Keritot — Blatt 13b

1und die Milch einer Frau sind als Flüssigkeiten im Quantum eines Viertellogs verunreinigend; sein Speichel, sein Fluß und sein Urin sind schwer verunreinigend, in jedem Quantum.

2Wenn du nun sagst, die Stelle der Milch gelte als Quelle, so sollte doch auch die Milch gleich seinem Flusse und seinem Speichel schwer verunreinigend sein in jedem Quantum!? Hieraus ist also zu entnehmen, daß die Milchstelle eines Weibes nicht als Quelle gilt. –

3Dagegen ist ja aber einzuwenden aus der von Raba angezogenen Lehre, [die Milch] verunreinige, ob gewollt oder ungewollt!? –

4Du glaubst, ungewollt heiße es, wenn es ihm unerwünscht ist; nein, ungewollt heißt es, [wenner sich nicht äußert,] denn der Sinn des Kindes ist auf die Milch gerichtet, wenn es ihm aber unerwünscht ist, ist sie rein.

5WER UNREINE SPEISEN GEGESSEN &C. Wozu ist das Verweilen nötig, daß er lehrt: und verweilthat!? R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: wer unreine Speisen gegessen, unreine Getränke getrunken, ein Viertellog Wein getrunken, und beim Essen und Trinken solange verweilt hat, als man ein Peras ißt, und in das Heiligtum eingetreten ist, ist schuldig.

6R. ELEA͑ZAR SAGT &C. Die Rabbanan lehrten:Wein und Rauschtrank sollst du nicht trinken, man könnte glauben, auch irgend etwas, auch aus der Kelter,

7so heißt es: und Rauschtrank, es ist nur soviel verboten, als zum Berauschen ausreichend. Wieviel heißt zum Berauschen ausreichend? Ein Viertellog vierzig Tage alter Wein.

8Wieso heißt es demnach Wein? Um dir zu sagen, daß sie verwarnt sind auch wegen jedes Quantums, und sogar von der Kelter.

9R. Jehuda sagte: Wein, ich weiß dies nur vom Weine, woher dies von anderen berauschenden Getränken? Es heißt: und Rauschtrank. Wozu heißt es demnach Wein? Auf Wein ist die Todesstrafe gesetzt, auf andere [berauschende] Getränke eine Verwarnung.

10R. Elea͑zar sagte: Wein sollst du nicht trinken; Rauschtrank [sollst du nicht trinken]; trinke ihn nicht so, daß er berauscht, wenn man aber dabei abgesetzt, oder man etwas Wasser hineingetan hat, ist man frei.

11Worin besteht ihr Streit? – Der erste Autor ist der Ansicht, man folgere durch [das Wort] Rauschtrank, das auch beim Naziräergebraucht wird,

12R. Jehuda folgert nicht durch [das Wort] Rauschtrank, das auch beim Naziräer gebraucht wird, und R. Elea͑zar ist der Ansicht, unter Rauschtrank sei das Berauschendezu verstehen. –

13Die Lehre, daß, wer eine qei͑lische Feige gegessen oder Honig oder Milch getrunken hat und in das Heiligtum eingetreten ist und Dienst getan hat, zu geißeln sei, vertritt also die Ansicht R. Jehudas. R. Jehudab. Aḥothaj sagte: Die Halakha ist wie R. Elea͑zar. Ferner sagte Rabh über R. Elea͑zar: Der bedeutendste unter den Weisen.

14R. Aḥa aus Huçal halte ein Gelübde getan inbetreff seiner Frau, und als er diesbezüglichzu R. Aši kam, sprach dieser zu ihm: Jetzt geheund komm morgen. Rabh bestellte nämlich keinen Dolmetsch an einem Festtage zum nächsten, wegen Trunkenheit.

15Jener sprach: Rabh sagte ja, die Halakha sei wie R. Elea͑zar, und der Meister hat ja Wasser [in den Wein] getan!? Dieser erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem Viertellog und eines von mehr als einem Viertellog.

16Die Rabbanan lehrten:Und zwischen dem Heiligen und dem Gemeinen zu trennen, das sind Wertgelübde, Schätzgelübde, Gebanntes und Geheiligtes;

17zwischen dem Unreinen und dem Reinen, das sind [Entscheidungen über] Unreines und Reines;und zu lehren, das ist die Entscheidung;all die Gesetze, das sind die Auslegungen;das Wort des Herrn, das ist die Halakha; durch Moše, das ist der Talmud.

18Man könnte glauben, auch die Mišna, so heißt es und zu lehren. R. Jose b. R. Jehuda sagte: Man könnte glauben, auch der Talmud, so heißt es: und zu lehren.

19Die Lehre, ausgenommen sei die Entscheidung, das Kriechtier sei unrein und der Frosch sei rein, die auch Weintrunkene treffen dürfen, vertritt also die Ansicht des R. Jose b. R. Jehuda und nicht die der Rabbanan. – Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, nur ist es hierbei anders, denn dies ist in der Kinderschulezu lernen.

20Rabh sagte: Die Halakha ist wie R. Jose b. R. Jehuda. – Rabh bestellte ja aber keinen Dolmetsch an einem Festtage zum nächsten, wegen Trunkenheit!? – Anders war es bei Rabh, der Entscheidungen zu treffen hatte. – Sollte er ihn doch bestellen, aber keine Entscheidungen treffen!? – Wo Rabh war, ging es nicht ohne Entscheidungen.

21MANCHER ISST EINE SPEISE UND IST DIESERHALB VIER SÜNDOPFER UND EIN SCHULDOPFER SCHULDIG: WENN EIN UNREINER VON OPFERN ÜBRIGGEBLIEBENEN TALG AM VERSÖHNUNGSTAGE GEGESSEN HAT.

22R. MEÍR SAGTE: WENN ES AN EINEM ŠABBATH WAR UND ER IHN [IM MUNDE] HINAUSGEBRACHT HAT, IST ER [AUCH DIESERHALB] SCHULDIG. SIE ERWIDERTEN IHM: DIES GEHÖRT NICHT ZU DIESEM RUBRUM.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.