Ketubbot — Blatt 10a

1Es wurde gelehrt: R. Naḥman sagte im Namen Šemuéls im Namen des R. Šimo͑n b. Elea͑zar: Die Weisen sind es, die für die Töchter Jisraéls die Anordnung getroffen haben, daß eine Jungfrau zweihundert [Zuz] und eine Witwe eine Mineerhalte, und sie glauben ihm, wenn er sagt, er habe eine offene Türgefunden. — Was haben die Weisen demnach mit ihrer Anordnung erreicht!?

2Raba erwiderte: Es steht fest, daß niemand sich mit einem Gastmahle abmühtund es verdirbt.

3Es wird gelehrt: Da dies nur eine von den Weisen angeordnete Geldbuße ist, so kann sie nur vom Schlechtesteneinfordern. — ‘Eine Geldbuße’, wieso denn eine Geldbuße!? — Vielmehr, da dies nur eine Anordnung der Weisen ist, so kann sie nur vom Schlechtesten einfordern. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, die Morgengabe (der Frau) sei eine Anordnung der Tora. —

4Kann R. Šimo͑n b. Gamliél dies denn gesagt haben, es wird ja gelehrt: Einen Geldbetrag soll er darwägen gemäß der Gabe für Jungfrauen; diese gleicht der Gabe für Jungfrauenund die Gabe für Jungfrauen gleichtdieser. Hierauf stützten sich die Weisen, die Morgengabe (der Frau) in der Tora [angedeutet zu finden]. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, die Morgengabe (der Frau) sei nicht aus der Tora, sondern eine Anordnung der Schriftkundigen. —

5Wende es um. — Was veranlaßt dich, die letztere [Lehre] umzuwenden, wende die erstere um!? —

6Wir wissen von R. Šimo͑n b. Gamliél, daß er der Ansicht ist, die Morgengabe (der Frau) sei aus der Tora, denn es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, er zahle ihrin kappadokischer Münze.

7Wenn du aber willst, sage ich: die ganze Lehre ist von R. Šimo͑n b. Gamliél, nur ist sie lückenhaft und muß wie folgt lauten: hierauf stützten sich die Weisen, die Morgengabe der [Jung]frau in der Tora [angedeutet zu finden]; die Morgengabe der Witwe aber ist nicht aus der Tora, sondern eine Anordnung der Schriftkundigen. R. Šimo͑n b. Gamliél sagte nämlich, die Morgengabe der Witwe sei nicht aus der Tora, sondern eine Anordnung der Schriftkundigen.

8Einst kam jemand vor R. Naḥman und klagte, er habe eine offene Tür gefunden. Da sprach R. Naḥman: Verabreicht ihm mit der Gerte, Huren liegen vor ihm niedergestreckt. —

9R. Naḥman selber sagte ja aber, er sei glaubwürdig!? — Er ist glaubwürdig, jedoch verabreiche man ihmmit der Gerte. R. Aḥaj erklärte: Das eine gilt von einem Ledigen, das andere von einem Verheirateten.

10Einst kam jemand vor R. Gamliél und klagte, er habe eine offene Tür gefunden. Dieser erwiderte: Vielleicht hast du eine Biegunggemacht? Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Wenn jemand in nächtlicher Dunkelheit geht, so findet er [die Tür], wenn er eine Biegungmacht, offen, und wenn er keine Biegung macht, geschlossen.

11Manche sagen, er habe ihm wie folgt erwidert: Vielleicht hast du absichtlich eine Biegung gemacht und die Tür samt dem Riegelfortgerissen. Ich will dir ein Gleichnis sagen, womit dies zu vergleichen ist. Wenn jemand bei nächtlicher Dunkelheit geht, so findet er [die Tür], wenn er heftig anstößt, offen, und wenn er nicht heftig anstößt, geschlossen.

12Einst kam jemand vor R. Gamliél b. Rabbi und klagte: Meister, ich habe ihr beigewohnt und kein Blut gefunden. Sie aber erwiderte: Meister, ich war Jungfer. Da sprach er zu ihnen: Holt mir das Laken. Als man es ihm holte, ließ er es in Wasser weichen und waschen, worauf sich auf diesem viele Blutfleckezeigten. Hierauf sprach er zu ihm: Geh, freue dich deines Kaufes.

13Hona Mar, der Sohn Rabas, aus Parziqa, sprach zu R. Aši: Sollen auch wir dies tun? Dieser erwiderte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.