Joma — Blatt 84a

1ob man ihn [nur] mit einem Projektil töte.

2Übereinstimmend mit Šemuél wird gelehrt: Wenn man ihn tötet, tote man ihn nur mit einem Projektil. Wer mit ihm in Berührung kommt, gerät in Gefahr; wer von ihm gebissen wird, stirbt. «Wer mit ihm in Berührung kommt, gerät in Gefahr.» Welches Mittel gibt es dagegen? – Man ziehe seine Kleider aus und laufe. R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, kam einst mit einem solchen in Berührung; da zog er die Kleider ab und lief. Hierauf sprach er: Ich ließ an mir in Erfüllung gehen [den Schriftvers:] die Weisheit erhält ihrem Besitzer das Leben.

3«Wer von ihm gebissen wird, stirbt.» Welches Mittel gibt es dagegen? Abajje erwiderte: Man hole die Haut einer männlichen Hyäne und schreibe darauf: Ich, N., Sohn der N., schreibe über dich auf die Haut einer männlichen Hyäne: Kanti kanti kleros; manche sagen: Qandi qandi qloros; Gott, Gott, Herr der Heerscharen, Amen, Amen, Sela. Darauf ziehe man seine Kleider aus und vergrabe sie in ein Grab, woselbst man sie die zwölf Monate des Jahres liegen lasse; alsdann hole man sie hervor, verbrenne sie in einem Ofen und zerstreue die Asche an einem Scheidewege. Während dieser zwölf Monate des Jahres trinke man, wenn man Wasser trinkt, nur aus einem Kupferrohr, denn sonst könnte man [im Wasser] das Bild des bösen Geistes sehen und in Gefahr geraten. So fertigte seine Mutter für Abba b.Martha, das ist Abba b.Minjomi, ein Trinkrohr aus Gold.

4FERNER SAGTE R. MATHJA. R. Joḥanan litt an Skorbut; da ging er zu einer Matrone, und sie bereitete ihm [ein Heilmittel] am Donnerstag und am Freitag. Alsdann fragte er sie, wie er es am Šabbath mache? Sie erwiderte: Dann hast du es nicht mehr nötig. – Was mache ich aber, wenn ich es nötig haben sollte? Da sprach sie zu ihm: Schwöre mir, daß du es niemandem verraten wirst.

5Darauf schwor er ihr: Dem Gotte Jisraéls, ich verrate es nicht. Hierauf lehrte er dies in seinem Vortrag. – Er hatte ihr ja aber geschworen!? – Daß er es dem Gotte Jisraéls nicht verraten werde, wohl aber seinem Volke. – Dies ist ja aber eine Entweihung des göttlichen Namens!? – Er sagte es ihr vorher. –

6Was bereitete sie ihm? R. Aḥa, der Sohn Rabas, sagte: Sauerteigsaft, Olivenöl und Salz. R. Jemar sagte: Sauerteig (selbst), Olivenöl und Salz. R. Aši sagte: Gänsefett mit einem Gänseflügel [bestrichen]. Abajje sagte: Ich habe alles ausprobiert und wurde nicht gesund, bis mir ein Araber folgendes empfahl. Man nehme Steine von Oliven, die ein Drittel der Reife nicht erlangt haben, verbrenne sie auf einem neuen Spaten im Feuer und bestreiche damit die Zahnreihen. Nachdem ich dies tat, wurde ich gesund. –

7Woher kommt es? – Von sehr heißem [Gerstenbrot, sehr kaltem] Weizen[brot] und Resten der Bratfische. – Was ist das Symptom desselben? – Wenn etwas zwischen die Zähne gerät, kommt aus den [Zahn]reihen Blut hervor. Wenn R. Joḥanan an Skorbut litt, machte er dies am Šabbath und genas. – Wieso tat dies R. Joḥanan!? R. Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Anders ist der Skorbut; er beginnt im Munde und endigt im Unterleibe.

8R. Ḥija b. Abba sprach zu R. Joḥanan: Also nach R. Mathja b. Hereš, welcher sagt, wenn jemand Schmerzen im Munde hat, dürfe man ihm am Šabbath Medizin einflößen? Dieser erwiderte: Ich sage, bei dieser [Krankheit], wenn auch nicht bei einer anderen.

9Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Wenn jemand von der Gelbsucht befallen wird, so darf man ihm Eselsfleisch zu essen geben; wenn jemand von einem tollen Hunde gebissen wird, so darf man ihm von dessen Leberlappen zu essen geben; wenn jemand Schmerzen im Munde hat, so darf man ihm am Šabbath eine Medizin einflößen – so R. Mathja b. Ḥereš; die Weisen sagen, diese gelten nicht als Heilmittel. [Die Beschränkung] ‘diese’ schließt wohl die Medizin aus. –

10Nein, die schließt Aderlaß bei einer Halsanschwellung aus. Dies ist auch einleuchtend, denn es wird gelehrt: Drei Dinge sagte R. Jišma͑él b. Jose im Namen des R. Mathja b. Ḥereš: Man darf am Šabbath bei einer Halsanschwellung zur Ader lassen, wenn einen ein toller Hund gebissen hat, so darf man ihm von seinem Leberlappen zu essen geben, und wenn jemand Schmerzen im Munde hat, so darf man ihm am Šabbath eine Medizin einflößen;

11die Weisen sagen, diese gelten nicht als Heilmittel. [Die Beschränkung] ‘diese’ schließt wohl die zwei letzten aus, während das erste nicht einbegriffen ist. – Nein, die ersten zwei, während das letzte nicht einbegriffen ist. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.