgekühlt sein, so würde von den Feinden Jisraéls kein Rest und kein Entronnener zurückgeblieben sein,
4denn es heißt: es brachte aber der in Linnen Gekleidete, der das Schreibzeug an seiner Lende hatte, Bescheid und sprach: Ich habe getan, wie du mir befohlen hast. R. Joḥanan sagte: In jener Stunde führte man Gabriél hinter die Umfriedigung hinaus und versetzte ihm sechzig Feuerschläge, indem man zu ihm sprach: Hättest du [den Befehl] überhaupt nicht ausgeführt, so hättest du ihn nicht ausgeführt, wenn du ihn aber wohl ausgeführt hast, warum hast du nicht getan, wie man dir befohlen hat? Und ferner solltest du wissen, wo du ihn schon ausgeführt hast, daß man Unheil nicht meldet.
5Hierauf holte man Dubiél den Schutzengel der Perser, und setzte ihn an seiner Stelle ein, und dieser amtete einundzwanzig Tage. Das ist es, was geschrieben sleht: der Schutzengel des persischen Reiches stand mir einundzwanzig Tage entgegen; und siehe, da kam mir Mikhaél, einer der oberen Fürsten, zu Hilfe, während ich im, Kampfe mit den Perserkönigen allein geblieben war. Nachdem man ihm einundzwanzig Provinzen nebst dem Hafen Mašmahig gegeben hatte,
6sprach er: Schreibt mir Jisraél für die Kopfsteuer auf. Sie taten dies. – Schreibt mir die Gelehrten für die Kopfsteuer auf. Sie taten dies. Als dies unterzeichnet werden sollte, trat Gabriél hinter der Umfriedigung vor und sprach: Es ist umsonst für euch, die ihr früh aufsteht, erst spät euch niederlegt und das Brot der Mühen eßt; ebenso gibt er es seinen Lieben im Schlafe. – Was heißt: ebenso gibt er es seinen Lieben im Schlafe? R. Jiçḥaq erwiderte: Das sind die Frauen der Schriftgelehrten, die auf dieser Welt ihren Schlaf verscheuchen, und der zukünftigen Welt teilhaftig werden. – Man beachtete ihn aber nicht.
7Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, wenn alle Weisen der weltlichen Völker auf einer Wagschale sein würden und der Liebling Daniél auf der anderen Wagschale, würde er sie nicht aufwiegen!? Darauf sprach der Heilige, gepriesen sei er: Wer ist es, der meine Kinder verteidigt? Sie erwiderten ihm: Herr der Welt, es ist Gabriél. Da sprach er: Er komme herein. Wie es heißt: ich bin wegen deiner Worte gekommen. (Da befahl er, daß er hereinkomme.)
8Als sie ihn hineinführten und er Dubiél das Dokument in der Hand halten sah, wollte er es ihm entreißen, dieser aber verschluckte es. Manche sagen, es war nur geschrieben und nicht unterzeichnet, manche sagen, es war auch unterzeichnet, nur sei beim Herunterschlucken [die Unterschrift] verwischt worden. Deshalb gibt es im Königreiche Persien manchen, der Kopfsteuer zahlen, und manchen, der keine Kopfsteuer zahlen muß. Und wie ich ausziehe, siehe, da ist der Schutzengel Griechenlands. Er schrie und schrie, doch niemand beachtete ihn.
9Wenn du aber sagen willst, sage ich: aus folgendem ist zu entnehmen, daß [die Unterlassung des] Waschens eine Kasteiung ist; es heißt: dem Priester Ebjathar aber befahl der König: Begib dich nach A͑nathoth auf dein Landgut, denn du hast den Tod verdient. Aber heute will ich dich nicht töten, weil du die Lade des Herrn vor meinem Vater getragen und dich gleich mit meinem Vater kasteiet hast. Und von David heißt es: denn sie dachten: das Volk in der Steppe ist hungrig, erschöpft und durstig. Hungrig an Brot, durstig an Wasser, woran erschöpft? Doch wohl [die Entbehrung] des Badens. – Vielleicht [die Entbehrung] des Schuhzeugs!?
10Vielmehr, erklärte R. Jiçḥaq, aus folgendem: wie kaltes Wasser auf die müde Seele. – Vielleicht [die Entbehrung] des Trinkens!? – Heißt es denn: in die müde Seele, es heißt ja: auf die müde Seele.
11Woher dies von [der Entbehrung des] Sandalenanziehens? – Es heißt: David aber stieg den Ölberg hinan, im Gehen weinend und mit verhülltem Haupte, und zwar ging er barfuß; doch wohl barfuß [ohne] Sandalen. – Vielleicht [ohne] Pferd und Peitsche!?
12Vielmehr, erklärte R. Naḥman b. Jiçḥaq, aus folgendem: wohlan, tue das härene Gewand von deinen Hüften ab und ziehe deine Schuhe von deinen Füßen, und darauf folgt: er tat also, daß er nackt und barfuß einherging; doch wohl barfuß [ohne] Sandalen. – Vielleicht aber in geflickten Schuhen, denn wenn du nicht so erklären wolltest, müßte man auch unter ‘nackt’ vollständig nackt verstehen!? Vielmehr [ist zu verstehen:] in zerschlissenen Kleidern, ebenso auch: in geflickten Schuhen!? –
13Vielmehr, erklärte R. Naḥman b. Jiçḥaq, aus folgendem: bewahre deinen Fuß vor Barfäßigkeit und deine Kehle vor Durst; bewahre deinen Fuß vor der Sünde, damit dein Fuß nicht zur Barfüßigkeit komme, bewahre deine Zunge vor sündhaftem [Gerede], damit deine Kehle nicht zu dursten brauche.
14Woher, daß die [Entbehrung des] Beischlafes eine Peinigung heiße? – Es heißt: wenn du etwa meine Töchter peinigen und noch Weiber hinzunehmen wolltest;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.